Einzelradaufhängung

Doppelquerlenkerachse an einem Saab-Rennwagen aus den 1960ern. Die beiden Querlenker sind oberhalb und unterhalb des Radträgers befestigt, im Vordergrund ist die Spurstange zu erkennen, über die die Lenkbewegung auf das Rad übertragen wird. Die Feder (links) ist am unteren Querlenker befestigt.

Die Einzelradaufhängung ist eine Bauart der Radführung, bei der die beiden gegenüberliegenden Räder mehrspuriger Straßenfahrzeuge unabhängig voneinander einfedern können. Sie ist ein Mechanismus mit einem Freiheitsgrad.

Die Unabhängigkeit der Radstellungen und die geringe ungefederte Masse sind Vorteile im Vergleich zur gemeinsamen Radführung mittels Starrachse.

Entwicklung

1908 Sizaire-Naudin: Hülsenführung mit Dreh-Schubgelenk und Spurstange

Die älteste bekannte Anwendung einer Einzelradaufhängung ist die an der Vorderachse der l'Obéissante, einem Dampfomnibus von Amédée Bollée (1873). 1897 bauten Joseph Guédon und Gustave Cornilleau eine Voiturette mit einzeln aufgehängten Vorderrädern. Die ab 1898 von Decauville gebauten Automobile hatten ebenfalls eine Einzelradaufhängung mit Hülsenführung: Am Achsschenkel war ein senkrecht stehender Zapfen angebracht, der sich in einer am Fahrgestell befestigten Buchse drehen und auf- und abbewegen konnte und sich an einer quer eingebauten Blattfeder abstützte. Diese Bauart wurde auch von Sizaire-Naudin ab 1906 benutzt. Bei Morgan (ab 1909) stand der Zapfen fest und eine schraubengefederte Hülse bewegte sich mit dem Achsschenkel. Ab 1922 wurde dieses Prinzip von Lancia im Lambda zur Teleskopachse weiterentwickelt, bei der in der Führung ein hydraulischer Dämpfer integriert wurde. 1920 entwickelte Karl Slevogt eine vordere „Schwingachse“, ähnlich der Decauvilles mit verschieblichem Zapfen, aber mit untenliegender Blattfeder, die ab 1921 in alle Apollo-Automobile eingebaut wurde. Edmund Rumplers Tropfenwagen mit Pendelachsen (Schwingachsen) entstand 1921. Ab den 1930er Jahren setzte sich die Vorderradaufhängung an doppelten Dreieckslenkern durch (teilweise übernahm eine Querblattfeder die Funktion einer der beiden Lenker an jedem Vorderrad). Aus dieser Zeit ist auch die Aufhängung an Längsschwingen bekannt. (André Dubonnet)

Der geländegängige Tempo G 1200 (1936) mit Pendelachse

Das MacPherson-Federbein (benannt nach seinem Erfinder) gibt es seit 1950; es ist seit langem die an der Vorderachse am häufigsten benutzte Einzelradaufhängung. 1982 kam die „Raumlenkerachse“ mit fünf Lenkern auf, die in unterschiedlichen Bauformen und unter verschiedenen Namen verwendet wird („Multi-Link-Achse“, „Fünflenkerachse“ oder „Vierlenkerachse“ mit zwei zusammengefassten Lenkern).

Bauarten an der Vorderachse

Da bei allen Radaufhängungen zusätzlich eine Spurstange erforderlich ist, wird diese im Folgenden nicht explizit erwähnt.

Unmittelbare Verbindung zwischen Radträger und Aufbau:

Aufhängungen an Lenkern:

Modellauto mit doppelten Querlenkern und Feder-Dämpferelementen.
Federbeinachse und Vorderradantrieb eines Opel Astra G; die Antriebswelle ist hinter dem Stabilisator nur schlecht erkennbar.

Bauarten an der Hinterachse

Es waren oder sind verschiedene Bauarten gebräuchlich:

Aufhängungen, bei denen der Radträger direkt gelenkig mit dem Chassis verbunden ist:

Die Aufhängung an Lenkern:

Bei der Aufhängung an MacPherson-Federbeinen oder Dämpferbeinen können die Lenker in verschiedener Weise angeordnet sein: zwei parallele Querlenker und ein Längslenker bei der Camuffo-Hinterachse, ein diagonaler Dreieckslenker und ein Querlenker (die Antriebswelle) bei der Chapman-Achse und noch weitere Bauformen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Bernd Heißing, Metin Ersoy, Stefan Gies: Fahrwerkhandbuch., S. 437 ff.
  2. ↑ Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik, Europa-Lehrmittel, 27. Auflage 2001, ISBN 3-8085-2067-1, Seite 469
  3. ↑ Teleskopachse im Lancia Lambda (Memento vom 22. Januar 2015 im Internet Archive)
  4. ↑ Olav von Fersen (Hrsg.): Ein Jahrhundert Automobiltechnik Personenwagen. VDI Verlag, 1986, ISBN 3-18-400620-4, S. 378.
  5. ↑ http://morgan3w.de/technic/technic_de.htm Vorderachse
  6. ↑ Bild der Achse
  7. ↑ Forderungen an Radaufhängung und Federung von PKW. In: Kraftfahrzeugtechnik. 9/1970, S. 270–274.
  8. ↑ Wolfgang Matschinsky: Radführungen der Straßenfahrzeuge: Kinematik, Elasto-Kinematik und Konstruktion. 3. Auflage. Springer, 2007, ISBN 978-3-540-71196-4, S. 406 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. ↑ https://images.vogel.de/vogelonline/bdb/494800/494840/sourceimage.jpg Bild einer Zentrallenkerachse
  10. ↑ Henning Wallentowitz, Konrad Reif (Hrsg.): Handbuch Kraftfahrzeugelektronik: Grundlagen – Komponenten – Systeme, Vieweg und Teubner/Springer-Verlag Wiesbaden, S. 179.
  11. ↑ Wolfgang Matschinsky: Radführungen der Straßenfahrzeuge: Kinematik, Elasto-Kinematik und Konstruktion. 2. Auflage. Springer, 1998, ISBN 978-3-662-09653-6, S. 14 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. ↑ Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 27. Februar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Bilder von Schwertlenkerachsen (VW und Ford)
Wiktionary: Einzelradaufhängung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen