
Shlomo Bentin (hebräisch שלמה בנטין; geboren 26. August 1946 in Bukarest; gestorben 13. Juli 2012 in Berkeley) war ein israelischer Neuropsychologe und emeritierter Professor der Hebräischen Universität Jerusalem.
Er wurde in Rumänien geboren und wanderte im Alter von 12 Jahren mit seiner Familie nach Israel aus. Dort wuchs er im Kibbuz Gan Shmuel auf und besuchte anschließend die Hebrew Reali School in Haifa: danach diente er in der Fallschirmjägerbrigade der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF). Er blieb auch nach Ablauf seiner Wehrpflichtzeit im aktiven Dienst der Armee, wechselte aber in den Hillen HaShiryon (Panzerkorps). Er gründete auch die Aufklärungskompanie der 14. Brigade und war der Kompaniechef dieser neu aufgebauten Einheit.
Seinen Bachelor of Arts in Psychologie erwarb er 1974 an der Universität Tel Aviv. 1976 zog er nach Jerusalem und übernahm die Leitung des Labors für menschliche Psychophysiologie an der neurologischen Abteilung des Hadassah Medical Center. Es folgte 1977 ein Master of Sciences in Medical Sciences am Technion in Haifa. 1982 promovierte er zum Dr. phil. in Neuropsychologie an der Hebräischen Universität Jerusalem.
1983 begann seine Karriere als Dozent für Psychologie an der Hebräischen Universität Jerusalem; 1994 wurde er Professor am Institut für Psychologie und war Gründungsmitglied des Interdisziplinären Zentrums für neuronale Berechnungen (Interdisciplinary Center for Neural Computation). Zudem initiierte er an der Hebräischen Universität ein Labor für kognitive Elektrophysiologie, dessen Ausrichtung er maßgeblich auf die kognitive Neurowissenschaft und kognitive Neuropsychologie hin prägte.
In seinen frühen Arbeiten untersuchte er Leseprozesse. Auf Grundlage seiner Erkenntnisse, unter anderem anhand der Sonderfälle des Hebräischen und Arabischen, argumentierte er für die entscheidende Bedeutung der phonologischen Verarbeitung beim Lesen. Diese Arbeit veränderte den Leseunterricht an israelischen Grundschulen bis heute.
Anfang der 1990er Jahre beschrieb er erstmals ein ereigniskorreliertes Potenzial (EKP), das auf der Kopfhaut abgeleitet wurde und selektiv für das Erkennen von Gesichtern war – bekannt als N170. Diese Studie lieferte den Rahmen, innerhalb dessen Psychologen nicht-invasiv höhere Wahrnehmungs- und kognitive Prozesse im menschlichen Gehirn untersuchen konnten. In seinen nachfolgenden Arbeiten nutzte er dieses EKP als Präzisionsinstrument zur Analyse der Gesichtsverarbeitung zu den Themen teilbasierte vs. holistische Verarbeitung, Detektion vs. Identifizierung, Domänenspezifität vs. Expertise, Effekte höherer vs. niedrigerer Ebene, Mechanismen der angeborenen Prosopagnosie und zur Rehabilitation der Prosopagnosie. Er trug maßgeblich dazu bei, das EEG als Instrument zur Untersuchung des zeitlichen Ablaufs kognitiver Prozesse zu etablieren.
Er entwickelte auch ein Verfahren zur Überwachung der Nervenleitfähigkeit im Rückenmark während Skoliose-Operationen, wodurch das Aufwecken der Patienten während des Eingriffs überflüssig wurde.
Er war verheiratet mit der Rechtsanwältin Miri Bentin; aus der Ehe stammen drei Kinder, darunter die Tochter Einat Bentin-Kaplan und der Sohn Shai Bentin. Er verstarb mit 65 Jahren während seiner Zeit als Gastdozent an der University of California, Berkeley bei einem Fahrradunfall durch einen Zusammenstoß auf dem Bancroft Way von Berkeley mit einem Muldenkipper. Als Aktivist setzte er sich für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern ein.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bentin, Shlomo |
| ALTERNATIVNAMEN | שלמה בנטין (hebräisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | israelischer Neuropsychologe und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 26. August 1946 |
| GEBURTSORT | Bukarest |
| STERBEDATUM | 13. Juli 2012 |
| STERBEORT | Berkeley |