Burg Neulengbach

Burg Neulengbach
Burg Neulengbach von Süden

Burg Neulengbach von Süden

Alternativname(n) Schloss Neulengbach
Staat Österreich
Ort Neulengbach
Entstehungszeit um 1189

(Gründung des Marktes)

Burgentyp Höhenburg
Erhaltungszustand gut erhalten, zu Schloss umgebaut
Geographische Lage 48° 12′ N, 15° 55′ OKoordinaten: 48° 11′ 53″ N, 15° 54′ 37″ O
Burg Neulengbach (Niederösterreich)
Burg Neulengbach (Niederösterreich)

Die Burg Neulengbach war eine Höhenburg auf einem freistehenden und rund 80 m hohem Bergkegel über der niederösterreichischen Stadt Neulengbach im Bezirk St. Pölten, die im 16. und 17. Jahrhundert zu einem Schloss umgebaut wurde. Die Schlossanlage ist ein dreigeschoßiger Vieleckbau mit zweifachem Wehrring und acht Rundtürmen, einem Vorbau mit prachtvollem Renaissanceportal und einem Hof mit toskanischen Doppelsäulen und steinernem Brunnenbecken.

Geschichte

Die Gründung durch die Lengenbacher (um 1190–1236)

Die Burg Neulengbach wurde gemeinsam mit dem Markt von den Hochfreien von Lengenbach um das Jahr 1189 gegründet.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts verlegten die Lengenbacher ihren Herrschaftssitz von Altlengbach nach Neulengbach. Auf dem weithin sichtbaren, gut zu verteidigenden Schlossberg entstand eine neue Burg, die zum Mittelpunkt ihrer Herrschaft wurde.

Die ursprüngliche Burg war wesentlich kleiner als die heutige Anlage. Sie bestand aus einem Palas, einem mächtigen Bergfried und einem kleineren Turm, die durch eine Ringmauer miteinander verbunden waren.

In einer Urkunde vom 31. Jänner 1197 bestätigte Bischof Wolfger von Passau unter anderem Schenkungen Otto IV. von Lengenbach († 1192/95) und seines Sohnes Hartwig III. zugunsten des Stiftes St. Andrä an der Traisen. Darin wird auch eine Verfügung Ottos über die Zollfreiheit für Waren aus dem Wald oder dem Markt Lengbach bestätigt.

Hartwig III. von Lengenbach (ca. 1150–1219) war Domvogt zu Regensburg, er erbte über 20 Burgherrschaften, die durch Ministerialen und Burgmannen verwaltet wurden. Teilnehmer am Dritten Kreuzzug unter Kaiser Friedrich Barbarossa.

1219 übernahm Otto V. von Lengenbach die Herrschaft über den umfangreichen Familienbesitz. Die Zeit unter dem letzten Lengbacher war eine Glanzperiode der Burg. Unter den zahlreichen Gästen waren Minnesänger wie Ulrich von Liechtenstein, Neithart von Reuenthal und Gottfried von Totzenbach. Otto geriet schließlich in Konflikt mit Herzog Friedrich II. dem Streitbaren und beteiligte sich 1235 an einem Aufstand gegen den Landesfürsten. Bei diesen äußerst hart geführten Auseinandersetzung fand der letzte Lengenbacher im Jänner 1236 den Tod, er wurde erschlagen. Mit seinem Tod erlosch das hochfreie Geschlecht der Lengenbacher.

Landesfürstliche Burg und Verwaltungssitz (1236–1565)

Herzog Friedrich II. zog den Großteil den beachtlichen Besitzes der Lengenbacher ein. So kam Neulengbach in den Besitz der Babenberger, später an König Ottokar II. Przemysl und an die Habsburger.

Die jüngeren Lengenbacher (1236–1310)

Nach dem Aussterben der hochfreien Lengenbacher gelang es ihren ehemaligen Ministerialen, den Truchsessen von Lengenbach, große Teile des Familienbesitzes zu übernehmen, sie besaßen die Güter als Lehen des Landesherren. Unter ihrer Herrschaft wurde die Aufstockung des Palas und die Erhöhung der Türme um zwei Stockwerke sowie einige Zubauten veranlasst.

Im Laufe des 13. Jahrhunderts stiegen sie zu einem der führenden Landherrengeschlechter Österreichs auf. Heinrich Truchsess von Kreuzenstein-Lengenbach behauptete seine Stellung unter König Ottokar II. Přemysl und nahm 1251 an dessen erstem Landtaiding in Korneuburg teil.

Nach Heinrichs Tod übernahm um 1270 sein Sohn Friedrich Truchsess von Lengenbach die Führung der Familie. Zu ihrem umfangreichen Besitz gehörten neben Neulengbach auch die Burgen Aichberg, Asperhofen, Purkersdorf, Reinsberg und Randegg. Als Rudolf von Habsburg 1276 gegen König Ottokar nach Österreich zog, schloss sich Friedrich dem neuen Herrscher an. Unter den Habsburgern gehörte er zum Kreis der Ratgeber Herzog Albrechts I. und bekleidete ab 1289 das Amt des österreichischen Kämmerers.

Zu Beginn der 1290er-Jahre geriet Friedrich in Konflikt mit Herzog Albrecht I. und verlor vermutlich um 1293 die Burg Neulengbach an den Landesfürsten. Der einst wohlhabende Landherr, der nach der Dichtung Seifried Helblings ein Aufgebot von 200 Rittern stellen konnte, geriet zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Er starb vermutlich vor dem 23. Mai 1297 und hinterließ beträchtliche Schulden.

Landesfürstliche Pfleger und Pfandherren

Spätestens 1310 befand sich die Burg wieder unter unmittelbarer landesfürstlicher Verwaltung. Am 4. Juli dieses Jahres wird Marquart von Schellenberg urkundlich als Burggraf von Neulengbach bezeichnet. Die jüngeren Lengenbacher behielten weiterhin Besitzungen in der Umgebung, hatten ihre Stellung als Burgherren jedoch verloren. 1314 wird Konrad von Kyburg als Pfleger der Burg Neulengbach erwähnt.

Die Herrschaft Neulengbach gehörte später zur Morgengabe Herzog Friedrichs des Schönen an seine Gemahlin Isabella von Aragón, die nach ihrer Eheschließung den Namen Elisabeth annahm. Im Jahr 1383 hatte Alber von Puchheim die Herrschaft Neulengbach inne, während Rudolf von Baumgarten als Burggraf amtierte. Weitere namentlich bekannte Amtsträger waren Reinhard von Friesing, der 1388 als Burggraf erscheint und 1392 bekleidete Jörg von Seebeck (1386–1401 Herr von Unterthurm) das Amt des Pflegers auf der Burg. Auch sein Sohn Georg wird als Pfleger von Neulengbach genannt. Am 29. September 1416 erscheint Paul Matseber in einer Urkunde des Stiftes St. Andrä an der Traisen ausdrücklich als Pfleger zu (Neu-)Lengbach. Im 15. und 16. Jahrhundert verpfändeten die immer unter Geldmangel leidenden Habsburger Neulengbach mehrfach.

Im Jahr 1528 war der Ritter Blasius Natlitsch zum Wasen († 1547) als Pfleger der Herrschaft Neulengbach tätig. Am 3. Juni 1528 berichtete er der Regierung in Wien über die Gefangennahme von 33 Angehörigen der Täuferbewegung und ersuchte um Anweisungen für das weitere Vorgehen. König Ferdinand I. ordnete daraufhin an, entsprechend den bestehenden Mandaten gegen die Gefangenen vorzugehen. Wenige Wochen später wurden 18 der Gefangenen hingerichtet.

Während der Ersten Wiener Türkenbelagerung im Jahr 1529 drangen osmanische Streiftruppen bis in das Gebiet von Neulengbach vor. Während die Burg uneingenommen blieb, wurden der Markt und zahlreiche Ortschaften der Umgebung schwer verwüstet.

Im Jahr 1549 befand sich die Burg Neulengbach als Pfandschaft im Besitz des Freiherrn Johann Hofmann von Grünbühel und Strechau (um 1492–1564), eines Schatzmeisters und Geheimen Rates König Ferdinands I.

Spätestens 1554 befand sich die Pfandherrschaft im Besitz Christophs von Tannhausens (um 1520–1565), der von 1557 bis 1565 als Landeshauptmann von Kärnten amtierte.1564 zog er sich auf seine niederösterreichischen Besitzungen zurück.

Die Khuen von Belasy

Wappen

Im Jahr 1565 gelangte die Herrschaft Neulengbach an Rudolf Khuen von Belasy (1533–1581), den älteren Bruder des Salzburger Fürsterzbischofs Johann Jakob Khuen von Belasy. Rudolf stand als Geheimer Rat und Oberstallmeister in kaiserlichen Diensten und wurde 1573 in den Freiherrenstand erhoben. 1572/1573 gelang es ihm, die bisher landesfürstliche Herrschaft Neulengbach als freies Eigen zu erwerben.

Um 1577 ließ Rudolf die mittelalterliche Burg durch einen heute unbekannten Baumeister zu einem ausgedehnten Spätrenaissanceschloss umbauen. Da der Burgfelsen für die wesentlich größere Anlage nicht genügend Platz bot, mussten an der Westseite mächtige Stützmauern und Unterkonstruktionen errichtet werden, wodurch mehrstöckige Kasematten entstanden.

Nach dem Tod Rudolfs von Khuen im Jahr 1581 übernahm sein Sohn Johann Eusebius Khuen von Belasy die Herrschaft Neulengbach. Er gehörte zu den wenigen bedeutenden katholisch gebliebenen Grundherren im östlichen Niederösterreich, während sich große Teile des dortigen Adels dem Protestantismus zugewandt hatten. Johann Eusebius nahm eine führende Stellung innerhalb des katholischen niederösterreichischen Herrenstandes ein und stand als Geheimer Rat, Gesandter und Kriegskommissar im Dienst des Kaisers. Im Jahr 1618 erwarb er außerdem die benachbarte Herrschaft Baumgarten. und um 1620 ließ er ein neues Gerichtsgebäude im Markt errichten.

Bedeutend für die Geschichte Neulengbachs ist seine testamentarische Stiftung von 30.000 Gulden zur Errichtung eines Franziskanerklosters. Johann Eusebius’ Witwe Maria Khuen von Belasy lebte noch bis 1632. Sie führte die Stiftung ihres verstorbenen Mannes aus und gründete 1623 das Franziskanerkloster in Neulengbach. Die Franziskanerkirche wurde später zur heutigen Pfarrkirche von Neulengbach.

Grafen Pálffy von Erdöd

Seine Tochter und Erbin Maria Franziska Khuen (1610–1672) heiratete Paul Graf Pálffy von Erdöd, der ab 1625 Präsident der Ungarischen Hofkammer war und 1649 zum Palatin von Ungarn aufstieg. Maria Franziska wird noch 1644 als Besitzerin der Herrschaft Neulengbach genannt. Über ihre Nachkommen gelangte die Burg an die Familie Pálffy. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor.

Johannes Karl Graf Palffy

Nach dem Tod Maria Franziskas Khuen von Belasy im Jahr 1672 übernahm ihr jüngerer Sohn Johann Karl Pálffy von Erdőd (1645–1694) die Herrschaft Neulengbach. Der kaiserliche Heerführer war seit 1669 mit Sidonia Agnes von Liechtenstein verheiratet, wurde 1694 zum Feldmarschall ernannt und starb noch im selben Jahr in Mailand.

Während der osmanischen Einfälle von 1683 organisierte Sidonia Agnes die Verteidigung der Burg, in der zahlreiche Einwohner des von osmanischen Streifscharen verwüsteten Marktes Zuflucht fanden.

Sagenhafte Überlieferung der Geschehnisse von 1683

Als im Jahr 1683 osmanische Truppen in die Gegend von Neulengbach einfielen, suchten Hunderte Menschen Zuflucht hinter den Mauern der Burg. Da die wehrfähigen Männer zum Schanzenbau nach Purkersdorf befohlen worden waren und sich Schlossherr Johann Karl Pálffy im kaiserlichen Kriegsdienst befand, übernahm seine Gemahlin Sidonia Agnes von Liechtenstein die Verteidigung.

Als im benachbarten Anzbach die Flammen aufloderten, ließ sie die Tore schließen und rief die Frauen zur Verteidigung auf. Sie unterwies sie im Umgang mit den Geschützen, während die wenigen zurückgebliebenen Männer mit Schwertern und Hellebarden bewaffnet wurden. Selbst mit Säbel, Pistole und Dolch gerüstet, organisierte die Gräfin die Versorgung der Flüchtlinge und sprach den Verteidigern Mut zu.

Bald näherten sich angeblich drei- bis viertausend osmanische Reiter und Soldaten. Sie setzten den Markt samt dem Kloster in Brand und stürmten gegen die Burg. Doch die Frauen bedienten geschickt die Geschütze, während Knaben und Mädchen siedendes Pech und Steine gegen die Angreifer herbeitrugen. Sidonia Agnes soll selbst in vorderster Reihe gestanden und mit ruhiger Hand auf die heranstürmenden Soldaten geschossen haben.

Schließlich ließ der feindliche Befehlshaber zum Rückzug blasen. Auch bei weiteren Angriffen in den folgenden Monaten ist es den Osmanen nicht gelungen, die Burg einzunehmen.

Nach dem Tod ihres Mannes 1694 verwaltete Sidonia Agnes Pálffy die Familienbesitzungen in Niederösterreich und der heutigen Slowakei. Sie förderte den Piaristenorden und unterstützte das Elisabethinenspital in Wien. Sie starb am 20. März 1721 in Wien und wurde in der Familiengruft der Pálffys in der Augustinerkirche beigesetzt.

Bartholotti von Partenfeld

Graf Nikolaus Joseph Pálffy, der Sohn von Sidonia Agnes Palffy, verkaufte 1696(1701) an Johann Paul Bartholotti von Partenfeld († 1723), kaiserlicher Hofkammerrat. Dieser erwarb Alt- und Neulengbach, Raipoltenbach, Plankenberg, Rust, und die Veste Leitten. und blieb bis zu seinem Tod unverheiratet, so dass sein Erbe an seinen Bruder Johann Baptist Bartholotti von Partenfeld († 1741) fiel. Der kaiserliche Hofkammerrat und niederösterreichische Salzoberamtmann wurde 1729 in den Reichsgrafenstand erhoben. Nach dem Zusammenbruch des Wiener Wechselhauses Hauzenberger 1736/37 geriet die Familie Bartholotti von Partenfeld in finanzielle Schwierigkeiten und musste zahlreiche Besitzungen verkaufen. Im Jahr 1740 ging die Herrschaft Neulengbach an die Fürsten Lubomirski über.

Fürsten Lubomirski

1739/40 erwarb Johann Theodor Konstantin Fürst Lubomirski (1683–1745), Woiwode von Krakau und kaiserlicher Feldmarschall von der Familie Bartholotti von Partenfeld die Herrschaft Neulengbach zusammen mit mehreren anderen Herrschaften. Die Herrschaft blieb bis 1778 im Besitz der Familie Lubomirski.

Auf Johann Theodor Konstantin Fürst Lubomirski folgte sein Adoptivsohn Kaspar (1724–1780), der als Generalleutnant in russischen Diensten stand und die Herrschaft Neulengbach 1778 an Karl Abraham Freiherrn Wetzlar von Plankenstern (1715–1799) verkaufte.

Karl Abraham Freiherr Wetzlar von Plankenstern

François Gérard: Moritz Christian Reichsgraf von Fries mit seiner Frau Maria Theresia Josepha, geb. Prinzessin Hohenlohe-Waldenburg-Schillingfürst, und dem Sohn Moritz, um 1805, Belvedere, Wien

Wetzlar von Plankenstern (1715–1799), war ein aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie stammender Wiener Finanzmann, Heereslieferant und späterer Freiherr. Er machte ein beträchtliches Vermögen, wurde in den niederösterreichischen Adel aufgenommen. Er erwarb auch weitere niederösterreichische Herrschaften und investierte in Wiener Immobilien. Unter Wetzlar von Plankenstern wurde das Schloss als Kaserne genutzt, was sich nachteilig auf seine Bausubstanz auswirkte. Er blieb bis 1797 in seinem Besitz.

Moritz von Fries

1797 erwarb die Vormundschaft des jungen Grafen Moritz von Fries (1777–1826) die Herrschaften Neulengbach und Plankenberg. Fries entstammte einer der reichsten Bankiersfamilien der Habsburgermonarchie und war für seinen luxuriösen Lebensstil bekannt ,das Schloss erlebte eine neue Blütezeit. Er ließ die Schlosskapelle für den protestantischen Gottesdienst umgestalten und den zuvor kahlen Burghügel in einen weitläufigen botanischen Garten mit Treibhäusern verwandeln. Er war als Kunstsammler und Mäzen bekannt und förderte unter anderem Ludwig van Beethoven, der ihm seine 7. Symphonie widmete. Ab 1815 verbrachte Fries mit seiner Familie häufig die Sommer auf Schloss Neulengbach. Unterhalb des Schlosses ließ er 1820 eine Kapelle zum Gedenken an seine verstorbene erste Ehefrau errichten. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten seines Bankhauses musste er die Herrschaften Neulengbach und Plankenberg 1823 verkaufen; 1826 ging das Bankhaus in Konkurs.

Fürsten von Liechtenstein

1823 erwarb Fürst Johann I. Joseph von und zu Liechtenstein (1760–1836), österreichischer Feldmarschall und ehemaliger Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee in den Napoleonischen Kriegen, Schloss und Herrschaft Neulengbach von Graf Moritz von Fries. Gemeinsam mit den Gütern Plankenberg und Totzenbach fasste er den Besitz zu einem Familienfideikommiss zusammen. Neulengbach wurde als Jagdschloss genutzt und am Schlossgelände ein Tiergarten eingerichtet.

Nach dem Tod Fürst Johanns I. Joseph im Jahr 1836 ging die Herrschaft Neulengbach an seinen dritten Sohn, Prinz Karl Johann Anton von und zu Liechtenstein (1803–1871), über. Dieser begründete die Neulengbacher Linie des Hauses Liechtenstein und wurde nach seinem Tod in Neulengbach beigesetzt. Nach dem Tod seines Vaters 1871 erbte Prinz Rudolf von und zu Liechtenstein (1833–1888), der unter anderem als Botschaftsrat in Paris tätig war, die Herrschaft Neulengbach. Am 1. Februar 1882 übertrug er den Besitz an seinen Neffen Prinz Karl von und zu Liechtenstein (1862–1893).

Am 1. Februar 1882 übernahm Prinz Karl von und zu Liechtenstein (1862–1893) die Herrschaft Neulengbach von seinem Onkel Rudolf. Nach seinem frühen Tod wurde er in der Liechtenstein’schen Familiengruft in Neulengbach beigesetzt. Die Herrschaft ging anschließend an Prinz Franz von und zu Liechtenstein, den späteren Fürsten Franz I., über. Ab 1909 betrieb die Schauspielerin Olga Jauner im gepachteten Schloss die Pension und Kuranstalt ‚Schloß Liechtenstein‘. 1912 vernichtete ein Brand den Dachstuhl und beschädigte große Teile des Westtraktes. Dabei wurden der Kapellenturm und ein Großteil der Inneneinrichtung zerstört. Nach dem verheerenden Schlossbrand von 1912 ließ sie die Räumlichkeiten wiederherstellen und eröffnete die Pension im Mai 1913 erneut. Während des Ersten Weltkriegs diente das Schloss als Unterkunft für gefangene russische Offiziere. Jauner stellte ihnen Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung.

Gemeinde Wien

1918 pachtete die Gemeinde Wien die Anlage, die sie 1920 schließlich erwarb, die Dächer erneuerte und das Schloss als Lehrmädchen-Erholungsheim adaptierte. Das Heim diente der Erholung junger Mädchen, die eine Berufsausbildung absolvierten. Ihre Aufenthalte standen im Zusammenhang mit der Lehrlingsfürsorgeaktion, deren übergeordneter Leiter August Marianek war. Historische Fotografien vom August 1924 dokumentieren das Leben der Mädchen im Schloss, darunter gemeinsames Musizieren, Baden und Spaziergänge durch Neulengbach.

1938 beschlagnahmte die deutsche Wehrmacht das Schloss Neulengbach. Während des Zweiten Weltkriegs diente die Anlage zunächst als militärische Ausbildungsstätte und später als Lazarett. Eine Panzerabteilung errichtete entlang der Wehrmauer bis zum sogenannten Schlössl Baracken.

In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 wurde das Schloss durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt. Anschließende Plünderungen verursachten weitere Schäden an der Anlage. Nach Kriegsende wurden Teile des Schlosses von sowjetischen Truppen als Unterkunft genutzt, wobei weitere Schäden an der Inneneinrichtung entstanden.

1952 erwarb der Schlossverein Neulengbach die kriegsbeschädigte Anlage von der Gemeinde Wien und bemühte sich um deren Erhaltung. Nach dem Ende seiner Besitzzeit 1960 gelangte das Schloss an Baronin Schweinitz und wurde 1962 bei einer Versteigerung vom Grazer Kaufmann Martin Wakonig erworben.

Familie Wakonig

1962 erwarb der Grazer Kaufmann Martin Wakonig (1908–1994) das schwer beschädigte Schloss Neulengbach bei einer Versteigerung und begann mit umfangreichen Restaurierungsarbeiten. Für seine Verdienste um die Erhaltung der Burg wurde er zum Ehrenbürger von Neulengbach ernannt. 1967 wurde in Teilen des Schlosses ein Heimatmuseum eingerichtet; in den 1970er-Jahren fanden im Innenhof Sommerspiele statt. Das Schloss blieb im Besitz der Familie Wakonig.

Dessen in der Steiermark lebender 69-jähriger Sohn Bruno und seine Gattin Margherita schenkten mit Beginn 2023 die Anlage an ihre Nachkommen Katharina, Benedikt und Theresa.

Bildergalerie

Literatur

Commons: Burg Neulengbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Martin Hammerl: Burg Neulengbach. In: www.burgen-austria.com. Abgerufen am 22. September 2026.
  2. ↑ Rudolf Büttner: Die Ministerialen von Lengbach unter Ottokar und den ersten Habsburgern In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, Neue Folge, Bd. 44/45 (1979), S. 405–426.
  3. ↑ Rudolf Büttner: Die Ministerialen von Lengbach unter Ottokar und den ersten Habsburgern. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, NF 44/45 (1978/79), S. 405–426, insbesondere S. 411–425.
  4. ↑ Eingestellt von hojos: Hacking an der Wien – Hakkingin. Abgerufen am 22. September 2026.
  5. ↑ Archiv
  6. ↑ Stiftsarchiv Herzogenburg, St. Andrä an der Traisen, Urkunde vom 24. April 1383, Signatur A.1.-n.114, Archivverzeichnis S. 23.,Rudolf von Baumgarten, Burggraf von Neulengbach; Alber von Puchheim, Herrschaftsinhaber.
  7. ↑ Eveline Brugger / Birgit Wiedl: Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich. Band 4.,Regest Nr. 1891, S. 29: Urkunde vom 20. Mai 1388, Lengbach.,Original: Österreichisches Staatsarchiv, HHStA, AUR 1388 V 20.
  8. ↑ Die Ritter von Seebach - Die Seebecken, Neulengbach, Niederösterreich. Abgerufen am 26. September 2026 (deutsch).
  9. ↑ Stiftsarchiv Herzogenburg, Bestand: St. Andrä an der Traisen, Signatur: A.1.-n.141, Datum: 29. September 1416, Archivverzeichnis: S. 27
  10. ↑ Gedenkfahrt zur Täufergeschichte, 2023, S. 21. Zur Gefangennahme der Täufer in Neulengbach und zur Nennung des Pflegers Blasius Natlitsch.
  11. ↑ Verdichtete Wiedergabe der Erzählung „Die Heldenfrauen von Neulengbach“ von Hermann F. Bönisch, erschienen im Neuen Wiener Journal am 27. August 1933. Die geschilderten Einzelheiten der Verteidigung sind als spätere sagenhafte Überlieferung und nicht als gesicherter zeitgenössischer Bericht zu verstehen.
  12. ↑ Marktgemeinde Sieghartskirchen - Startseite - Freizeit - Freizeit für Wissbegierige - Geschichte
  13. ↑ Prinz Rudolf von Liechtenstein (1833-1888) als Botschaftsrat in Paris | LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
  14. ↑ Broschüre Zeitreise – FrauenWelten im Wandel der Stadtgemeinde Neulengbach (2018), Seiten 18–19, mit Auszügen aus dem zeitgenössischen Wienerwald-Boten.
  15. ↑ Meyer, Gerold (1900-1990), F_5092. Abgerufen am 22. September 2026.
  16. ↑ Gedächtnis des Landes: Orte - Neulengbach
  17. ↑ Renate Hinterndorfer: Neulengbacher Burg hat neue Besitzer. In: Niederösterreichische Nachrichten, 11. Jänner 2023, abgerufen am 13. Jänner 2023.