Schaubude Berlin

Foto von fünfgeschossigem Eckhaus
Die Schaubude im Erdgeschoss der Greifswalder Straße 81–84

Die Schaubude Berlin ist eine staatlich geförderte Spiel- und Produktionsstätte für Figuren- und Objekttheater der Freien Szene im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg. Es wurde 1993 gegründet und zog in die Räumlichkeiten des 1991 aufgelösten Puppentheater Berlin. Die Schaubude befindet sich in der Trägerschaft der Kulturprojekte Berlin, einer landeseigenen GmbH.

Das Programm der Schaubude richtet sich sowohl an Kinder als auch Erwachsene. Ohne festes Ensemble liegt der Fokus auf Gastspielen, Koproduktionen und Festivals. In den Schaufenstern werden regelmäßig künstlerische Installationen gezeigt.

Geschichte

Puppentheater Berlin

Das Puppentheater Berlin wurde 1953 mit Sitz im Pionierpark „Ernst Thälmann“ (Volkspark Wuhlheide) gegründet und von Rudolf Hahlbohm geleitet. 1954 wurde ein zweites Puppentheater, geleitet von Hans Otto Rieck, im Haus des Kindes am Straußberger Platz gegründet. Nach dem Zusammenschluss der beiden Puppentheater im Jahr 1965 zog das eine der beiden Theater unter der Leitung von Carl Schröder aus der Wuhlheide in die Räume des ehemaligen Odeum-Kinos in Berlin-Pankow. 1973 bezogen dann beide Ensemble zusammen die Räume in Greifswalder Straße 81–84, in denen zuvor das Kino Atlas untergebracht war. In den 1970er Jahren beschäftige das Theater rund 60 Mitarbeitende, darunter 15 Puppenspielende, und war das damals größte Puppenspiel-Ensemble im deutschsprachigen Raum.

Das Puppentheater Berlin produzierte jährlich rund drei bis vier neue Inszenierungen für Kinder und Jugendliche, darunter zahlreiche Ur- und DDR-Erstaufführungen. Der Spielplan legte einen Schwerpunkt auf Märchenstücke, u. a. verfasst von Elke Erb. Es bestand eine enge Zusammenarbeit mit der Fachrichtung Puppenspiel der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. 1986 eröffnete das Puppentheater Berlin eine zweite Spielstätte im Theater unterm Dach im Ernst-Thälmann-Park in Prenzlauer Berg. In der Spielzeit 1988/89 gab es einen Programmschwerpunkt „Brecht im Puppentheater“.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Puppentheater Berlin 1991 einschließlich seiner 70 Mitarbeitenden durch den Berliner Senat abgewickelt.

Intendanzen

Inszenierungen (Auswahl)

Schaubude Berlin

Nach der Abwicklung des Puppentheater Berlin wurde 1993 die Schaubude – Puppentheater Berlin als Spielstätte für freies Puppentheater ohne eigenes Ensemble gegründet. Gründungsintendant Gerd Taube etablierte zunehmend auch einen Abendspielplan für Erwachsene. Ab 1997 entstand unter der Leitung von Silvia Brendenal ein zusätzlicher Fokus auf Objekttheater (théâtre d'objets), das sich aus der bildenden Kunst entwickelt hat. Tim Sandweg setzte als künstlerischer Leiter ab 2015 diese Tradition fort und erweiterte sie um Fragen und Formen der Digitalität und Robotik. Seit 2018 richtet die Schaubude jedes Jahr das Theater der Dinge aus, mittlerweile eines der wichtigsten Festivals für zeitgenössisches Figuren- und Objekttheater in Deutschland.

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Abteilung Puppenspiel der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, die auf DDR-Zeiten zurückgeht.

Leitung

  • 1993–1997: Gerd Taube
  • 1997–2015: Silvia Brendenal
  • seit 2015:Tim Sandweg

Gebäude

Gebäude in der Greifswalder Straße/Ecke Storkower Straße

Das Gebäude in der Greifswalder Straße 81–84/Ecke Storkower Straße wurde 1930 nach Plänen des Architekten Ernst Schneckenberg als Wohnanlage und Geschäftshaus für die Karstadt AG erbaut. 1949 wurde in den Räumlichkeiten ein Kino eingerichtet, das unter dem Namen Filmbühne Atlas noch bis 1971 betrieben wurde.

Das Gebäude ist in der Nähe des S-Bahnhof Greifswalder Straße gelegen und steht unter Denkmalschutz.

Commons: Schaubude Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Schaubude Berlin. In: Andere Räume. Die Freien Spielstätten in Berlin. Theater der Zeit, 2021, abgerufen am 13. August 2026.
  2. 1 2 3 Profil. In: Schaubude Berlin. Abgerufen am 13. August 2026.
  3. 1 2 Pia Frendeborg: C Rep. 733 Puppentheater Berlin. In: Archivportal-D. Landesarchiv Berlin, 2011, abgerufen am 14. August 2026.
  4. 1 2 Steffen Popp: TEXT + KRITIK 214 – Elke Erb. edition text + kritik, 2017, ISBN 978-3-86916-572-1, S. 98 (google.de [abgerufen am 14. August 2026]).
  5. ↑ Der fliegende Koffer – Berliner Theater Chronik. 9. Dezember 1986, abgerufen am 14. August 2026.
  6. ↑ Der kaukasische Kreidekreis – Berliner Theater Chronik. 30. Juni 1988, abgerufen am 14. August 2026.
  7. ↑ Die Dreigroschenoper – Berliner Theater Chronik. 30. Januar 1989, abgerufen am 14. August 2026.
  8. ↑ ute scheub: Wie Berlin abgewickelt wird. In: taz. 4. Januar 1991, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 14. August 2026]).
  9. ↑ Weder Katz – noch Maus – Berliner Theater Chronik. 18. November 2025, abgerufen am 14. August 2026.
  10. ↑ Die kluge Bauerstochter – Berliner Theater Chronik. 17. November 2025, abgerufen am 14. August 2026.
  11. ↑ Der Stiefelgeist – Berliner Theater Chronik. 17. November 2025, abgerufen am 14. August 2026.
  12. ↑ Der Zauberer von Oss – Berliner Theater Chronik. 17. November 2025, abgerufen am 14. August 2026.
  13. ↑ Der doppelte Schatten – Berliner Theater Chronik. 17. November 2025, abgerufen am 14. August 2026.
  14. ↑ Der freundliche Drache – Berliner Theater Chronik. 27. November 2025, abgerufen am 14. August 2026.
  15. ↑ Die Erdenfahrt des Doktor Faustus – Berliner Theater Chronik. 25. Januar 1984, abgerufen am 14. August 2026.
  16. ↑ Auweia und Ratzbatz – Berliner Theater Chronik. 19. März 1985, abgerufen am 14. August 2026.
  17. ↑ Attila oder Ich habe dich zum Fressen gern – Berliner Theater Chronik. 12. Oktober 1986, abgerufen am 14. August 2026.
  18. ↑ Herr Konnie und die Uhren – Berliner Theater Chronik. 9. Mai 1989, abgerufen am 14. August 2026.
  19. 1 2 Susanne Messmer: 25 Jahre Schaubude Berlin: Wenn Dinge zu Schauspielern werden. In: taz. 14. Mai 2018, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 14. August 2026]).
  20. ↑ Theater der Dinge – Der Schaubude-Blog. Abgerufen am 14. August 2026.
  21. ↑ Ensemble Storkower Straße, Wohnanlage und Geschäftshaus R. Karstadt A.G., Obj.-Dok.-Nr. 09090301. In: Denkmaldatenbank. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Berlin, abgerufen am 14. August 2026.

Koordinaten: 52° 32′ 27,3″ N, 13° 26′ 20,8″ O