Die Epitoma rei militaris des Vegetius in einer für Lupus angefertigten Handschrift. Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Vaticanus Palatinus lat. 1572, fol. 62r (Mitte des 9. Jahrhunderts)
Sein Vater Antelmus stammte aus Bayern, seine Mutter Frotilde war Fränkin aus dem Gâtinais. Die Bischöfe Heribald und Abbo von Auxerre könnten seine Brüder gewesen sein. In einem Brief an Heribald erwähnt er tatsächlich einen communis frater „gemeinsamen Bruder“. Es ist jedoch kein starkes Beweis, da das Wort frater auch als „vertrauter Freund“, „Bruder im geistlichen Amt“ oder „politischer Verbündeter“ benutzt werden konnte.
Um 836 kehrte er nach Ferrières zurück, wo er von der Kaiserin Judith und ihrem Sohn Karl dem Kahlen unterstützt wurde. 840 wurde er zum Abt von Ferrières gewählt. In den Auseinandersetzungen um die Herrschaft im Karolingerreich nach dem Tod Ludwigs des Frommen blieb er Karl dem Kahlen stets treu und wurde von diesem in zahlreichen diplomatischen Missionen eingesetzt.
Werke
Lupus schrieb mehrere kleinere theologische Werke, darunter Viten des heiligen Maximin von Trier und des heiligen Wigbert. Für den MarkgrafenEberhard von Friaul legte er eine umfangreiche Sammlung von Gesetzestexten und Kapitularien an. Von seinen zahlreichen Briefen sind 132 erhalten, sie wurden wahrscheinlich von seinem Schüler Heiricus von Auxerre herausgegeben. Die Briefe zeugen von seiner hohen klassischen Bildung und sind von den Briefen Ciceros beeinflusst. Sein besonderes Interesse galt der Philologie, er sammelte Handschriften antiker Autoren (Cicero, Boethius, Valerius Maximus u.a.), die er vervollständigte, korrigierte, kommentierte und in seinem Skriptorium kopieren ließ. Seine Bemühungen um ein Exemplar der damals sehr seltenen De vita Caesarum des Sueton bezeugen die Briefe 10, 4 und 91, 4. Er gehörte zu den ersten Lesern von Einhards Vita Karoli Magni und äußerte sich in höchster Bewunderung über deren Stil (Brief 1, 5), den er im Gegensatz zur sonstigen zeitgenössischen Produktion als gelungene Verwirklichung antiker Stilideale pries und dem er sogar ciceronische gravitas (Würde) attestierte.
Werkausgaben
Vita Maximini episcopi Trevirensis auctore Lupo. In: Bruno Krusch (Hrsg.): Scriptores rerum Merovingicarum 3: Passiones vitaeque sanctorum aevi Merovingici et antiquiorum aliquot (I). Hannover 1896, S. 71–82 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
Peter Kenneth Marshall (Hrsg.): Servati Lupi Epistulae. Teubner, Leipzig 1984.
Oliver Münsch: Der Liber legum des Lupus von Ferrières. (Freiburger Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte, Bd. 14), Peter Lang, Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Brüssel, New York, Oxford, Wien 2001, ISBN 978-3-631-38026-0.
Michael Fleck (Hrsg.): Leben und Wundertaten des Heiligen Wigbert. „Lupus servatus“. Das Leben des heiligen Wigbert. Die Wundertaten des heiligen Wigbert. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Bd. 67), Marburg 2010.
Literatur
Peter Kenneth Marshall: The Codex Bernensis of the letters of Servatus Lupus, abbot of Ferrières. In: Revue bénédictine 91 (1981), S. 164–169.
Peter Kenneth Marshall: The „Epistulae“ of Servatus Lupus, Abbot of Ferrières. Some Textual Notes. In: Revue bénédictine 89 (1979), S. 183–187.
Peter Kenneth Marshall: The learning of Servatus Lupus. Some additions. In: Mediaeval Studies 41 (1979), S. 514–523.
Werner Andreas Schmidt: Verfassungslehren im 9. Jahrhundert. Die Fürstenspiegel und politischen Schriften des Jonas von Orléans, Hinkmar von Reims, Sedulius Scottus, Servatus Lupus von Ferrières und Agobard von Lyon. Mainz 1961.
Philippe Depreux:Büchersuche und Büchertausch im Zeitalter der karolingischen Renaissance am Beispiel des Briefwechsels des Lupus von Ferrières. In: Archiv für Kulturgeschichte. Band76, 1994, S.267–284.
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In einem Brief an Heribald erwähnt er den communis frater, den „gemeinsamen Bruder“ (Nr. 37, in Epistolae (in Quart) 6: Epistolae Karolini aevi (IV). Herausgegeben von Ernst Dümmler, Ernst Perels u.a. Berlin 1925, S. 46 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)). Quelle für die Herkunft Heribalds und damit auch die des Lupus sind die „Taten der Bischöfe von Auxerre“ (Gesta episcoporum Autisiodorensium, in: Georg Waitz u.a. (Hrsg.): Scriptores (in Folio) 13: Supplementa tomorum I-XII, pars I. Hannover 1881, S. 397–398 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)).
↑Philippe Depreux:Büchersuche und Büchertausch im Zeitalter der karolingischen Renaissance am Beispiel des Briefwechsels des Lupus von Ferrières. In: Archiv für Kulturgeschichte. Band76, 1994, S.267–284.