Schifffahrtszeichen

Steuerbordtonne 15 im Fehmarnsund-Fahrwasser
Verschiedene Tonnen auf Norderney

Schifffahrtszeichen (im Küstenbereich und im Bereich der Seeschifffahrtsstraßen auch Seezeichen genannt) sind hör- oder sichtbare Markierungen, die als Navigationshilfen in der Schifffahrt dienen. Zusammen mit den Seekarten im Küstenbereich sowie den elektronischen Navigationskarten für Binnenschifffahrtsstraßen (IENC) im Binnenbereich ermöglichen sie sicheres Navigieren. Typische Schifffahrtszeichen sind Tonnen, Baken und Leuchttürme.

Für Deutschland sind die Zeichen in den internationalen Kollisionsverhütungsregeln, der Seeschifffahrtsstraßen- sowie in der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, in der Schweiz in der Binnenschifffahrtsverordnung geregelt.

Über die Ausgestaltung international gültiger Seezeichen ist die International Association of Marine Aids to Navigation and Lighthouse Authorities (IALA) zuständig, die dazu entsprechende Richtlinien zusammen mit der internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO herausgibt.

Geschichte

Die ersten Seezeichen waren natürliche Navigationshilfen wie Baumgruppen oder Küstenformationen. Später traten künstliche Zeichen hinzu, die im heute deutschsprachigen Raum zunächst alle Baken (Zeichen) genannt wurden: Steinhaufen oder Holzgerüste, fest oder schwimmend, mit oder ohne nachts entzündetem Feuer. 1225 erlaubte Waldemar II die Errichtung eines Seezeichens auf Falsterbo (Hansisches Urkundenbuch, s. Ref.), 1226 wird ein Seezeichen bei Travemünde erwähnt (Lübisches Urkundenbuch, s. Ref.).

Loschenturm von 1854 in Bremerhaven
Zwei Flachwassertonnen (im Nautineum Dänholm)

Ab 1286 plante Hamburg die Errichtung eines Turmes mit Laterne auf der Insel Neuwerk in der Elbmündung, der nicht nur als Wehrturm zur Sicherung der Region diente, sondern am Tage auch als Landmarke. Es gibt erhaltene Dokumente, die belegen, dass ab dem 14. Jahrhundert schwimmende Seezeichen auslagen. Die sogenannte Schartonne in der Außenelbe wird 1466 erwähnt. Die Hamburger Kaufmannschaft brachte sie mit einem Kauffahrteischiff aus.

Als schwimmende Seezeichen waren Tonnen meist wie ein Fass aus Eichenholz mit Eisenringen gefertigt. Später entwickelten sich die verschiedenen heutigen Formen. Um 1900 gab es im Elbstrom etwa 134 Tonnen.

Zunächst waren alle Tonnen schwarz, da man sie wie alle hölzernen Baken mit Teer und Pech konservierte. Ab 1575 begann man, auch weiße Tonnen auszulegen. 1887 ordnete der Reichskanzler (Otto von Bismarck) durch die Bekanntmachung, betreffend die einheitliche Bezeichnung der Fahrwasser und Untiefen in den deutschen Küstengewässern eine einheitliche Betonnung an den deutschen Küsten an: Rote Spierentonnen (schlank, stabförmig) an der Steuerbordseite und schwarze, spitze Tonnen an der Backbordseite.

Seit 1982 gilt für die Betonnung der Seewege international die Regelung der IALA. Diese beinhaltet ein weltweit einheitliches System von fünf verschiedenen Tonnentypen: laterale, kardinale, Mitte-Fahrwasser-, Einzelgefahrenstellen- und sonstige Tonnen. Dabei ist das Lateralsystem je nach Region in zwei unterschiedlichen Formen definiert.

Funktion

Feuerschiff Weser, früher positioniert am Hohen Weg, der Trennungsstelle zwischen Weser-Einfahrt und Jadefahrwasser, heute im Wilhelmshavener Museumshafen

Seezeichen dienen der Navigation nach Sicht und sind zur Orientierung der Seefahrer häufig an Gefahrenstellen sowie in Flüssen und schiffbaren Binnenseen positioniert.

Sie sind durch Form und Farbe sowie teilweise durch Lichtsignale (Befeuerung) eindeutig unterscheidbar und haben international festgelegte Bedeutungen. Oft sind Tonnen mit einem Radarreflektor versehen damit sie auf dem Schiffsradar gut erkennbar sind. Seezeichen mit Radarantwortbaken (Racon) identifizieren sich auf einem Radarschirm mit besonderen Zeichen (meist Morsecodes), die in Seekarten eingetragen sind.

Schwimmende Seezeichen sind Feuerschiffe und Tonnen. Der häufig in diesem Zusammenhang verwendete Begriff Boje ist für Seezeichen unüblich.

In der allgemeinen Lehre der Zeichen (Semiotik) ist ein Seezeichen ein Signal.

Typen

Fahrwasserzeichen
Kardinale Kennzeichnung von Gefahrenstellen
Östliche Kardinaltonne

Es wird unterschieden zwischen schwimmenden, mittels Ankerkette mit dem Grund verbundenen und festen, starr mit dem Grund verbundenen Seezeichen. Im Einzelnen kann man alle Seezeichen nach ihrer Form und Farbe unterscheiden, oft auch nach Form und Farbe der Toppzeichen.

Schwimmende Seezeichen

Die gedachte Linie entlang von Reihen gleichartiger Tonnen, zum Beispiel an den Fahrwasserrändern, wird als Tonnenstrich bezeichnet.

Feste Seezeichen

Viele Schifffahrtszeichen, sowohl schwimmende (Leuchttonnen) wie auch feste, können zudem mit einem periodischen oder dauerhaften Licht ausgerüstet sein (vergl. Nachtseezeichen). Die Farbe des Lichtes ist dabei meistens rot, grün oder weiß.

Klassifizierung

Man kann bei Seezeichen nach der Art ihrer Wahrnehmbarkeit zum Beispiel Tag-, Nacht-, Schall- und Funkzeichen unterscheiden: Tagzeichen sind unbeleuchtet, Nachtzeichen haben eine Befeuerung, Schall- oder Nebelsignale sind akustisch wahrzunehmen, und Funksignale können durch Funkpeilung geortet werden. Dabei sind die letzten beiden Gruppen zunehmend seltener anzutreffen.

Nach ihrer Positionierung kann man Schifffahrtszeichen auch in feste (z. B. Baken und Leuchttürme) und schwimmende untergliedern. Neben Feuerschiffen gehören Tonnen zu den schwimmenden Seezeichen. Sie sind am Grund fest verankert und heute meist aus Stahl oder Kunststoff gefertigt.

Sichtzeichen

SeezeichenFunktionAussehenschw./festTag/Nacht
LeuchtturmdiverseTurm oder GitterturmfestT+N
FeuerschiffdiverseSchiff, oft rot angestrichenschwimmendT+N
BakeSichtzeichenTurm oder Gerüst aus Holz oder StahlfestT
StangeSichtzeichenStange oder Pfahl mit ToppzeichenfestT
PrickeFahrwasser-BezeichnungBaumzweige an Stangen oder junger BaumfestT+N
Lateralzeichenseitliche Fahrwasserbegrenzung (im Binnenbereich: Fahrrinnenbegrenzung)rote oder grüne Tonneschwimmend oder festT+N
KardinalzeichenUntiefe neben dem Tonnenortgelb-schwarze Tonneschwimmend oder festT+N
Mitte-Fahrwasser-Zeichensicheres Fahrwasser oder Ansteuerungrot-weiße Tonneschwimmend oder festT+N
EinzelgefahrzeichenUntiefe am Tonnenortrot-schwarze TonneschwimmendT+N
SonderzeichenKennzeichnung besonderer Gebiete und Stellengelb mit gelbem Andreaskreuz als Toppzeichenschwimmend oder festT+N
Notfall-WracktonneNeues, noch nicht in nautischen Veröffentlichungen vermerktes Wrack am Tonnenortgelb-blaue TonneschwimmendT+N
FestmachetonneFestmachengelbe TonneschwimmendT(+N)
KabeltonneKabeltrasse (Ankern vermeiden)gelbe TonneschwimmendT(+N)

Schallzeichen

Glockentonne vor Laboe in der Kieler Förde

Manche Sichtzeichen sind zusätzlich mit Schallsignalgebern bestückt:

Tonnen auslegen

Tonnen werden mit Spezialschiffen, sogenannten Tonnenlegern, ausgelegt:

Tonnenhof Wilhelmshaven mit bereit liegenden Tonnen und einem Tonnenleger

Unterhaltung der Seezeichen in Deutschland

Für die Unterhaltung der Seezeichen ist in den deutschen Hoheitsgewässern die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes mit derzeit 17 Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern (WSÄ) zuständig. Zentrale technische Aufgaben werden vom Amt für Binnen-Verkehrstechnik (ehemals Seezeichenversuchsfeld) für die See- und Binnenwasserstraßen wahrgenommen. Tonnen werden in Tonnenhöfen der WSÄ gewartet. Sie werden von Tonnenlegern regelmäßig zur Überholung eingeholt und wieder ausgelegt. So wird zum Beispiel in eisgefährdeten Gewässern im Winter eine besondere Winterbetonnung ausgelegt, die aus Eistonnen besteht, welche einen geringeren Durchmesser haben und dem Eis weniger Angriffsfläche bieten. In Deutschland wurden inzwischen alle Leuchttonnen mit Gasbetrieb gegen Solartonnen ausgetauscht, auf denen LED leuchten. Die Gasflaschen der gasbetriebenen Tonnen mussten noch regelmäßig aufgefüllt bzw. ausgetauscht werden.

In der DDR wurden rund 2000 schwimmende Seezeichen (Tonnen) vom Seehydrographischen Dienst der DDR an der Ostseeküste gewartet. Dabei wurden Heul-, Leucht- und Glockentonnen verwendet.

Brückenschilder in Frankfurt am Main

Schifffahrtszeichen für die Binnenschifffahrt

An Flüssen und Kanälen gibt es eigene Beschilderungen je nach den Notwendigkeiten. Am Ufer der Wasserstraßen finden sich Schilder mit Angaben mit Kilometermarkierungen, zu Ankerverboten oder weiteren Regelungen.

An Brücken finden sich Schilder, die die Durchfahrt regeln, beispielsweise eine Art Einbahnstraßenbetrieb zur Trennung der Richtungen.

Kulturelle Rezeption

Siehe auch

Literatur

Portal: Leuchtfeuer – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Leuchtfeuer
Commons: Schifffahrtszeichen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Bekanntmachung, betreffend die einheitliche Bezeichnung der Fahrwasser und Untiefen in den deutschen Küstengewässern (Deutschland, 1887) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. 1 2 Bernhard Hagedorn: Die Entwicklung der wichtigsten Schiffstypen bis ins 19. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. I). Verlag von Karl Curtius, Berlin 1914. S. 21. Digitalisat
  2. ↑ Stadtwiki Cuxhaven (Seezeichen)
  3. ↑ Lehmann/Meyer, „Rügen A-Z“, Wähmann-Verlag, Schwerin, 1976, S. 90
  4. ↑ Nautisches Grundwissen (PDF-Datei, 4,2 MB) (Memento vom 1. Januar 2015 im Internet Archive)