
Sebastian Scheerer (* 14. November 1950 in Lübeck) ist ein deutscher Kriminologe und Soziologe. Von 1996 bis 2015 war er Direktor des Instituts für Kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg. Scheerer wurde als Kriminologe vor allem durch seine Beträge zum Abolitionismus, zur Möglichkeit einer „allgemeinen Kriminalitätstheorie“, zur Kriminalität der Mächtigen und zum Terrorismusdiskurs bekannt.
Nach dem Studium der Rechts- und Erziehungswissenschaft an den Universitäten Köln, Genf und Münster schloss Scheerer sein Studium in Münster als Diplom-Pädagoge sowie mit dem ersten juristischen Staatsexamen (am Oberlandesgericht Hamm) ab. Danach promovierte er an der Universität Bremen zum Dr. jur.
An der Universität Frankfurt habilitierte er sich für Soziologie. Seit 1988 ist Scheerer Professor für Kriminologie an der Universität Hamburg, inzwischen als Emeritus. Er fungierte dort – in der Nachfolge Fritz Sacks – als Leiter des Postgraduiertenangebotes Aufbau- und Kontaktstudiums Kriminologie. In dessen Rahmen wurde seit 1984 – in der Bundesrepublik erstmalig – ein akademischer Grad für Kriminologen (Diplom-Kriminologe) verliehen. Nach der Überführung des Lehrgebiets vom Fachbereich Rechtswissenschaften an den Fachbereich Sozialwissenschaften wurde Scheerer im Jahr 2000 zum Direktor des neu gegründeten Instituts für Kriminologische Sozialforschung.
In den 1980er Jahren befasste er sich zunächst intensiv mit Fragen der Drogenforschung und -politik sowie mit der Terrorismusforschung. Mit seinem analytischen Terrorismusbegriff, der sowohl nichtstaatliche als auch staatliche Akteure (Staatsterrorismus) umfasst, schließt Scheerer unmittelbar an Henner Hess an.
1997 verfasste Scheerer zusammen mit Henner Hess die Skizze einer konstruktivistischen Kriminalitätstheorie, in der er sich teilweise (im Mikrobereich seines Theorieansatzes) von den Grundannahmen der Kritischen Kriminologie abwendet und auch auf ätiologische Kriminalitätserklärungen zurückgreift. Im Anschluss an die ab 1998 im Kriminologischen Journal ausgetragene Debatte um die konstruktivistische Kriminalitätstheorie gelten Scheerer und Hess in Teilen der deutschsprachigen Kritischen Kriminologie inzwischen als Opposition. Gemeinsam mit Henner Hess setzte Scheerer seine Bemühungen um eine allgemeine theoretische Begründung der Kriminologie auch in den folgenden Jahren fort. Die Kritik an ihrer Theorie bewerteten die beiden Autoren hierbei als wissenschaftlich überwiegend schwach. Es sei ein Ton angeschlagen worden, den man sonst nur von Sekten gegenüber Abtrünnigen kenne.
Darüber hinaus tritt Scheerer in kriminalpolitischer Hinsicht als Vertreter des Abolitionismus im Sinne einer Zurückdrängung bzw. Abschaffung des staatlichen Strafrechts in Erscheinung. Es sei an der Zeit, das Gefängnissystem als ein globales Desaster wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren. „Käfighaltung“ sei selbst für die wenigen wirklich gefährlichen Straftäter nicht nötig, sondern könne durch humanere Formen der Verwahrung ersetzt werden. Für den Großteil der nicht für die Allgemeinheit gefährlichen Gefangenen sei auch dies unnötig, gemeinnützige Arbeit könne hier viel bessere Dienste leisten. Global gesehen könne man der grassierenden Überbelegung der Gefängnisse auch dadurch Herr werden, dass man Entkriminaliserungsprogramme starte. Als konkrete Beispiele führt Scheerer an dieser Stelle das Problem der in manchen Staaten immer noch unter Strafe gestellten Homosexualität sowie das Betäubungsmittelstrafrecht an.
U. a. im Rahmen eines DFG-Forschungsprojektes ergründete Scheerer mit seinem Team sodann vor dem Hintergrund der Entdeckung des Nachlasses Franz Exners im Jahr 2004 auch die bis dahin erst lückenhaft erforschte Geschichte der deutschsprachigen Kriminologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Neben seiner Mitgliedschaft im Schildower Kreis, einem Expertennetzwerk, das gegen die Drogenprohibition argumentiert, ist er auch Sprecher beim LEAP (Law Enforcement Against Prohibition) Deutschland e. V., welcher sich ebenfalls für die Legalisierung von Drogen einsetzt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Scheerer, Sebastian |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kriminologe, Soziologe und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 14. November 1950 |
| GEBURTSORT | Lübeck |