Scheinkrokusse

Scheinkrokusse

Großblütiger Scheinkrokus (Romulea bulbocodium)

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Schwertliliengewächse (Iridaceae)
Unterfamilie: Crocoideae
Gattung: Scheinkrokusse
Wissenschaftlicher Name
Romulea
Maratti

Die Scheinkrokusse (Romulea), auch Sandkrokusse genannt, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Schwertliliengewächse (Iridaceae). Die etwa 114 Arten sind hauptsächlich im Mittelmeerraum und im südlichen Afrika verbreitet; das Zentrum der Artenvielfalt ist Südafrika.

Beschreibung

Unterirdische Pflanzenteile von Untergattung Spatalanthus Sektion Spatalanthus: Romulea rosea
Unreife Früchte von Untergattung Romulea Sektion Romulea: Romulea phoenicia
Reife, offene Frucht mit Samen von Untergattung Spatalanthus Sektion Spatalanthus: Romulea rosea
Samen von Untergattung Romulea Sektion Romulea: Romulea phoenicia
Illustration aus Adolf Engler: Die Pflanzenwelt Afrikas, insbesondere seiner tropischen Gebiete – Grundzüge der Pflanzenverbreitung im Afrika und die Charakterpflanzen Afrikas, 1910, Fig. 260: A) Romulea linaresii Pari, subsp. abyssinica Beg. a Habitus, b Andröceum und Gynäceum im Längsschnitt. B) Rom. campanuloides Harms, a Habitus, b Blüte, c Andröceum und Gynäceum im Längsschnitt, d Frucht, c Same. C) Moraea bella Harms, a ganze Pflanze, b Blüte, c Griffel mit den Staubblättern, d Frucht, e Same.

Vegetative Merkmale

Romulea-Arten wachsen als laubabwerfende oder seltener immergrüne, ausdauernde, krautige Pflanzen. Sie bilden sehr unterschiedlich geformte Knollen mit je nach Art unterschiedlichen Umhüllungen („Tunika“) als Überdauerungsorgane aus. Die grundständigen, einfachen Laubblätter sind unifacial, linealisch bis fadenförmig und parallelnervig mit meist zwei Rillen (mehr Rillen gibt es nur bei den beiden Arten der Serie Aquaticae). Der Blattrand ist glatt.

Generative Merkmale

Die nur kurzen, verzweigten, ährigen Blütenstände ragen oft nicht über die Erdoberfläche hinaus und enthalten eine ungestielte Blüte je Verzweigung. Die Tragblätter besitzen einen häutigen Rand. Es sind zwei ledrige, grüne Deckblätter je Blüte vorhanden.

Die Blüten duften meist nicht. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Die sechs fast gleich geformten Blütenhüllblätter sind kurz glockenförmig verwachsen. Die Farben der Blütenhüllblätter reichen von meist weiß über gelb bis orangefarben (orange-braun) oder rosafarben. Es ist nur ein Kreis mit drei meist freien, fertilen Staubblättern vorhanden. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen mit 20 bis 50 Samenanlagen je Fruchtknotenkammer. Der Griffel endet in meist sechs, selten drei Narbenästen.

Bei vielen Arten wächst der Stängel nach der Befruchtung bis zur Fruchtreife und ragt dann über die Erdoberfläche hinaus. Die dreifächerigen Kapselfrüchte enthalten 20 bis 100 Samen. Die ungeflügelten, kugeligen Samen sind hell bis dunkelbraun und meist glatt.

Systematik und Verbreitung

Untergattung Romulea Sektion Romulea: Romulea camerooniana
Untergattung Romulea Sektion Romulea: Großblütiger Scheinkrokus (Romulea bulbocodium)
Untergattung Romulea Sektion Romulea: Romulea columnae
Untergattung Romulea Sektion Romulea: Kanaren-Scheinkrokus (Romulea grandiscapa Baker)
Untergattung Romulea Sektion Romulea: Romulea ligustica
Untergattung Romulea Sektion Romulea: Griechischer Scheinkrokus (Romulea linaresii)
Untergattung Romulea Sektion Romulea: Romulea phoenicia
Untergattung Romulea Sektion Romulea: Romulea ramiflora
Untergattung Romulea Sektion Romulea: Romulea requienii
Untergattung Romulea Sektion Ciliatae: Romulea flava
Illustration von Untergattung Romulea Sektion Ciliatae: Romulea speciosa
Untergattung Romulea Sektion Ciliatae: Romulea tabularis
Untergattung Romulea Sektion Hirsutae: Romulea hirsuta
Untergattung Spatalanthus Sektion Cruciatae: Romulea eximia im Habitat
Untergattung Spatalanthus Sektion Spatalanthus: Romulea obscura
Untergattung Spatalanthus Sektion Spatalanthus: Romulea rosea
Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, Volume 575 von Romulea rosea var. australis

Die Gattung Romulea wurde 1772 durch Giovanni Francesco Maratti in Plantarum Romuleae, et Saturniae, 13 aufgestellt. Der Gattungsname Romulea Maratti nom. cons. wurde konserviert gegenüber dem 1763 veröffentlichten Synonym Ilmu Adans. nom. rej. (Melbourne ICN Art. 14.4 & App. III). Der Gattungsname Romulea ist vom Gründer Roms Romulus abgeleitet; die Typusart wächst rund um Rom. Weitere Synonyme für Romulea Maratti nom. cons. sind: Trichonema Ker Gawl., Bulbocodium Gronov. nom. illeg., Bulbocodium Ludw. ex Kuntze nom. illeg., Spatalanthus Sweet.

Die Gattung Romulea gehört zur Tribus Croceae (Syn.: Ixieae) in der Unterfamilie der Crocoideae innerhalb der Familie der Iridaceae.

Romulea-Arten sind im atlantischen Europa und im Mittelmeerraum, in Ostafrika, auf der Arabischen Halbinsel, auf Socotra, auf Bergen des tropischen Afrikas (drei Arten: Romulea camerooniana, Romulea congoensis und Romulea fischeri) und im Südlichen Afrika verbreitet. Etwa 15 Arten kommen im Mittelmeerraum, in Westeuropa und Makaronesien (auf den Kanaren, Madeira sowie den Azoren) vor. In Italien kommen zwölf Arten vor. Auf den Inseln des westlichen Mittelmeerraumes gibt es 16 Arten (Korsika acht Arten, Sizilien sechs Arten). 83 Arten kommen im Südlichen Afrika, hauptsächlich in Gebieten mit Winterregen (80 % aller Arten) vor.

Die Gattung Romulea wird in zwei Untergattungen mit sechs Sektionen sowie Serien gegliedert und enthält seit 2014 114 Arten:

Seit 2008 wurden außerdem noch folgende Arten – ohne Einordnung in eine Sektion oder Serie – erstbeschrieben:

Es gibt viele Naturhybriden, von denen einige auch als Arten beschrieben wurden.

Verwendung

Sorten von Romulea bulbocodium werden als Zierpflanzen verwendet.

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 Datenblatt Romulea bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
  2. ↑ Romulea bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 13. Oktober 2014.
  3. 1 2 3 4 5 Romulea im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 13. Oktober 2014.
  4. 1 2 3 4 Datenblatt von Romulea bei Altervista Flora Italiana, mit Fotos und Verbreitungskarten.
  5. 1 2 3 4 John C. Manning, Peter Goldblatt, A. D. Harrower: Romulea pilosa and R. quartzicola (Iridaceae: Crocoideae), two new species from the southern African winter rainfall region, with nomenclatural corrections including new names for R. amoena, R. neglecta and R. rosea var. reflexa. In: Bothalia. Band 41, Nr. 2, 2011, S. 269–276 (PDF-Datei).
  6. 1 2 3 4 John C. Manning, Peter Goldblatt: Romulea alticola and Romulea monophylla (Iridaceae: Crocoideae), two new species from Western Cape. In: South African Journal of Botany, Volume 95, 2014, S. 131–134. doi:10.1016/j.sajb.2014.09.004
  7. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 Artenliste zu Romulea in der Red List of South African Plants
  8. 1 2 3 4 5 6 7 F. Frignani, G. Iiriti: The genus Romulea in Italy: taxonomy, ecology and intraspecific variation in relation to the flora of Western Mediterranean islands. In: Fitosociologia. Band 48, Nr. 2, Supplement 1, 2011, S. 13–20 (PDF-Datei).
  9. 1 2 Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  10. 1 2 3 John C. Manning, Peter Goldblatt: Iridaceae: Romulea lutea and R. tubulosa (Crocoideae), two new species from Namaqualand, South Africa. In: Bothalia, Volume 38, Issue 1, 2008, S. 78–82.
  11. 1 2 3 Khodr H. Addam, Mounir Bou-Hamdan, Nisreen Sabbagh: Romulea jezzinis K. Addam & M. Bou-Hamdan sp. nov and Romulea libanotica K. Addam & M. Bou-Hamdan sp. nov (Iridaceae), Two New Species from Lebanon, In: MOJ Ecology & Environmental Sciences, August 2022. doi:10.15406/mojes.2022.07.00253
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