Der Schwulenwitz (im Englischen anti-gay joke) thematisiert zumeist stereotypisierend homosexuelle Männer. Oft bezieht er sich auf tatsächliche oder vermeintliche Eigenschaften dieser Personengruppe, die beim Erzählenden als bekannt vorausgesetzt werden. Schwulenwitze können als herabsetzend und diskriminierend aufgefasst werden.
Schwulenwitze zielen zumeist von einer heteronormativen Warte aus auf gängige Zuschreibungen gegenüber der schwulen Minorität. Die humoristische Thematisierung von Homophilie bestätigte die schon von Sigmund Freud getroffene Feststellung, dass sie immer dann unvermeidlich scheint, wenn gleichgeschlechtliche Gemeinschaften institutionalisiert (etwa in Armee, Klöster, Gefängnis etc.) über eine längere Zeit getrennt vom anderen Geschlecht leben. Im Homosexuellen-Witz etwa der mittelalterlichen arabischen Literatur ist der anale Koitus mit verschiedenen skatologischen Assoziationen thematisiert. Eine modernere charakteristische Ausprägung unter den Homosexuellen-Witzen stellten die sogenannten AIDS-Witze, in denen sich jahrhundertealte Vorurteile gegen eine Randgruppe der Gesellschaft mit der Angst vor einer realen todbringenden Infektion verbanden.
Beim Erzählen eines „Schwulenwitzes“, ob von einer homosexuellen Person oder nicht, können Darstellungen verzerrt und verdreht wirken, weit jenseits der Intention des Erzählers. Homophobie schafft aber auch – ähnlich wie Antisemitismus – ein Umfeld, in dem man seine persönliche Meinung verbergen kann: die bloße Erwähnung einer homosexuellen Person, ohne etwas über sie zu sagen, gilt für einige schon als urkomisch. In vielen Comedy-Sketchen oder Liedern der 1930er- bis 1950er-Jahre bestand eine Humortaktik etwa darin, in einer Gesprächspause anzudeuten, dass eine der Figuren schwul ist, gefolgt von komischen Gesichtsausdrücken. Das Stereotyp des homosexuellen Mannes als vorzugsweise verweichlichte Karikatur, ist in der heterosexuellen Gesellschaft längst so weit verbreitet, dass die Entwicklung eines differenzierten Humors darüber hinaus nicht mehr notwendig ist.
Wenn Kultur – nach Sigmund Freud – die enorme Leistung des Realitätsprinzips darstellt, die Libido zu regulieren und die Lust zu sublimieren, dann ist das Lachen der Jugend (wie in den meisten Hiphop-Cliquen) die letzte Regression ihrer pubertären Inszenierung von Männlichkeit, eine sexuelle Freizügigkeit, die sich in sexueller Diskriminierung durch Schwulenwitze, Witze über frigide Frauen, Potenz etc. äußert – so Roger Behrens.
Nach Gerhard Härle kennt der Schwulenwitz zwei stereotype Pointen, auf deren Wirksamkeit sich schon Heinrich Heine und Bertolt Brecht verlassen konnten: die Pointe der Verweiblichung und die des Analverkehrs. Härle fasst zusammen, dass diese in ihrem Kern, in der unterstellten Weiblichkeit des homosexuellen Mannes, identischen Pointen klarmachen, dass der im Schwulen realisierte Geschlechtsrollenkonflikt des Mannes sich im Körper abspielt oder sich doch zumindest in der Körpersprache und ihrer Metaphorik ausdrückt. Der Spott entstammt der Abwehr, denn die Körperöffnung, die das homosexuelle Begehren notwendig mit sich bringt, stellt bei allem Begehren nach dem einzelnen Mann in seiner geschlechtlichen Erscheinung doch das männliche Geschlecht und seine durch den Phallus symbolisierte gesellschaftliche Macht infrage.
O’Connor, Ford und Banos (2017) fanden Anhaltspunkte dafür, dass bei Männern ein Amüsement über anti-schwulen Humor oftmals die Funktion hat, die eigene heterosexuelle Männlichkeit zu bestätigen. Offenbar schätzen Männer anti-schwulen Humor besonders dann, wenn sie ihre Männlichkeit als bedroht wahrnehmen, weil sie somit ihre Männlichkeit auf diese Weise bestätigt sehen. Diese Unsicherheit in der eigenen Identität äußert sich auf destruktive Weise in „lustigen Schwulenwitzen“ bis hin zu abwertenden Äußerungen oder gar massiven Beschimpfungen und physischen Übergriffen auf Homosexuelle, wie Kurt Wiesendanger 2001 feststellen konnte. Homosexuelle selbst halten oft aktive Täuschungstaktikten für angemessen, um über das Stigma der Homosexualität hinweg zu täuschen, indem sie im Kollegen- oder Freundeskreis über Schwulenwitze mitlachen, denn Schweigen wäre verräterisch. Es sei besser, die Peinlichkeiten bewusst zu suchen und selbst in die Verrenkungen hineinzugehen, als ungewollt ihr Opfer zu werden oder auf andere zu zeigen, schrieb Roberto Ohrt über den Künstler Martin Kippenberger, der gerne schockierte, indem er „Schwulenwitze riß oder antifeministisch die Stimmung testete“.
Witze über Homosexualität sind heute ein fester Bestandteil von Medien, die sich an junge Männer richten, von denen viele in einer Kultur aufwachsen, wo „Schwuchtel“, „Weichei“, „queer“, „schwul“ und „Homo“ als Beschimpfungen unter Jungen verwendet werden. Schwulenwitze in Filmen und viralen Videoparodien sind ein ständiges Mittel, um beim Publikum Lacher zu erzeugen, dabei ist in vielen dieser Werke der homophobe Humor so allgegenwärtig, dass man sich kaum vorstellen kann, worüber die Figuren sonst noch Witze machen könnten.

Inhaltlich arbeiten sich Schwulenwitze vor allem an Brüchen mit der Geschlechterordnung und dem Thema Analverkehr unter Männern ab.
Mit der neueren Schwulenbewegung von Martin Dannecker und Reimut Reiche wird u. a. der angeblich nur selten praktizierte gleichgeschlechtliche Analverkehr (wie früher von Magnus Hirschfeld nur 8 % behauptet) als wissenschaftlicher Mythos entlarvt, die festhielten, dass dieser aus der liberalen Absicht geboren wurde, die Homosexuellen gegen die „Volksmeinung“ in Schutz zu nehmen, der zufolge sie Arschficker, Spinatstecher, andersherum sind, was durch die vielen Witze bekräftigt wird, deren Pointe gerade von der sprachlichen und assoziativen Verdoppelung des „andersherum“ lebt. Der Witz und die Volksmeinung über die Homosexuellen lasse diesen wenigsten ihre anale Lust, hingegen wird in der liberalen Verteidigung der Homosexuellen ihnen auch noch die anale Lust genommen, so die Autoren. Da ist beispielsweise die Pointe von den Kirchenmäusen und den warmen Brüdern, die darin besteht, dass die einen in die Orgel scheißen und die anderen in der Scheiße orgeln: Die Formulierung „in der Scheiße orgeln“ sei nicht lustfeindlich zu nennen, da sie von der Koketterie mit der analen Lust lebt.
Auch im Nationalsozialismus spielten „gewöhnliche Schwulenwitze“ in ihrem überwiegenden Teil auf den mann-männlichen Analverkehr an, es handelte sich damals schon lediglich um Abwandlungen bereits bekannter Schwulenwitze. Das ausschweifende Sexualleben Ernst Röhms lieferte endlosen Stoff für umfunktionierte Schwulenwitze (u. a. Italienurlaub am warmen Po). Der Schriftsteller Klaus Mann beklagte sich 1934: „In jeder Linkszeitung liest man schon blöde Witze über Hinterteile, während gleichzeitig in Berlin nächtliche Razzien auf Homosexuelle veranstaltet werden, die dann ins Arbeitslager müssen“. In dem Film Kopf hoch, Johannes von 1941 kommt ein deutscher Junge als verzärteltes Muttersöhnchen in eine nationalpolitische Erziehungsanstalt. Hans Scheugl schreibt über die Szene, in der Johannes endlich von seinen Kameraden akzeptiert wird, als einer der Jungen unter der Dusche zu ihm sagt „Du kannst meine Seife verwenden“, das klinge heute wie ein Schwulenwitz und die ganze Szene wäre ein Paradebeispiel jeder Anthologie schwuler Campszenen, wobei die eigentliche Propaganda des Films den freien Verkehr mit dem Weiblichen (Mutter) sowie dem Fremdrassischen (Argentinien) in das mannmännliche Zwangssystem umleiten wollte. Während der Nazi-Herrschaft wurde eine verächtliche Sprache benutzt, die auch später nicht zu ihrem Ende kam: „Scheiße, Stuhl, Kot, Aa. Das sind die Ideen, die kommen in jedem Naziwitz über die Schwulen vor. Die Schwulenwitze nach der Entnazifizierung bleiben die gleichen“, so Hubert Fichte 1987 in seinem Roman Hotel Garni. So sind Witze mit der Duschszene, wo schwule Männer ahnungslose Heterosexuelle lüstern anstarren, aus der ehemals existierenden amerikanischen DADT-Praxis nicht wegzudenken. Angesichts der vielen Witze über Männer, die in der Dusche die Seife „fallen lassen“ und sich bücken müssen, um sie aufzuheben, kamen Dana Britton und Christine Williams in ihrer Analyse von 1995 zu dem Schluss, dass heterosexuelle Männer am meisten davor Angst haben, sich der Möglichkeit einer Penetration auszusetzen.
Eine Rarität dürfte hingegen der Schwulenwitz vom homophilen Adler sein, der zu seinem Horst fliegt. Demgegenüber existieren allerdings auch Schwulenwitze, die das Genre gezielt verfremden, um es kritisch zu hinterfragen:
„Sitzen zwei Homosexuelle im Flugzeug. Sagt die eine zur anderen: "Bestimmt haben sich jetzt alle zwei Schwule vorgestellt.“