
Sharan Leslie Burrow AC (geb. 12. Dezember 1954 in Warren, New South Wales) ist eine australische Gewerkschafterin, die von 2010 bis 2022 Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC) und von 2000 bis 2010 Präsidentin des Australian Council of Trade Unions (ACTU) war. Sie hatte seit Gründung des ITUC 2006 als erste Frau das Amt der Generalsekretärin inne und war die zweite weibliche Präsidentin des ACTU.
Burrow wuchs in einer Familie auf, die schon seit mehreren Generationen in der Arbeiterbewegung aktiv war. Nach Abschluss des Bachelor of Arts und eines Diploms in Pädagogik an der University of New South Wales begann sie als Lehrerin zu arbeiten. Sie wurde Organisatorin für die New South Wales Teachers Federation und in den 80er Jahren Präsidentin des Bathurst Trades and Labor Council. 1992 wurde sie Präsidentin der Australian Education Union (AEU). Von 1995 bis 2000 war sie zudem Vizepräsidentin der Bildungsinternationale.
Burrow wurde im Mai 2000 zur Präsidentin des ACTU gewählt. Der bedeutendste öffentliche Vorgang ihrer Amtszeit war die Kampagne 'Your Rights at Work', die sich im Vorfeld der Parlamentswahlen 2007 gegen ein beabsichtigtes Arbeitsrechtsgesetz der Regierung der Liberal Party von John Howard richtete. Bei den Wahlen erlitt die Howard-Regierung eine Niederlage, und die neu angetretene Regierung der Australian Labor Party unter Kevin Rudd hob das betreffende Gesetz auf und ersetzte es durch den „Fair Work Act 2009“. Der ACTU befürwortet diesen, weil er viele Arbeitnehmerrechte – wie das Recht auf gewerkschaftliche Organisation und Tarifverhandlungen – wiederherstellte und schützte, die durch die frühere Gesetzgebung abgeschafft oder gefährdet worden waren.
Während der Präsidentschaft Burrows engagierte sich der ACTU verstärkt für einen bezahlten Mutterschutz über 18 Wochen Dauer, den die australischen Gewerkschaften seit 30 Jahren forderten. Die Labor-Regierung folgte dieser Forderung mit einem zum 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Gesetz.
Burrow schied Ende Juni 2010 aus dem Amt, als sie zur Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes gewählt wurde.

2004 wurde Burrow zunächst als erste Frau Präsidentin des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften und blieb dies bis zu dessen Zusammenschluss mit dem Weltverband der Arbeitnehmer zum Internationalen Gewerkschaftsbund 2006. Auf dem Gründungskongress vom 1. bis 3. November 2006 wurde sie zur Präsidentin der Organisation gewählt.
Auf dem zweiten Weltkongress des ITUC wurde Burrow am 25. Juni 2010 zur Generalssekretärin gewählt. Sie löste den britischen Gewerkschafter Guy Ryder ab. In ihrer Dankesrede würdigte sie die Bedeutung ihrer Wahl zur ersten weiblichen Vorsitzenden der weltweit größten internationalen Gewerkschaftsorganisation und betonte die Notwendigkeit der Beteiligung von Frauen in der Gewerkschaftsbewegung:
„Ich bin eine Kämpferin für die Sache der Frauen, und wir haben weitere Arbeit vor uns, um die Einbindung von Frauen am Arbeitsplatz und in unseren Gewerkschaften zu gewährleisten. Frauen kämpfen an vielen Fronten – allzu oft um Unabhängigkeit in der eigenen Familie, dann am Arbeitsplatz um Rechte und Chancengleichheit, in ihren Gewerkschaften um Zugang und Vertretung und schließlich als Gewerkschaftsführerinnen. Doch die Investitionen in und die Partizipation von Frauen sind nicht nur ein moralisches Mandat; sie sind eine Investition in Demokratie und ein Bollwerk gegen Fundamentalismus und Unterdrückung. Die gewerkschaftliche Organisierung der Frau ist daher eine Priorität für den IGB und muss es bleiben.“
Während ihrer Amtszeit leitete Burrow weltweite Kampagnen für menschenwürdige Arbeit, Menschenrechte und Klimagerechtigkeit. Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar kritisierte der IGB unter Burrow massiv die unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter in Katar. Nachdem das Emirat einen Mindestlohn festgesetzt und das kritisierte Kafala-System reformiert hatte, würdigte Burrow die Entwicklung im Land positiv. Menschenrechtsorganisationen hingegen verwiesen darauf, dass die Rechte nur auf dem Papier bestünden.
Burrow trieb zudem das Konzept des „gerechten Übergangs“ voran, mit dem die Interessen von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen beim Übergang zu einer grünen Wirtschaft berücksichtigt werden sollen.
Ihre Rolle führte sie in das Zentrum der internationalen Politikgestaltung. Sie arbeitete mit den Vereinten Nationen, der Internationalen Arbeitsorganisation, der G7, der G20, der Weltbank und dem IWF zusammen und war zweimal Co-Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums in Davos.
Burrow wurde zweimal als Generalsekretärin wiedergewählt. Auf dem sechsten Weltkongress 2022 in Melbourne wurde als ihr Nachfolger Luca Visentini bestimmt. Von 2014 bis 2022 war Burrow Mitglied der Global Commission for the Economy and Climate, einer von sieben Staaten ins Leben gerufenen Initiative unter dem gemeinsamen Vorsitz von Ngozi Okonjo-Iweala, Nicholas Stern und Paul Polman, die aufzeigen sollte, dass Wirtschaftswachstum und ambitionierter Klimaschutz Hand in Hand gehen können.
Nach dem Ende ihrer Tätigkeit für den ITUC engagierte sich Burrow in akademischen und beratenden Funktionen. Sie ist Gastprofessorin am Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment der London School of Economics und Mitglied in Verwaltungsräten wie dem der European Climate Foundation.
Sie ist Mitglied des Club of Rome.
Im Juni 2019 wurde Sharan Burrow mit dem Orden Companion of the Order of Australia (AC) ausgezeichnet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Burrow, Sharan |
| ALTERNATIVNAMEN | Burrow, Sharan Leslie (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | australische Gewerkschafterin |
| GEBURTSDATUM | 12. Dezember 1954 |
| GEBURTSORT | Warren, New South Wales |