Eglisau

Eglisau
Wappen von Eglisau
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Zürich Zürich (ZH)
Bezirk: Bülachw
BFS-Nr.: 0055i1f3f4
Postleitzahl: 8193 Eglisau
UN/LOCODE: CH GWF
Koordinaten: 681664 / 270039Koordinaten: 47° 34′ 34″ N, 8° 31′ 27″ O; CH1903: 681664 / 270039
Höhe: 356 m ü. M.
Höhenbereich: 343–567 m ü. M.
Fläche: 9,06 km²
Einwohner: 5794 (1. Januar 2026)
Einwohnerdichte: 640 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
24,2 %
(1. Januar 2026)
Gemeindepräsident: Roland Ruckstuhl (FDP)
Website: www.eglisau.ch
Blick vom linken Rheinufer
auf das Städtchen Eglisau
Blick vom linken Rheinufer
auf das Städtchen Eglisau
Lage der Gemeinde
Karte von EglisauDeutschlandKanton ThurgauKanton SchaffhausenKanton SchaffhausenBezirk AndelfingenBezirk DielsdorfBezirk DietikonBezirk PfäffikonBezirk UsterBezirk WinterthurBezirk ZürichBachenbülachBassersdorfBülachDietlikonEglisauEmbrachFreienstein-TeufenGlattfeldenGlattfeldenHochfelden ZHHöri ZHHüntwangenKlotenLufingenNürensdorfOberembrachOpfikonRafzRorbasWallisellenWasterkingenWil ZHWinkel ZH
Karte von Eglisau
{w

Eglisau ist eine politische Gemeinde im Bezirk Bülach im Unterland des Kantons Zürich in der Schweiz. Das historische Landstädtchen liegt am Rhein nahe der deutschen Grenze, eingebettet in besonnte Rebhalden. Es gehört zum Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS).

Wappen

Blasonierung:

In Gold auf grünem Dreiberg ein stehender schwarzer Hirsch

Das heutige Eglisauer Wappen hat seinen Ursprung im Jahr 1422, als die Freiherren von Tengen ihrem Wappen mit dem Einhorn den Hirsch vom Grafen von Nellenburg hinzufügten. Später wurde nur der Hirsch weitergeführt.

Auch der Ortsteil Tössriederen besitzt ein Wappen.

Wappen von Tössriederen

Ortsname

Die erste Erwähnung des Ortsnamens findet sich in einer Schenkungsurkunde des Grafen Gozbrecht, Abt des Klosters Rheinau. Am 18. Juni 892 vermacht er «was immer ich in Owa besitze» seinem Kloster (Owa = Aue).

Die linksrheinische Ortsbezeichnung Seglingen leitet sich vom alemannischen Namen «Segilo» ab, die Sippe hiess die «Segelinge». Aus «ze Segelinges Owe» entstand der heutige Ortsname Eglisau.

Geographie

Das Städtchen liegt am Nordufer des Rheins (Rheinkilometer 74,4), wie der zugehörige Weiler Oberriet nahe der deutschen Grenze und ist Teil des Rafzerfeldes. Zu Eglisau gehören auch die linksrheinischen Ortsteile Seglingen und Tössriederen. Obwohl Eglisau nur etwas weniger als 6000 Einwohner hat, hat die Gemeinde das alte, im Mittelalter erworbene Stadtrecht beibehalten und nennt sich selbst Städtchen.

Bevölkerung

Statistische Daten 2022:

Bevölkerungsentwicklung
Jahr1488158816891796185019001950200020052010201520202022
Einwohner65086014941578161211751603289333634213502154995528

Politik

Seit 1. Juli 2022 ist Roland Ruckstuhl (FDP) Gemeindepräsident.

Mitglieder des Eglisauer Gemeinderats (seit 1. Juli 2026)
Name Amtsantritt Funktion Partei
Roland Ruckstuhl 2022 Gemeindepräsident; Präsidiales / Finanzen, Steuern und Betreibungsamt FDP
Christoph Hagedorn 2026 Bau und Planung parteilos
Felix Baader 2022 Technische Betriebe parteilos
Sandrine Haas 2022 Bildung FDP
Michael Fiebig 2026 Soziales glp
Nando Oberli 2022 Bevölkerungsdienste und Sicherheit parteilos
Regula Peter 2022 Gesellschaft SVP

Ortsparteien: Die Mitte Unterland, EVP, FDP, Fokus Eglisau, glp Rafzerfeld, Grüne Bezirk Bülach, SP Unteres Rafzerfeld, SVP

Behörden: Gemeinderat, Schulpflege, Rechnungsprüfungskommission, Sozialbehörde, Behörde für Alters- und Pflegefragen

Bei der Nationalratswahl 2019 erreichten die Parteien folgende Wähleranteile: SVP 30,48 %, glp 16,86 %, SP 16,40 %, Grüne 11,18 %, FDP 10,60 %, EVP 4,33 %, CVP 3,77 %, EDU 2,93 %, BDP 1,42 % und andere (8) 2,01 %.

Die Wähleranteile bei der Nationalratswahl 2023 (in Klammern Veränderung zu 2019): SVP 33,98 % (+3,50 %), SP 17,75 % (+1,34 %), glp 13,82 % (−3,04 %), Die Mitte 8,64 % (+3,45 %), FDP 8,54 % (−2,06 %), Grüne 7,89 % (−3,30 %), EVP 4,77 % (+0,44 %), EDU 1,74 % (−1,19 %), Aufrecht Zürich 1,24 %, andere (11) 1,63 %.

Wirtschaft

Aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage war Eglisau schon früh ein florierendes Städtchen, in dem nebst der Schifffahrt, der (Lachs-)Fischerei, dem Salztransport und -handel sowie dem Weinbau auch das Handwerk florierte.

Bekannt ist das Vivi Kola. 1939 wurde die erste Flasche in der Mineralquelle Eglisau abgefüllt. Nachdem die Quelle in den 1980er-Jahren versiegt war, wurde die Marke 2010 wiederbelebt.

Heute zählt der Gewerbeverein Eglisau rund 90 Mitglieder, die in den Bereichen Dienstleistungen, Gastgewerbe, Handwerk und Industrie tätig sind. Noch heute prägen die Rebberge das Ortsbild von Eglisau, und der Weinbau hat seine wirtschaftliche Bedeutung behalten.

Verkehr

Als Eglisau gegründet wurde, war der Rhein die wichtigste Handelsroute für das Städtchen, doch auch die Verbindungen über Land hatten früh eine wichtige Bedeutung. Bereits 1249 wurde erstmals eine Strassenbrücke urkundlich erwähnt. 1895 bis 1897 wurde zudem die Eisenbahnbrücke über den Rhein gebaut. Die Verbesserung der Verkehrswege, der Wegfall der Zölle und das Aufkommen der Eisenbahn brachten es mit sich, dass die vormals so bedeutsame Schifffahrt gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihre wirtschaftliche Basis verlor.

Die Eisenbahnbrücke über den Rhein ist Teil der heutigen SBB-Strecke Bülach–Schaffhausen. Der Viadukt hat einen 90 Meter langen Fachwerkträger mit obenliegendem Gleis. Seitlich daran schliessen Vorbrücken mit zwölf bzw. neun Steinbogen an. Die südliche Vorbrücke ist gekrümmt. Die Brücke hat eine Gesamtlänge von 440 Metern. Durch die S-Bahn ist man in kurzer Zeit in Zürich (S9), Bülach und Waldshut (S36) oder Schaffhausen (S9).

Der im Zug des Rheinstaus (Kraftwerk Eglisau-Glattfelden) 1919 erstellte Neubau der Strassenbrücke an einem Brückenkopf westlich des Stadtkerns stellt heute die einzige Strassenverbindung ins Rafzerfeld und über den Jestetter Zipfel nach Schaffhausen dar. Seit Ende des 20. Jahrhunderts haben der Individualverkehr und der Güterverkehr über die historische Rheinbrücke stetig zugenommen. Das Landstädtchen leidet immer mehr unter dem wachsenden Verkehrsaufkommen. Bereits seit den 1980er-Jahren kämpft Eglisau für eine Umfahrung des Städtchens. Das Bevölkerungswachstum der letzten 20 Jahre und der zunehmende Lastwagenverkehr durch die Kiesförderung im Rafzerfeld haben die Situation noch verschärft. Inzwischen passieren täglich rund 22'000 Fahrzeuge die Rheinbrücke. Aus dem Architekturwettbewerb für eine neue Brücke über den Rhein ging 2020 als Sieger das Projekt des spanisch-schweizerischen Architekten und Bauingenieurs Santiago Calatrava hervor. In einer Machbarkeitsstudie zur Umfahrung Eglisaus wurden anschliessend mögliche Varianten der Anschlussbauwerke erarbeitet. Der Regierungsrat des Kantons Zürich wählte für die Anschlussstrecken unterirdische Varianten und beauftragte im Juni 2022 die Baudirektion, zuhanden des Kantonsrates eine Kreditvorlage auszuarbeiten.

Geschichte

Bewachung Bahnviadukt Zürich – Schaffhausen – CH-BAR – 3241684
Eglisau, historisches Luftbild von 1929, aufgenommen aus 50 Metern Höhe von Walter Mittelholzer

Ins 10./9. Jahrhundert v. Chr., also in die Spätbronzezeit, fallen in Eglisaus Gemeindebann erste Belege menschlicher Besiedlung auf dem bewaldeten, linksufrigen Rhischberg in Form einer befestigten Höhensiedlung. Archäologische Ausgrabungen durch die Universität Zürich und die Kantonsarchäologie von 1998 bis 1999 legten einen Rundwall mit Steinfundament frei, dessen Front ein Kastenbau aus quer- und längsliegenden Eichenhölzern und mit Erdmaterial aufgefüllt war. Zum Plateau hin bildete eine kompakte Steinlage einen Laufhorizont. Darin fanden sich Bronzeschmuck und Keramik, die eine Datierung ermöglichten und mit den dendrochronologischen Daten der Konstruktionshölzer in der Wallfront verglichen werden konnten. Die Funde deuten insgesamt darauf hin, dass die befestigte Höhensiedlung auf dem Rhischberg vom Neolithikum bis ins Hochmittelalter begangen wurde.

Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung von Seglingens Owe datiert auf das Jahr 892. Die im Kern mittelalterliche Altstadt ist in ihrer Grundanlage noch heute erkennbar und gut erhalten. Das frühere westliche Stadttor, der Pulverturm, wurde im Zug der Modernisierung abgebrochen, und heute erinnert nur noch der Name Törliplatz an ihn. Die Stadt Eglisau, eine Gründung derer von Tengen, war bis 1463 in ihrem Besitz.

Eglisau kam 1463 unter die Herrschaft des Freiherrn Bernhard Gradner, eines österreichischen Adeligen. 1489 wurde es eine Zürcher Landvogtei, deren Sitz auf dem 1810 abgebrochenen Schloss Eglisau war. Legendär war der letzte Landvogt Salomon Landolt, welcher 1798 zurücktrat.

Infolge der strategischen Bedeutung des Städtchens litt es stark unter den Wirren der Napoleonischen Kriege in den Jahren 1799–1813.

Nach den Niederlagen während der Badischen Revolution in dem Gefecht auf der Scheideck und dem Gefecht bei Dossenbach übertrat am 11. Juli 1849 der General Franz Sigel zusammen mit Joseph Weißhaar und den restlichen Truppen auf Anraten des Obersts Rudolf Benz von Pfungen, Kommissär der Kantonsregierung Zürich, bei Eglisau den Rhein; sie wurden entwaffnet und interniert.

Eglisau, das Landstädtchen

Eglisau hat gemeinsam mit Elgg, Greifensee, Grüningen, Bülach und Regensberg den Status eines Zürcher Landstädtchens. Diese Städtchen wurden im Hochmittelalter von aristokratischen Geschlechtern als wehrhafte Plätze gegründet und mit dem Stadtrecht ausgestattet, was ihnen eine Sonderstellung gab. So hatten sie Privilegien bei den Zöllen und verfügten über besondere Marktrechte. Selbst nach dem Aussterben der grossen Adelshäuser im späteren Mittelalter, als diese Städtchen durch Kauf und Pachtschaft an die aufstrebende Stadt Zürich übergingen, bewahrten sie sich als Sitz von Obervogteien und Verwaltungszentren bis zum Untergang der Alten Eidgenossenschaft einen besonderen Status.

Kirchen

In Eglisau gibt es zwei Kirchen:

Sehenswürdigkeiten

Bilder

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Eglisau – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Höhenbereiche zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991-2025. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 22. August 2026 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst).
  4. ↑ Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit 2010-2025. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2026
  5. ↑ Hans Rüegg: Zürcher Dorfwappen - Teil 1. In: Schweizer Wappen und Fahnen. Band 10, 2007, ISBN 978-3-908063-10-0 (stiftungswf.ch).
  6. ↑ Chronik. Gemeinde Eglisau, abgerufen am 21. Oktober 2026.
  7. ↑ Heinz Gallmann: Zürichdeutsches Wörterbuch (= Grammatiken und Wörterbücher des Schweizerdeutschen in allg. verständl. Darstellung, begleitet vom Verein Schweizerdeutsch. Band III). 1. Auflage. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2009, ISBN 978-3-03823-555-2, S. 668.
  8. ↑ Gemeindeporträts. Eglisau. Frauen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.
  9. ↑ Gemeindeporträts. Eglisau. Altersstruktur. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.
  10. ↑ Gemeindeporträts. Eglisau. Ausländer. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.
  11. ↑ Gemeindeporträts. Eglisau. Konfession. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.
  12. ↑ Quellen: 1488–1796: HLS, 1850–1950: Eidgenössische Volkszählungen (XLS; 927 kB), danach: Gemeindeporträts. Eglisau. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2000–2022.
  13. 1 2 Gemeinderat. Website der Gemeinde Eglisau.
  14. ↑ Ortsparteien. Website der Gemeinde Eglisau.
  15. ↑ Schulpflege. Website der Gemeinde Eglisau.
  16. ↑ Rechnungsprüfungskommission. Website der Gemeinde Eglisau.
  17. ↑ Sozialbehörde. Website der Gemeinde Eglisau.
  18. ↑ Behörde für Alters- und Pflegefragen. Website der Gemeinde Eglisau.
  19. ↑ Nationalratswahl 2019. Kanton Zürich, abgerufen am 1. Oktober 2023.
  20. ↑ Nationalratswahl 2023. Kanton Zürich. 25. Oktober 2023.
  21. ↑ Umfahrung Eglisau: Ein wichtiger Meilenstein ist erreicht. Gemeinderat Eglisau, 24. Juni 2022 (Medienmitteilung; PDF; 66 kB).
  22. ↑ Bernhard Bigler, Margarita Primas, Beat Zollinger: Rhinsberg: Befestigte Höhensiedlung der Spätbronzezeit. Hrsg.: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (= Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr. 16). Fotorotar, Zürich/Egg ZH 2002, ISBN 3-905681-00-5, S. 17.
  23. ↑ Kirche. Website der reformierten Kirche Eglisau, abgerufen am 25. September 2023.
  24. ↑ Website der Katholischen Pfarrei Glattfelden – Eglisau – Rafz.
  25. ↑ Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung. Kath. Kirche St. Judas Thaddäus. Baudirektion des Kantons Zürich, Amt für Raumentwicklung, Archäologie und Denkmalpflege (PDF; 4,3 MB).