Maschinentelegraf

Maschinentelegraf auf der Brücke des Eisbrechers Stettin
Maschinentelegraf eines anderen Schiffes, Gerät im Maschinenraum. Der Hebel zur Quittierung ist im Bild unten abgeschnitten.

Der Maschinentelegraf (engl. auch: Chadburn) wird in der Schifffahrt eingesetzt, um Maschinenkommandos von der Kommandobrücke in den Maschinenraum zu übertragen. Mit ihm wird nicht der Antrieb direkt gesteuert, sondern lediglich der gewünschte Geschwindigkeitsbereich und die Drehrichtung der Maschine dem Personal im Maschinenraum oder Maschinenkontrollraum übermittelt. Der Maschinentelegraf dient auf modernen Schiffen nur noch als Notfallkommunikation, wenn die direkte Maschinensteuerung von der Brücke ausgefallen ist.

Funktion

Der klassische Maschinentelegraf verfügt über einen Hebel, an dem der der wachhabende nautische Offizier die einzelnen Kommandos (meist volle Fahrt voraus, halbe Fahrt, langsame Fahrt, Halt, langsame Fahrt zurück, halbe Fahrt zurück und volle Fahrt zurück) übermitteln kann. Der Hebelapparat wird dazu auf die Raste der entsprechenden Position mit eindeutiger Beschriftung gestellt. Im Maschinenraum befindet sich eine Anzeige mit gleichem Aufbau. Ein Verändern der Position auf der Brücke führt zu einer entsprechenden Einstellung der Anzeige im Maschinenraum bzw. im Maschinenkontrollraum. Zusätzlich wird ein akustisches Signal für die Maschinenbesatzung erzeugt. Heute ist dieses zudem mit einem visuellen Signal verknüpft. Das Signal weist die Maschinenbesatzung auf den neuen Befehl hin.

Das wachhabende Maschinenpersonal quittiert diesen Befehl mit einem ähnlich angeordneten Stellhebel und führt ihn dann an der Maschine aus. Üblicherweise zeigt eine Rückleitung vom Maschinenraum, die als Zeigerelement hinter der Scheibe des Steuerhebels ausgeführt war, die quittierte Geschwindigkeit und Richtung an. Da es bei größeren Schiffen mit mehreren Schrauben notwendig sein kann, die einzelnen Antriebsanlagen mit unterschiedlichen Drehzahlen laufen zu lassen (beispielsweise um enger und präziser manövrieren zu können oder beim Anlegen den Roll-Effekt zu nutzen), sind Maschinentelegrafen in der Regel mit separaten Kommandohebeln für jeden Antrieb und einer entsprechenden Anzahl von Rückmeldeanzeigern ausgestattet.

Übertragen wurden die Signale früher über Messingseile und -ketten, die sich allerdings bis zu 14 % dehnten und häufig justiert werden mussten. Zum Teil wurden deshalb, etwa bei Kriegsschiffen, Gestänge statt Seile verwendet. Später wurden Drehmelder als Maschinentelegraf eingesetzt.

Heutiger Einsatz

Bei modernen Schiffen dient der Maschinentelegraf nur noch als Notfallverfahren zur Steuerung der Schiffsantriebe. Zudem werden die Signale der Maschinentelegrafen in der Regel elektronisch übertragen. Meist ist der Maschinentelegraf direkt in das Brückenpult eingelassen und deutlich kleiner. Er ist äußerlich kaum von den normalen Fahrhebeln zu unterscheiden. Eine Ausführung als Bedienpanel mit Tasten für die Fahrstufen ist ebenfalls weit verbreitet. Anforderungen mittels Maschinentelegraf werden an kleine Anzeigeelemente im Maschinenkontrollraum und bei dieselelektrischen Schiffen in den Steuerschränken übertragen. Die Alarmierung der Maschinenbesatzung erfolgt visuell und akustisch über die Lichtrufsäulen, die sich überall in den technischen Räumen moderner Schiffe befinden. Die Quittierung erfolgt nun mit kleinen Drehknöpfen oder Tastern analog zur Ausgestaltung der Brückenelemente.

Im Normalbetrieb können die Schiffsantriebe elektronisch und direkt mit einem Fahrstufenregler von der Kommandobrücke aus gesteuert werden. Damit entfällt für die Maschinenwache die Aufgabe, die Kommandos, die per Schiffstelegraf übertragen wurden, zu erkennen und auszuführen, was selbst im Idealfall mit einem unvermeidlichen Zeitverzug verbunden wäre. Durch die Einführung der Direktsteuerung der Maschinen wurde eine bedeutende Gefahrenquelle eliminiert, denn diese Zeitverzögerung, oder gar das Übersehen oder fehlerhafte Ausführen von Maschinenbefehlen kann fatale Folgen haben. Der Offizier im Ruderhaus hatte keinerlei Möglichkeit, die Maschine (und damit die Geschwindigkeit) direkt zu beeinflussen. Ein weiterer Grund, den Maschinentelegrafen nicht mehr im Regelbetrieb zu verwenden, ist die Einsparung von Maschinenpersonal.

Klassifizierungsgesellschaften schreiben in der Regel das Vorhandensein eines Maschinentelegrafen als Teil der Kommunikation zwischen Brücke und Maschine vor.

Weiterhin im Normalbetrieb werden die Maschinentelegraphen auf jenen historischen Schiffen verwendet, die noch im Originalzustand sind, wie etwa der Stadt Luzern auf dem Vierwaldstättersee.

Atom-U-Boote und andere Schiffe mit Nuklearantrieb besitzen ebenfalls Maschinentelegrafen, da die Reaktorregelung kompliziert sein kann und im Reaktorkontrollraum vorgenommen wird. Der diensthabende nautische Offizier kann jedoch über die Kommunikationsanlage zusätzlich zu den Angaben des Telegrafen eine genaue definierte Umdrehungszahl der Propeller befehlen.

Literatur

Commons: Maschinentelegraf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Maschinentelegraph – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Über Maschinentelegrafen auf der Website der Historischen Fähre Konstanz

Fußnoten

  1. ↑ Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 18. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. ↑ Submarine Electrical Installations, Navpers 16162 (online (Memento des Originals vom 1. Dezember 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 16. Januar 2013)
  3. ↑ DNV-RU-SHIP Pt.4 Ch.1 Machinery systems, general - edition Jul, 2025 / Sec.3 [2.4.6.2]. In: Standards and Rules Explorer des DNV. Det Norske Veritas, Juli 2025, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  4. ↑ Tom Clancy: Atom-U-Boot, München 1997, S. 96–97.