Shellhuset bezeichnet zwei Bürogebäude an der Kampmannsgade in Kopenhagen: den 1934 errichteten funktionalistischen Ursprungsbau und den 1951 fertiggestellten Nachfolger an derselben Stelle. Historisch bekannt wurde es als dänische Gestapo-Zentrale und durch den britischen Luftangriff vom 21. März 1945, bei dem auch die Französische Schule in Frederiksberg irrtümlich getroffen wurde.

Gerhard Rønne entwarf den Ursprungsbau im Jahr 1932 für Dansk Shell; 1934 wurde er fertiggestellt, mit Kalksteinfassade und langen Stahlfensterbändern als markanten funktionalistischen Merkmalen. Im Frühjahr 1944 übernahm die Gestapo im Rahmen der deutschen Besatzung Dänemarks das Gebäude und richtete in der obersten Etage rund zwanzig Gefängniszellen ein. Dort wurden Angehörige des Widerstands verhört und misshandelt; zu den berüchtigten dänischen Gestapo-Mitarbeitern im Haus gehörte Ib Birkedal Hansen. Nach zahlreichen Verhaftungen im Februar 1945 drohte die Gestapo den Kopenhagener Widerstand aufzulösen, worauf dessen Führung einen Luftangriff auf die Zentrale und die Archive verlangte.
Am 21. März 1945 griff die Royal Air Force das Shellhuset auf Bitte des dänischen Widerstands unter dem Decknamen Operation Carthage mit 20 Mosquito-Jagdbombern an. Ziel war die Zerstörung der Zentrale und insbesondere ihrer Unterlagen über den Widerstand. Ein Flugzeug der ersten Welle streifte einen Lichtmast, verlor seine Bomben über dem Sønder Boulevard 106 und stürzte neben der Französischen Schule ab; mehrere nachfolgende Flugzeuge hielten den Rauch des Wracks irrtümlich für das Zielgebiet. Dadurch wurde die Schule getroffen und brannte aus; dort starben 86 Kinder und 18 Erwachsene. Das Shellhuset selbst wurde zerstört, umfangreiches Archivmaterial verbrannte, acht der festgehaltenen dänischen Widerstandskämpfer kamen ums Leben und 18 entkamen, darunter Mogens Fog. Die Vernichtung von Akten und der Zentrale lähmte die Gestapo-Arbeit für den Rest der Besatzungszeit.

Im Jahr 1951 entstand an gleicher Stelle Vilhelm Lauritzens modernistischer Neubau mit zurückgesetzten Fenster- und Brüstungsfeldern; 2022 wurde er restauriert und umgebaut und dient heute als Bürohaus. Britische Bordkameras und die nationalsozialistisch kontrollierte Wochenschau Dansk Film-Avis dokumentierten den Angriff; britische Luftaufnahmen erschienen später in Theodor Christensens Det gælder din Frihed (1946) und in De fem år. Martin Sundstrøm und Simon Bang rekonstruierten die Ereignisse 2013 im Dokumentarfilm Angrebet på Shellhuset mit historischem Bildmaterial und Zeitzeugeninterviews. Ole Bornedals Spielfilm Skyggen i mit øje (2021) griff den Angriff und die Katastrophe der Französischen Schule erneut auf.