Die Sentenzen des Sextus sind eine Sammlung von 451 Sprüchen (Sentenzen) eines ansonsten nicht bekannten christlichen Autors aus dem 2. Jahrhundert.
Die Sentenzen sind christliche Bearbeitungen hellenistischer Sprüche der stoischen, kynischen, platonischen und pythagoräischen Tradition, wie sie unter anderem bei Porphyrios überliefert sind. Sie verbinden die asketischen Ideale der Abgeschiedenheit von der Welt, freiwilliger Armut, sexueller Enthaltsamkeit und einem Schweigegelübde mit biblischen Traditionen.
Die Sprüche sind in verschiedenen Handschriften in griechischer syrischer und koptischer Sprache überliefert. Origenes berichtete über eine große Beliebtheit der Sprüche unter Christen im 3. Jahrhundert. Eine Sentenz wurde für ihn zum Beleg für seine Selbstkastration. Rufinus übersetzte die Sprüche um 400 ins Lateinische.
Die Sammlung entstand möglicherweise in Alexandria. Rufinus gab als Autor einen Xystos an und verwies auf Bischof Sixtus II. von Rom, was nach inhaltlichen Aspekten jedoch unwahrscheinlich ist. Der pythagoräische griechische Philosoph Quintus Sextius aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. könnte möglicherweise Urheber der Sprüche sein.