

Skrofulose (auch Skrofeln oder Scrofuloderm, von lateinisch scrofula für „Halsdrüsengeschwulst“; Verkleinerungsform von scrofa) ist die historische Bezeichnung einer Hauterkrankung. Am ehesten handelte es sich dabei um eine Tuberkulose der Halslymphknoten.
Nach Dornblüths klinischem Wörterbuch (1927) handelt es sich bei Skrofulose bzw. Skrofeln um einen älteren Begriff, der nach damaligem Sprachgebrauch in zwei sich überschneidenden Bedeutungen verwendet wurde: zum einen für eine „exsudative Diathese“, also eine konstitutionelle Neigung, auf unbedeutende Reize mit chronischen Entzündungen zu reagieren, die als Vorstufe, von manchen Autoren auch bereits als Form der Tuberkulose aufgefasst wurde, zum anderen für eine Tuberkulose des Kindesalters mit chronischen Entzündungen der Lymphdrüsen, Haut, Schleimhaut, Knochen.
Mit dem Begriff „Skrofeln“ wurde im Mittelalter ein umfangreiches Krankheitsbild bezeichnet, das auch verschiedene andere Hals- und Gesichtskrankheiten umfasste, die auch bei Erwachsenen auftraten und in einigen Landstrichen wohl endemisch waren. Die Bezeichnung leitet sich aus fratzenartigen Verzerrungen des Gesichtes an, die an ein Ferkel erinnert. In der heutigen Terminologie wird der Begriff Skrofulose nicht mehr verwendet. Als ein Heilmittel galt die Braunwurz, die daher den Gattungsnamen Scrophularia erhielt.
Seit dem 11. Jahrhundert bestand in Westeuropa die Vorstellung, dass der König durch die bei der Krönungszeremonie vollzogene Salbung zum Thaumaturgen werde, also Wunderheilungen, bewirken könne, insbesondere bei Skrofulose. Diese übernatürlichen Heilkräfte wurden unter anderem Robert II. von Frankreich und Eduard dem Bekenner von England zugeschrieben. Ab etwa dem 13. Jahrhundert bis in die Frühe Neuzeit glaubte man in Frankreich und in England, der rechtmäßig gesalbte König könne Skrofeln durch bloßes Handauflegen heilen, englisch als the king’s touch bezeichnet. Diese Vorstellung spiegelt sich in Bezeichnungen wie the king’s evil im Englischen oder Koningszeer im Niederländischen – also „Königskrankheit“ – für die Skrofulose wider. In England und Frankreich war ein entsprechendes Heilungsritual daher Teil der Krönungsriten und wurde regelmäßig, zeitweise sogar täglich, an Kranken ausgeübt, die oft eigens dazu aus weit entfernten Landesteilen anreisten. In Frankreich spielte dabei seit Ludwig X. der Besuch am Grab des heiligen Markulf nach der Krönung eine wichtige Rolle.
Infolge der Reformation änderte sich die Einstellung zu dem Ritual. Dem schottischen König Jakob VI. aus dem Haus Stuart, der 1603 als Jakob I. auch in England den Thron bestieg, erschien der dort bestehende Glaube an die Wunderwirkung als unprotestantische, katholische und abergläubische Tradition. Er ließ sich nur widerwillig auf das Heilungsritual ein, indem er dessen Wirkung sublimiert als Gebet deutete. Sein Enkel Karl II. hingegen, dessen Vater und Vorgänger 1649 hingerichtet worden war, übte das Handauflegen wieder intensiv aus, um nach der Restauration der Stuart-Monarchie auch die Wiederherstellung der sakralen Dimension des Königtums zu demonstrieren. In seiner Regierungszeit von 1660 bis 1685 legte er mehreren zehntausend, vielleicht bis zu 100.000 seiner Untertanen, d. h. etwa zwei Prozent der Bevölkerung, die Hand auf. Der skeptische Oranier Wilhelm III., der nach der Vertreibung des Stuart-Königs Jakob II. in der Glorious Revolution von 1689 König von England wurde, verweigerte sich dem Ritual. Das einzige Mal, als er sich zu einer solchen Berührung herabließ, tat er es mit den Worten: „Gott gebe Euch eine bessere Gesundheit und mehr Verstand.“ Königin Anne nahm das Ritual noch einmal auf, ihr Nachfolger Georg I. (1714–1727) jedoch beendete es endgültig, da er es als „zu katholisch“ empfand.
In Frankreich erfolgte das Heilungsritual durchgehend bis zum Ende des Ancien Régime 1789. Nach der Restauration der Bourbonen im Jahr 1814 verzichtete König Ludwig XVIII. darauf, es zu vollziehen. Zum letzten Mal wurde es 1825 bei der Thronbesteigung seines Bruders und Nachfolgers Karls X. praktiziert.