Selbstmotivation

Zu den Tätigkeiten, die als förderlich für die Ausbildung einer starken Selbstmotivation angesehen werden, zählt das frühzeitige Erlernen eines Instruments.

Als Selbstmotivation (Selbstmotivierung) wird – meist in der Alltagspsychologie – die Fähigkeit einer Person bezeichnet, aus eigenem Antrieb und ohne unmittelbare Ermutigung oder Zwang durch andere Personen eine Aufgabe zu beginnen und sorgfältig und konsequent durchzuführen, bis das gesetzte Ziel erreicht ist.

Probleme des Begriffs

Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff in der (arbeits-) psychologischen Ratgeberliteratur – besonders in populärpsychologischen Selbsthilfebüchern und in Leitfäden zur Personalführung – verbreitet, wobei für die Leser allerdings nur selten ersichtlich wird, welche psychologischen Konzepte diesem Sprachgebrauch eigentlich zugrunde liegen.

In der akademischen Psychologie entspricht der „Selbstmotivation“ am ehesten der Begriff der intrinsischen Motivation, ein Konstrukt aus der Motivations­psychologie und der kognitivistischen Lerntheorie, das im Kern bereits auf Aristoteles zurückgeht, unter der Bezeichnung „intrinsische Motivation“ aber erst 1918 von Robert S. Woodworth eingeführt wurde. „Intrinsisch“ betrifft im weitesten Sinne den Vollzug der Tätigkeit (z. B. Interesse an der Sache, Genuss der Tätigkeit, „Schaffenslust“), „extrinsisch“ dagegen das, was der Tätigkeit als beabsichtigter Effekt nachfolgt (z. B. Wunsch nach Belohnung, „Befriedigungslust“). Obwohl der Begriff „intrinsisch“ in der psychologischen Fachliteratur heute weithin verwendet wird, gebrauchen die Autoren ihn mit sehr unterschiedlichen Implikationen, was, wie Jutta Heckhausen beklagt hat, in der Disziplin für einige „Begriffsverwirrung“ sorge.

Da extrinsische Anreize nicht notwendigerweise von außerhalb der Person kommen (z. B. „Befriedigungslust“, Selbstbelohnung), sind die Begriffspaare „intrinsisch/extrinsisch“ und „Selbst-/Fremdmotivation“ nicht ganz deckungsgleich.

Selbstmotivation als Erziehungsziel

Als Funktion der Selbstkontrolle, die wiederum der emotionalen Intelligenz (neurologisch betrachtet: den exekutiven Funktionen) zugerechnet wird, beginnt die Entwicklung der Selbstmotivation im frühen Kindesalter. Selbstmotivation ist ein grundlegendes Ziel der Charaktererziehung. Der bewusst gesteuerten Erziehung zur Selbstmotivation wird in englischsprachigen Elternratgebern derzeit allerdings noch weitaus größere Beachtung geschenkt als in entsprechenden Werken deutschsprachiger Autoren. Folgende Faktoren sind als günstig für die Ausbildung von Selbstmotivation beschrieben worden:

Literatur

Ratgeber

Einzelnachweise

  1. ↑ Jutta Heckhausen: Motivation und Handeln, S. 333 (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA).
  2. ↑ Con Stough, Donald H. Saklofske, James D. A. Parker: Assessing emotional intelligence: Theory, research, and application, Springer, 2009, ISBN 978-0-387-88369-4 (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA).
  3. ↑ Elternratgeber wie die folgenden, in denen es zentral um die Förderung der Selbstmotivation des Kindes geht, haben auf dem deutschsprachigen Buchmarkt bisher nur gelegentlich eine Entsprechung: Deborah Stipek, Kathy Seal: Motivated Minds: Raising Children to Love Learning, Holt, 2001, ISBN 0-8050-6395-1; Elizabeth Hartley-Brewer: Raising a Self-starter: Over 100 Tips for Parents and Teachers, Da Capo, 2003, ISBN 0-306-81315-7.
  4. ↑ Wendy Grolnick, Ann Frodi, Lisa Bridges: Maternal control style and the mastery motivation of one-year-olds, Infant Mental Health Journal, Band 5, Heft 2, Sommer 1984, S. 72–82.
  5. ↑ Edward L. Deci, John Nezlek, L. Sheinman: Characteristics of the rewarder and the intrinsic motivation of the rewardee, Journal of Personality and Social Psychology, Band 40, Heft 1, Januar 1981, S. 1–10; Richard DeCharms: Personal causation: The internal affective determinants of behavior, New York, Academic Press, 1968.
  6. ↑ Miron Zuckerman, Joseph Porac, Drew Lathin, R. Smith, Edward Deci: On the importance of self-determination for intrinsically motivated behavior, Personality and Social Psychology Bulletin, Band 4, 1978, S. 443–446.
  7. ↑ Wendy Grolnick, Richard Ryan: Parent style associated with children’s self-regulation and competence in school, Journal of Educational Psychology, Band 81, 1989, S. 143–154.
  8. ↑ Kurt Lewin, Ronald Lippitt, Ralph White: Patterns of aggressive behavior in experimentally created social climates, Journal of Social Psychology, Band 10, 1939, S. 271–301.
  9. ↑ Norman Jones: Performance Management in the 21st Century: Solutions for Business, Education, and Family, S. 67f (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA).
  10. ↑ Alfie Kohn: Five Reasons to Stop Saying „Good Job!“ (Memento des Originals vom 3. Januar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., vollständiger Text eines Artikels, der im Mai 2000 in gekürzter Fassung in der US-amerikanischen Elternzeitschrift Parents erschienen ist.
  11. ↑ Rex Lloyd Forehand, Nicholas James Long: Parenting the strong-willed child: The clinically proven five-week program for parents of two- to six-year-olds, S. 95f (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA); Sal Severe: How to behave so your children will, too!, S. 37 (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA)
  12. ↑ Cynthia Richards: How to get your child to practice… without resorting to violence!!, Orem, Utah: Advance Arts & Music, 1985, ISBN 0-9729396-1-X, S. 6f.