Schonefeld

Wappen derer von Schonefeld genannt Grasdorf im Wappenbuch des Westfälischen Adels

Schonefeld (genannt Grasdorf), teilweise auch nur Grasdorf, (auch Sconevelde, Schonevelde bzw. Graisdorpe, Gravesdorp, Gravestorpe o. ä.) ist der Name eines im 16. Jahrhundert erloschenen niedersächsischen Adelsgeschlechts.

Geschichte

Stammvater des Geschlechts, Nicolaus von Bentheim (urkundlich 1254–1279), war offenbar ein illegitimer Sohn von Baldiun I. (der Tapfere) (* vor 1190; † zwischen 23. April 1246 und 9. Mai 1248), Graf von Bentheim. Nicolaus’ Vater war gemäß urkundlicher Überlieferung ein Boudekin, jedoch ohne nähere Bezeichnung. So aber wurde 1209 und 1234 eben jener Graf Baldiun I. genannt. Am 17. September 1254 war Nicolaus, Sohn des Boudekin, Burgmann des Grafen Otto von Bentheim († nach 1279). Noch einmal erscheint Nicolaus am 5. Juni 1277, wieder als Sohn des Boudekin, zusammen mit seinem Sohn Ludolf genannt von Schonefeld als Urkundenzeuge für den Grafen Ecbert von Bentheim (1253–1311).

Wie an dem Genanntnamen Ludolfs zu erkennen ist, war er zu dieser Zeit bereits Besitzer des Guts Schonefeld in der Bauernschaft Wilsum im Kirchspiel Uelsen im heutigen niedersächsischen Landkreis Grafschaft Bentheim, vermutlich durch Heirat einer schonefeldschen Erbtochter. Dieses Gut Schonefeld wird noch heute Schoneveld’sche Wassermühle genannt. Vermutlich war es schon zu Ludolfs Zeit ein Mühlengut. Dies dürfte das von Ludolf angenommene Wappen mit Mühlstein erklären.

Sowohl Nicolaus, sein Sohn Ludolf als auch dessen Söhne Nicolaus und Matheus und weitere Nachkommen waren Burgmänner zu Burg Bentheim. Sie waren auf Engste mit dem Bentheimer Grafen und anderen Burgmänner-Geschlechtern verbunden und finden sich in einer Vielzahl von Bentheimer Urkunden als Zeugen und Bürgen.

Ludolfs gleichnamiger Enkel Ludolf von Schonefeld (urkundlich 1335–1355) war vermutlich mit Erbtochter Else von Grasdorf (urkundlich 1380–1385) verheiratet. Sie brachte Burg Grasdorf, später auch „Olthus“ genannt, um sie von der um 1317 errichteten Burg Dinkelrode im späteren Neuenhaus zu unterscheiden, in die Ehe. Offenbar verschob sich der Familienmittelpunkt von Schonefeld nach Grasdorf, denn ab dieser Generation nannten sich die Familienmitglieder „von Schonefeld genannt Grasdorf“, oftmals auch nur „von Grasdorf“. Mitte des 14. Jahrhunderts besaß die Familie von Burg Grasdorf aber nur eine Hälfte, während die andere Hälfte den Bentheimer Grafen gehörte. Matheus von Schonefeld gen. Grasdorf (urkundlich 1357–1385; † um 1387) machte die Burg den Grafen von Bentheim zum Offenhaus.

Der große Urkundenbestand mit Namensnennungen von Familienmitgliedern belegt einen umfangreichen Güterbesitz der Familie, der von der Grafschaft Bentheim, über das westliche Münsterland bis an den Niederrhein reichte. Auch die Heiratbeziehungen zu anderen bedeutenden Geschlechtern, wie z. B. den Ahaus, Besten, Buerse, Essen, Hackfurt, Viermund, Velen oder Voet, belegen die Einbindung der Familie in die regionalen Adelsnetzwerke und ihre ständische Bedeutung.

Das Geschlecht erlosch um 1550. Die Güter der Familie fielen über die Erbtochter Margarethe von Schonfeld genannt Grasdorf, Witwe des Mathias von Sassen, an deren zweiten Ehemann Philipp I. von Viermund († 1528) und dessen Familie, die Herren von Viermund.

Stammfolge

Wappen

Blasonierung: In Rot ein goldener Mühlstein. Auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Helmdecken der goldene Mühlstein zwischen einem offenen roten Flug.

Teilweise wird der Mühlstein auch als „Sonne“ oder „Sonnenrad“ beschrieben.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Bruch (1962), S. 167.
  2. ↑ Wassermühle "Schoneveld" auf uelsen-touristik.de, abgerufen am 26. Januar 2026.
  3. ↑ Zu diesen Burgmänner-Geschlechtern gehörten die Familien Bevern, Boclo, Paschedach, Schelingen, von dem Toerne, Voet, Metelen, Veert, Bastun, Ruce, Bredlare, Dedem, Scevelo/Schevele, Bar, die Swendorf, Münster, Quendorf und Baclo (Bruch (1962), S. 167–177).
  4. 1 2 3 Spießen (1901–1903), S. 115.
  5. ↑ Bruch (1962), S. 167.
  6. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 214u / Kloster Marienfeld / Urkunden, Nr. 180 - a, abgerufen am 24. Januar 2026.
  7. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.I.Uk / Stift Wietmarschen, Urkunden, Nr. Bur.I.Uk - 31, Nr. Bur.I.Uk - 32, abgerufen am 24. Januar 2026.
  8. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, B 232u / Stift Nottuln / Urkunden, Nr. 33, abgerufen am 24. Januar 2026.
  9. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Vorgang zu Verzeichnungseinheit Bur.I.Uk / Stift Wietmarschen, Urkunden, Nr. Bur.I.Uk - 18, abgerufen am 24. Januar 2026.
  10. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.I.Uk / Stift Wietmarschen, Urkunden, Nr. Bur.I.Uk - 38, Nr. Bur.I.Uk - 48, abgerufen am 24. Januar 2026.
  11. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 226u / Kollegiatstift St. Martini, Münster / Urkunden, Nr. 49, abgerufen am 24. Januar 2026.
  12. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 001u / Fürstbistum Münster, Landesarchiv / Urkunden, Nr. 415 - a, abgerufen am 24. Januar 2026.
  13. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.I.Uk / Stift Wietmarschen, Urkunden, Nr. Bur.I.Uk - 53, Nr. Bur.I.Uk - 59, Nr. Bur.I.Uk - 61, abgerufen am 24. Januar 2026.
  14. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Lob.Wer.Uk / Ober- und Niederwerries, Urkunden, Nr. Lob.Wer.Uk - 4, abgerufen am 24. Januar 2026.
  15. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Lob.Lan.Uk / Langen, Urkunden, Nr. Lob.Lan.Uk - 55, abgerufen am 24. Januar 2026.
  16. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.A / Allgemeine Regierungssachen der Grafschaften Bentheim und Steinfurt, Nr. Bur.A - Urk. 116, abgerufen am 24. Januar 2026.
  17. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.B / Lehensachen, Urkunden und Akten, Nr. Bur.B - Urk. 685, abgerufen am 24. Januar 2026.
  18. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 210u / Kloster Gravenhorst / Urkunden, Nr. 122, abgerufen am 24. Januar 2026.
  19. ↑ Bruch (1962), S. 168.
  20. ↑ Karl Hengst (Hrsg.): Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster vor ihrer Gründung bis zur Aufhebung. Teil 1: Ahlen – Mülheim, Münster 1992 (Online-Ausgabe: Münster 2023), S. 117 f. (PDF; 4,6 MB auf lwl.org)
  21. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Coe.M.Uk / Stift Metelen, Urkunden, Nr. Coe.M.Uk - 058, abgerufen am 24. Januar 2026.
  22. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.I.Uk / Stift Wietmarschen, Urkunden, Nr. Bur.I.Uk - 80, abgerufen am 24. Januar 2026.
  23. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.C / Kredit- und Schuldensachen, Nr. Bur.C - Urk. 43, abgerufen am 24. Januar 2026.
  24. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.B / Lehensachen, Urkunden und Akten, Nr. Bur.B - Urk. 420, abgerufen am 24. Januar 2026.
  25. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0280 / Goch, St. Johannes, Urkunden AA 0280, Nr. 3, abgerufen am 24. Januar 2026.
  26. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 101u / Domkapitel Münster / Urkunden, Nr. 0 - III U Nr. 9, Nr. 10, abgerufen am 24. Januar 2026.
  27. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.B / Lehensachen, Urkunden und Akten, Nr. Bur.B - Urk. 186, abgerufen am 24. Januar 2026.
  28. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.I.Uk / Stift Wietmarschen, Urkunden, Nr. Bur.I.Uk - 89, abgerufen am 24. Januar 2026.
  29. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteiltung Westfalen, U 143u / Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Hagenbeck / Urkunden, Nr. 129, abgerufen am 24. Januar 2026.
  30. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteiltung Westfalen, U 142u / Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Gemen / Urkunden, Nr. 175, abgerufen am 24. Januar 2026.
  31. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.B / Lehensachen, Urkunden und Akten, Nr. Bur.B - Urk. 43, Nr. Bur.B - Urk. 421, Nr. Bur.B - Urk. 800, abgerufen am 24. Januar 2026.
  32. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 195u / Gesamtarchiv von Romberg, Haus Buldern / Urkunden, Nr. 35, abgerufen am 24. Januar 2026.
  33. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, V 501u / Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster (Dep.) / Urkunden, Nr. 259, abgerufen am 24. Januar 2026.
  34. ↑ Vereinigte Adelsarchive im Rheinland, Wissen - U / Archiv Schloss Wissen - Urkunden, Nr. 710, abgerufen am 24. Januar 2026.
  35. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0055 / Kleve, Lehen, Spezialia AA 0055, Nr. 102 - Urk. 2, abgerufen am 24. Januar 2026.
  36. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 143u / Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Hagenbeck / Urkunden, Nr. 181, abgerufen am 24. Januar 2026.
  37. ↑ Vereinigte Adelsarchive im Rheinland, Wissen - U / Archiv Schloss Wissen - Urkunden, Nr. 713, abgerufen am 26. Januar 2026.
  38. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 186u / Familie Raet von Bögelscamp / Urkunden, Nr. 10, abgerufen am 24. Januar 2026.
  39. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Ass.Uk / Assen, Urkunden, Nr. Ass.Uk - 621, abgerufen am 24. Januar 2026.
  40. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 194 / Gesamtarchiv von Romberg / Akten, Nr. 8979, abgerufen am 24. Januar 2026.
  41. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 137u / Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Dülmen / Urkunden, Nr. 11, abgerufen am 24. Januar 2026.
  42. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 153u / Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Velen / Urkunden, Nr. 149, Nr. 171, Nr. 191, abgerufen am 24. Januar 2026.
  43. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0054 / Kleve, Lehen, Generalia AA 0054, Nr. 2, abgerufen am 24. Januar 2026.
  44. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0053 / Kleve-Mark, Urkunden AA 0053, Nr. 2178, abgerufen am 24. Januar 2026.
  45. ↑ Vereinigte Adelsarchive im Rheinland, Haag Altbestand / Archiv Schloss Haag, Altbestand, Nr. 5320, Nr. 5322, abgerufen am 24. Januar 2026.
  46. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.I.Uk / Stift Wietmarschen, Urkunden, Nr. Bur.I.Uk - 94, abgerufen am 24. Januar 2026.
  47. ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteiltung Rheinland, Vorgang zu Verzeichnungseinheit AA 0640 / Handschriften AA 0640, Nr. A III 17, abgerufen am 24. Januar 2026.
  48. ↑ Vereinigte Adelsarchive im Rheinland, Wissen - U / Archiv Schloss Wissen - Urkunden, Nr. 428, abgerufen am 24. Januar 2026.
  49. ↑ Bruch (1962), S. 195.
  50. ↑ Vereinigte Adelsarchive im Rheinland, Ass.Uk / Assen, Urkunden, Nr. Ass.Uk - 465, abgerufen am 28. Januar 2026.
  51. ↑ Joseph Prinz: Das Lehnregister des Grafen Otto von Bentheim (1346–64). In: Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, Band 60, Osnabrück 1940, S. 95.
  52. ↑ Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Bur.C / Kredit- und Schuldensachen, Nr. Bur.C - Urk. 43, abgerufen am 24. Januar 2026.