Semai

Samai oder Semai (arabisch سماعي, DMG samāʿī) ist in der arabischen und osmanischen klassischen Musik ein mehrwertiger Begriff, der eine Vokal- oder Instrumentalform der musikalischen Komposition sowie charakteristische orientalische Rhythmen bezeichnet.

Der Ursprung des Wortes samai kommt von der arabischen Wurzel s–m–ʿ, was „zuhören“ bedeutet.

Samai in arabischer Musik

Semai ist neben dem baschraf (türkisch peşrev) und der longa eine beliebte osmanische Instrumentalform, die später in die arabische Musik als samai eingeführt wurde. In arabischer Musik ist samai eine Form der musikalischen Komposition, die auf dem akustischen Rhythmus 10/8 (samai thaqil) basiert. Das samai besteht aus vier Sätzen (chana, Plural chanat), denen jeweils der Refrain (taslim) folgt. Der taslim und die ersten drei Sätze haben normalerweise eine Rhythmusstruktur von 10/8, während der vierte Satz typischerweise in einem 3/4- oder 6/4-Rhythmus komponiert, der samai darij (zentralasiatischer/persischer Rhythmus) genannt wird. Einige zeitgenössische Komponisten wenden im 4. Satz einen 5/8-, 7/8- oder 9/8-Takt an.

Neben den semai und baschraf ist die longa eine beliebte osmanische Instrumentalform, die später in die arabische Musik eingeführt wurde und oft am Ende einer Muwaschschah aufgeführt wird. So wie semai und baschraf, basiert auch longa auf einen Refrain, der taslim (arabisch تسليم) heißt, und auf einer Anzahl unterschiedlicher Verse, die chana (türkisch hane, „Haus“) genannt werden.

Der traditionelle musikalische Aufbau dieses Genres basiert auf einer rhythmischen Partitur, vor deren Hintergrund sich auch eine Vokalmelodie entwickelte. Im 9. Jahrhundert verlagerte Ziryab, ein Musiker und Universalgelehrter aus al-Andalus, in seinen Gesangswerken den Schwerpunkt auf den Sänger, dem jetzt die Hauptrolle zugewiesen wurde, und die Percussion-Instrumente erfüllten die Funktion der rhythmischen Begleitung der Hauptmelodie.

Semai in osmanisch-türkischer Musik

In osmanisch-türkischer Musik ist semai ein Vokalstück innerhalb eines fasıl (Zyklus), das im 6/8-Takt komponiert wurde. Diese Form und Metrik (türkisch usul) wird oft mit saz semai verwechselt. Das saz semai (türkisch auch saz sema'i, saz sema-i, saz sema i, saz semaī, saz semâ'î, sazsemai, saz semaisi oder sazsemaisi) ist eine Instrumentalform in der osmanischen klassischen Musik, die aus drei bis vier Abschnitten im 10/8-Takt besteht. Das saz semai verwendet typischerweise die usul (rhythmische Struktur), die aksak semai genannt wird. Ein saz semai besteht typischerweise aus vier Sätzen, genannt hane („Haus“), jedem Satz folgt ein teslim (Refrain). Semai ist eine der wichtigsten Formen in der osmanisch-türkischen Sufi-Musik.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 The Oud and Other Articles. In: www.amukhtar.com. Abgerufen am 26. Februar 2023 (englisch).
  2. ↑ Танцуй вместе с нами! – Основные Арабские ритмы [Tanz mit uns! - Grundlegende arabische Rhythmen]. Abgerufen am 26. Februar 2023 (russisch).
  3. 1 2 Kompositorische ottomanische Instrumentalformen. In: maqamworld.com. The Arab Fund for Arts and Culture, abgerufen am 10. September 2023.
  4. ↑ E. V. Belyaeva: Tvorchestvo kompozitorov Sirii – osnovnye puti razvitiya (vtoraya polovina XX – nachalo XXI veka) [The composers of Syria: the main development path (second half of XX – beginning of XXI century)]. PhD dissertation (Art history). Als Manuskript, Kazan 2018, S. 34 (russisch, gnesin-academy.ru [PDF]).