Sialolipidose

Klassifikation nach ICD-10
E75.1 Sonstige Gangliosidosen
- Mukolipidose IV
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Die Sialolipidose, auch als Mukolipidose IV bezeichnet, ist eine äußerst seltene autosomal-rezessiv vererbte neurodegenerative lysosomale Speicherkrankheit.

Inzidenz

Autosomal-rezessiver Erbgang

Die Sialolipidose ist mit einer Inzidenz kleiner als 1 : 1 Million eine ausgesprochen seltene Erkrankung. Bei der Population der Ashkenazi-Juden liegt die Inzidenz mit etwa 1 : 40.000 signifikant höher. Die Heterozygotenfrequenz liegt dort entsprechend bei 1:100.

Symptome

Die betroffenen Patienten leiden unter einer psychomotorischen Retardierung und Anomalien der Augen, wie Hornhauttrübung, Netzhautdegeneration oder Schielen (Strabismus). Diese Symptome lassen sich ab dem ersten Lebensjahr, manchmal aber auch später beobachten. Die Progression der Sialolipidose ist in den meisten Fällen eher langsam. In den lysosomalen Einschlusskörpern der Zellen der Erkrankten sind Phospholipide, Ganglioside und Glykosaminoglykane gespeichert.

Genetik und Pathogenese

Der Sialolipidose liegt ein autosomal-rezessiver Erbgang zugrunde. Mutationen im MCOLN1-Gen, das sich auf Chromosom 19 Genlocus p13.3-p13.2 befindet, sind letztlich die Ursache der Erkrankung. MCOLN1 codiert für das Genprodukt TRPML1 (Mucolipin-1); ein 65 kDa schweres Membranprotein, mit sechs transmembranen Domänen. Es ist aus der Familie der TRP-Kanäle (transient receptor potential). TRPML1 ist ein endo-lysosomaler Kanal für Eisen-Ionen.

Vom MCOLN1-Gen wurden bisher etwa 20 unterschiedliche Mutationen beschrieben, wobei zwei davon 95 % aller bei den Aschkenasim gefundenen Mutationen bedingen.

Die Ursache der Akkumulation von Phospholipiden, Ganglioside und Glykosaminoglykane im Lysosom ist wahrscheinlich eine Störung der Endozytose von Komponenten der Zellmembran in die Lysosomen.

Diagnose

Die Diagnose Sialolipidose wird üblicherweise durch den Nachweis der Mutation im MCOLN1-Gen gestellt. Einfacher ist die elektronenmikroskopische Untersuchung der Zellorganellen, die typischerweise bei einer Mukolipidose betroffen sind. Die pränatale Diagnose ist durch elektronenmikroskopische Untersuchung der Amnionzellen oder des Chorions möglich.

Eine DNA-Analyse (‚Gentest‘) der Eltern ist ebenfalls vorgeburtlich möglich.

Therapie

Eine Heilung ist bisher ausgeschlossen. Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch.

Erstbeschreibung

1974 wurde die Sialolipidose bei erkrankten Ashkenazi-Juden von E. R. Berman und Kollegen erstmals als neue Variante einer Mucolipidose beschrieben.

Weiterführende Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ H. Denk, H. P. Dienes und J. Düllmann: Pathologie der Leber und Gallenwege. Verlag Springer, ISBN 3-540-65501-8, S. 255.
  2. 1 2 3 4 5 6 Eintrag zu Mukolipidose Typ IV. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten)
  3. ↑ A. Raas-Rothschild u. a.: Mucolipidosis type IV: the origin of the disease in the Ashkenazi Jewish population. In: Europ J Hum Genet 7, 1999, S. 496–498. PMID 10352940
  4. ↑ K. G. Riedel u. a.: Ocular abnormalities in mucolipidosis IV. In: Am J Ophthal 99, 1985, S. 125–136. PMID 3918453
  5. ↑ S. A. Slaugenhaupt u. a.: Mapping of the mucolipidosis type IV gene to chromosome 19p and definition of founder haplotypes. In: Am J Hum Genet 65, 1999, S. 773–778. PMID 10441585
  6. ↑ R. Bargal u. a.: Identification of the gene causing mucolipidosis type IV. In: Nature Genet 26, 2000, S. 118–121. PMID 10973263
  7. ↑ M. Sun u. a.: Mucolipidosis type IV is caused by mutations in a gene encoding a novel transient receptor potential channel. In: Hum Molec Genet 9, 2000, S. 2471–2478. PMID 11030752
  8. ↑ X. Dong u. a.: The Type IV Mucolipidosis-Associated Protein TRPML1 is an Endo-lysosomal Iron Release Channel. In: Nature 455, 2008, S. 992. doi:10.1038/nature07311 PMID 18794901
  9. ↑ N. Amir u. a.: Mucolipidosis type IV: clinical spectrum and natural history. In: Pediatrics 79, 1987, S. 953–959. PMID 2438637
  10. ↑ G. Kohn u. a.: Prenatal diagnosis of mucolipidosis IV by electron microscopy. In: J Pediat 90, 1977, S. 62–66. PMID 830895
  11. ↑ A. Ornoy u. a.: Early prenatal diagnosis of mucolipidosis IV. (Letter) In: Am J Med Genet 27, 1987, S. 983–985. PMID 3425607
  12. ↑ E. R. Berman u. a.: Congenital corneal clouding with abnormal systemic storage bodies: a new variant of mucolipidosis. In: J Pediat 84, 1974, S. 519–526. PMID 4365943