Schriftsippe

Die Schriftsippe Corporate A-S-E in den Schriftschnitten Regular von Kurt Weidemann, 1985–1989

Schriftsippe (auch Schrift-Sippe) bezeichnet in der Typografie zusammengehörige Schriftfamilien aus unterschiedlichen Klassifizierungen für Schriftarten. Als Beispiel sei die Corporate A-S-E von Kurt Weidemann genannt. A steht für Antiqua, S steht für Sans Serif (Serifenlos, Grotesk) und E steht für Egyptienne (Serifenbetonte). Eckehart Schumacher-Gebler schlug für solche zusammengehörige Schriftfamilien den Namen Schrift-Sippe vor.

Vorläufer

Eine der ersten Schriftsippen ist die Romulus (1932) von Jan van Krimpen. Er entwirft zu seiner Romulus-Antiqua eine Romulus-Grotesk. Mitte der 1970er-Jahre entwirft Gerard Unger für den Fotosatz die Schriften Demos (Antiqua-Schrift) und Praxis (Grotesk-Schrift), die explizit zur gemeinsamen Verwendung (Schriftmischung) gedacht sind. Die leicht gerundeten Buchstabenformen und der Verzicht auf scharfe Kanten kommt der damals jungen Fotosatztechnik entgegen. Offene Formen mit großen Punzen und eine auffällige x-Höhe garantieren eine gute Lesbarkeit beider Schriften.

Gründe für die Entwicklung

Eine Schriftmischung, die Verwendung zweier Schriften aus unterschiedlichen Schriftklassifikationen (z. B. Grotesk- und Antiqua-Schrift) zur Auszeichnung innerhalb eines typografischen Werks, kann bei stilsicheren Typografen gelingen, bei unsicheren Gestaltern aber zu unschönen Diskrepanzen führen. Werden hingegen Schriften innerhalb einer Schriftsippe verwendet, stimmen Proportionen und Zeichenbreiten zwischen den Schriftfamilien und eine Auszeichnung gelingt immer. Ein weiterer Grund für die Entwicklung von Schriftsippen in den 1980er-Jahren liegt in den umfangreichen Erscheinungsbildern (Corporate Design) für Unternehmen. Für die sehr unterschiedlichen Bereiche innerhalb eines Konzerns – z. B. Produkte, Karriere, Investoren, Presse, Magazin – bietet die Schriftsippe eine typografische Differenzierung innerhalb ihrer Einheitlichkeit.

Konzepte für die Entwicklung

Austauschbar in Corporate A-S-E

Sauthoff/Wendt/Willberg unterscheiden zwei mögliche Konzepte für Schriftsippen:

Bekannte Schriftsippen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Daniel Sauthoff, Gilmar Wendt, Hans Peter Willberg (Hrsg.): Schriften erkennen. Eine Typologie der Satzschriften für Studenten, Grafiker, Setzer, Kunsterzieher und alle PC-User. Neuausgabe Auflage. Hermann Schmidt, Mainz 1996, ISBN 3-87439-373-9, S. 66.
  2. ↑ Daniel Sauthoff, Gilmar Wendt, Hans Peter Willberg (Hrsg.): Schriften erkennen. Eine Typologie der Satzschriften für Studenten, Grafiker, Setzer, Kunsterzieher und alle PC-User. Neuausgabe Auflage. Hermann Schmidt, Mainz 1996, ISBN 3-87439-373-9, S. 66–67.
  3. ↑ Linotype Praxis Next von Gerard Unger. Linotype, abgerufen am 4. September 2021.
  4. ↑ Daniel Sauthoff, Gilmar Wendt, Hans Peter Willberg (Hrsg.): Schriften erkennen. Eine Typologie der Satzschriften für Studenten, Grafiker, Setzer, Kunsterzieher und alle PC-User. Neuausgabe Auflage. Hermann Schmidt, Mainz 1996, ISBN 3-87439-373-9, S. 66.
  5. ↑ Daniel Sauthoff, Gilmar Wendt, Hans Peter Willberg (Hrsg.): Schriften erkennen. Eine Typologie der Satzschriften für Studenten, Grafiker, Setzer, Kunsterzieher und alle PC-User. Neuausgabe Auflage. Hermann Schmidt, Mainz 1996, ISBN 3-87439-373-9, S. 69.