Schifffahrtsradar

Rotierende Radarantenne auf einem Schiff
Bildschirm eines typischen Schiffsradars: Man erkennt sowohl Reflexionen von anderen Schiffen als auch solche von Strukturen am Ufer

In diesem Artikel werden unter dem Begriff Schifffahrtsradar folgende Systeme zusammengefasst:

  1. Schiffsradare, das sind Radare, die auf Schiffen installiert sind, und
  2. Landradare, die an Küsten und Ufern von Seen, Flüssen und Kanälen zur Überwachung des Schiffsverkehrs betrieben werden.

Die Erkennung von Hindernissen auf See war historisch gesehen die erste Anwendung eines Radars. Erst nach dem Untergang der Titanic im Jahr 1912 wurde jedoch der Bedarf von Radargeräten an Bord von Schiffen wirklich deutlich. Seitdem ist der Schifffahrtsbereich einer der Schlüsselbereiche für die Anwendung der Radartechnik geblieben. Zur Anwendung von Radargeräten auf Schiffen kam später auch die Nutzung von Radaren an Küsten und Ufern von Seen, Flüssen und Kanälen zur Überwachung des Schiffsverkehrs.

Die Antenne eines Schifffahrtsradars sendet einen schmalen, fächerförmigen vertikalen Strahl aus Mikrowellen aus, der senkrecht zur Hauptachse der Antenne verläuft und sich horizontal bis zum Horizont erstreckt. Bei jeder Umdrehung überstreicht der Strahl die Umgebung ab. Alle Schiffe oder Hindernisse reflektieren die Mikrowellen zurück zur Antenne, woraufhin sie auf dem Radarbildschirm angezeigt werden.

Das auf einem Schiff installierte Radar dient der Erkennung von Hindernissen sowohl bei Tag als auch bei Nacht und bei Nebel. Bei diesen Hindernissen handelt es sich entweder um die Küste, um andere Schiffe oder um treibende Objekte wie Eisberge.

Anwendungen

Zivile Überwachung des Schiffsverkehrs

Streifenboot der Wasserschutzpolizei Schleswig-Holstein mit einer Radarantenne

Die Seeüberwachung umfasst folgende Aufgaben:

Radarantenne der Verkehszentrale Bremerhafen auf dem Leuchtturm Helgoland

Militärische Nutzung von Schiffsradaren

Es gibt grundsätzlich folgende Kategorien der militärischen Anwendung von Schiffsradaren:

Fregatte Mecklenburg-Vorpommern mit mehreren Radarantennen
Radar-Antennen der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern:
Unten die Antenne des Primärradars, oben die Sekundärradar-Antenne des Freund-Feind-Erkennungs-Systems

Anforderungen an Schifffahrtsradare

Die Schifffahrtsradare haben folgende besondere Anforderungen:

Folgende Techniken werden genutzt, um diese Herausforderungen zu lösen:

Technische Daten

Schiffsradare nutzen Frequenzen im S-Band (2–4 GHz) und im X-Band (9,3 bis 9,5 GHz) mit Sendeleistungen (Pulsspitzenleistung) zwischen 10 und 60 Kilowatt. Die damit theoretisch erzielbaren Reichweiten variieren bei einem angenommenen Rückstreuquerschnitt des Ziels von 10 Quadratmetern zwischen 8 und 12 nautischen Meilen (14,8 bis 22,2 km).

Die wirklich erzielten sind durch die Erdkrümmung begrenzt und hängen stark von der Höhe der Radarantenne und der Höhe des Ziels über dem Wasserspiegel (auf dem Meer, dem Meeresspiegel) ab (s. Radiohorizont). Bei Binnengewässern kommt dazu ggf. noch die Abschattung durch Hindernisse, beabaung, Hügel, Berge etc.

Radar-Reflektoren

Sowohl zur besseren „Sichtbarkeit“ von Schiffen, als auch von Bojen und Brücken werden Radarreflektoren vewendet. Dies erzeugen starke Radar-Echos, die auf dem Bildschirm als hell leuchtende Punkte erscheinen.

Corner-Reflektor auf einer Boje zur Realisierung der „Sichtbarkeit“ für Schiffsradare
Corner-Reflektor auf einem Brückenpfeiler (hier auf der Alten Brücke in Frankfurt am Main) zur Realisierung der „Sichtbarkeit“ für Schiffsradare
Oktaederförmiger Corner-Reflektor im Top einer Motoryacht

Überwachung und Regelung des Schiffsverkehrs in Deutschland

Küsten und Seeschifffahrt

Deutschland betreibt zur Überwachung und Regelung des Schiffsverkehrs an den Küsten sogenannte Verkehrszentralen, die international als Vessel Traffic Service Centre (VTSC) bezeichnet werden. Sie sind primär für den sicheren Verkehr der Fahrzeuge auf den Wasserstraßen zuständig. Diese nutzen Verkehrssicherungssysteme (engl. Vessel Traffic Services, VTS), die aus Radaranlagen in unbemannt betriebene Außenstationen und Stationen des Automatic Identification Systems (AIS) bestehen. Radarstationen (RS) übertragen die Radarbilder der einzelnen Revierabschnitte per Richtfunk über den Funkturm in die Verkehrszentrale. Dort wird auf Grundlage einer Radar- und Schiffsdatenverarbeitung ein fortlaufend aktualisiertes Verkehrslagebild erzeugt, anhand dessen Verkehrsabläufe geplant sowie Kollisionen und Strandungen vermieden werden können. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) über neun Verkehrszentralen, ein Radarnetzwerk mit 46 Radarstationen, ein küstenweites UKW-Sprechfunknetzwerk sowie ein AIS-Netzwerk mit 37 Standorten.

Binnenschifffahrt

Zur Überwachung des Schiffsverkehrs auf Binnengewässern in Deutschland fünf Revierzentralen bei den Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern (WSA), die Radare betreiben.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Alan G. Bole, Alan D. Wall, Andy Norris, W.O. Dineley: Radar and ARPA Manual: Radar and Target Tracking for Professional Mariners, Yachtsmen and Users of Marine Radar. 2. Auflage. Butterworth-Heinemann, Waltham, Massachusetts 2005, ISBN 978-0-08-048052-7.
  2. ↑ Naval Air & Surface Surveillance Radar SCANTER 4603. (PDF) In: terma.com. Terma A/S, Lystrup, Dänemark, abgerufen am 10. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ Marine Radar Detection Performance Comparison. (PDF) In: ssreng.com. SSR Engineering, Inc., Placentia, Kalifornien, 12. Juni 2011, abgerufen am 10. Oktober 2026 (englisch).
  4. ↑ Small and Efficient X-Band Solid State Radar. (PDF) In: terma.com. Terma A/S, Lystrup, Dänemark, abgerufen am 10. Oktober 2026 (englisch).
  5. ↑ Verkehrszentralen. In: https://www.wsa-weser-jade-nordsee.wsv.de/. Wasser und Schiffahrtsverwaltung des Bundes, WSV, abgerufen am 14. Oktober 2026.
  6. ↑ Erich Hartmann: Radarketten an der deutschen Küste. In: https://www.deutsche-leuchtfeuer.de/. Abgerufen am 14. Oktober 2026.
  7. ↑ Revierzentralen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern, abgerufen am 15. Oktober 2026.