Sebaldushof

Sebaldushof war ein Fabrikstandort und späterer Wohnplatz auf der Gemarkung von Treuenbrietzen. Der ehemalige Wohnplatz liegt im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.

Lage

Der Wohnplatz liegt rund 2,3 Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums in einem Waldgebiet. Östlich des Wohnplatzes verläuft die Nieplitz in nordöstlicher Richtung. Weiter östlich verläuft die Bundesstraße 2. Das Gelände liegt auf einer Höhe von rund 52 m ü. NHN.

Geschichte

Im Jahr 1805 begann der Müller Johann Ludwig Seidel auf dem Gut Sebaldushof mit dem Bau einer Papierfabrik, die seit 1834 auch eine Villa mit einem Park umfasste. Nach der Verlagerung der Papierproduktion an einen anderen Standort blieb auf dem Sebaldushof ein Halbstoffwerk zur Verarbeitung von Lumpen für die Papierherstellung bestehen. Im Jahr 1842 wurde das auf der Feldmark von Treuenbrietzen gelegene Etablissement des Professors Ferdinand Sietze erwähnt. 1858 wurde Sebaldushof als Fabrik mit zwei Wohngebäuden und sieben Wirtschaftsgebäuden beschrieben; dabei handelte es sich um die Papierfabrik. Verwaltungsmäßig gehörte Sebaldushof bis 1849 zum Stadtgericht Treuenbrietzen, von 1849 bis 1878 zur Gerichtskommission Treuenbrietzen und von 1879 bis 1952 zum Amtsgericht Treuenbrietzen. Grundherrschaftlich gehörte der Ort zur Stadt Treuenbrietzen. Kirchlich war Sebaldushof nach Treuenbrietzen eingepfarrt.

Um 1900 wurde in der Villa das Park-Restaurant an den Heerwegen eröffnet. Der Park galt als beliebtes Ausflugsziel und als Wahrzeichen der Stadt. 1906 wurde außerdem ein Gasthaus genannt. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Papierfabrik infolge des Ersten Weltkriegs und mehreren Besitzerwechseln übernahm 1927 die Berliner Firma Kopp & Co. m.b.H. das Gelände. Sie betrieb unter der Tarnbezeichnung Metallwarenfabrik Treuenbrietzen GmbH eine Munitionsfabrik. Die zuvor in Treuenbrietzen begonnene verdeckte Rüstungsproduktion wurde 1928 auf das Gelände verlagert und in den folgenden Jahren ausgebaut. Als Werk A produzierte der Betrieb Patronen für Gewehre sowie Munition für 2-cm-Flugabwehrkanonen. Insbesondere ab 1938 erfolgte eine erhebliche Erweiterung der Produktions- und Lagerkapazitäten. Zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs wurden neben deutschen Beschäftigten ab 1938 Arbeitskräfte aus Österreich und dem Sudetenland angeworben. Während des Zweiten Weltkriegs kamen Arbeitskräfte aus den besetzten Ländern Westeuropas hinzu; ab 1942 wurden zudem Zwangsarbeiter aus Polen und der Sowjetunion sowie italienische und sowjetische Kriegsgefangene eingesetzt. Auf dem Werksgelände und in dessen Umfeld entstanden hierfür mehrere Lager. Zeitweise waren auf dem Sebaldushof rund 2.500 Personen beschäftigt.

Im April 1945 wurde Treuenbrietzen im Zuge der Kämpfe zwischen Wehrmacht und Roter Armee mehrfach besetzt. Nach der vorübergehenden Rückeroberung der Stadt durch deutsche Truppen wurden bei Nichel 127 italienische Militärinternierte erschossen. Nach der endgültigen Einnahme durch die Rote Armee kam es zu Erschießungen zahlreicher männlicher Einwohner Treuenbrietzens. Die Hintergründe und die Zahl der Opfer sind bis heute umstritten; die Schätzungen reichen von mehreren Hundert bis zu etwa 1.000 Toten. Nach Kriegsende wurden die Produktionsanlagen als Reparationsleistung demontiert und die meisten Werksgebäude bis 1947 gesprengt. Erhalten blieben lediglich die Villa und ein Verwaltungsgebäude. Das ehemalige Zwangsarbeiterlager wurde zunächst als Flüchtlingsunterkunft genutzt und anschließend abgerissen.

Ab 1958 entstand auf Teilen des Geländes ein von der LPG Treuenbrietzen betriebenes Kälberkombinat. Nach 1990 wurden die Anlagen teilweise weiter landwirtschaftlich genutzt, während andere Bereiche verfielen. Der historische Park des Sebaldushofs ging weitgehend verloren.

Seit 1983 erinnert die Gedenkstätte Zwangsarbeiterlager Sebaldushof an die Geschichte des Ortes. Archäologische Untersuchungen förderten 2019 zahlreiche Adrema-Matrizen mit Personendaten ehemaliger Beschäftigter und Zwangsarbeiter zutage. Heute sind die Flächen des ehemaligen Werks und der Lager überwiegend bewaldet; erhalten haben sich nur wenige bauliche Reste.

Persönlichkeiten

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 409)
  2. ↑ Brandenburgviewer, abgerufen am 29. Juni 2026.

Koordinaten: 52° 7′ N, 12° 53′ O