Siegfried Pitschmann

Herbert Warnke (links) verleiht den Kunstpreis des FDGB für Literatur an Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann (1961)

Siegfried Pitschmann (* 12. Januar 1930 in Grünberg in Schlesien, Provinz Niederschlesien; † 29. August 2002 in Suhl, Thüringen) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben

Siegfried Pitschmann war das zweitälteste von sechs Kindern, sein Vater Daniel Pitschmann war Tischlermeister, seine Mutter Lucie stammte aus einer alteingesessenen schlesischen Handwerker- und Lehrerfamilie. Anfang 1945 wurde die Familie mit einem der letzten Flüchtlingszüge, die unversehrt aus Grünberg herauskamen, evakuiert. Zwei Kinder lebten schon nicht mehr. Die Familie landete nach mehr als vierzehntägiger Fahrt in Mühlhausen in Thüringen. Pitschmanns Kindheit war, wie er später sagte, „für immer verloren“.

Pitschmann war gelernter Uhrmacher, bis er 1949 zu schreiben begann. Von 1957 bis 1959 war er Maschinist beim Bau des VEB Kombinat Schwarze Pumpe, seit 1959 freier Schriftsteller. Im Schriftstellererholungsheim „Friedrich Wolf“ in Petzow bei Werder (Havel) am Schwielowsee lernte er 1958 Brigitte Reimann kennen. Von Februar 1959 an bis Oktober 1964 war er ihr zweiter Ehemann. Siegfried Pitschmann lebte und wirkte 1965 bis 1989 in Rostock, später in Suhl.

„Er wird ein paar gute Bücher schreiben, wirkliche Literatur“, schrieb Brigitte Reimann über ihn. Elvis feiert Geburtstag erschien im Jahr 2000 im Aufbau Taschenbuch Verlag. Dieses Buch war nach langer Pause die erste Veröffentlichung von Pitschmann.

Brigitte Reimanns Diktum findet sich bestätigt in Pitschmanns großenteils autobiografischem Roman Erziehung eines Helden von 1959: Ein sich als gescheitert empfindender Pianist begibt sich als Betonarbeiter ins Kombinat Schwarze Pumpe und wird dort in Zwölf-Stunden-Schichten verschlissen. Pitschmann verzichtete darauf, in seinem Roman die Arbeiter des Kombinats als klassenbewusste Lichtgestalten zu schildern. Daraufhin kanzelte Erwin Strittmatter in einer Rede auf der ersten Bitterfelder Konferenz im April 1959 den jungen Kollegen ab, ohne Pitschmanns Namen zu nennen: „Die Menschen, die hier arbeiten, werden als ständig betrunken, geldgierig und ohne moralischen Halt geschildert.“ Demgemäß durfte der Roman in der DDR nicht erscheinen. Pitschmann unternahm einen Selbstmordversuch; das Manuskript blieb unvollendet. 2014 wurde es im Brigitte-Reimann-Literaturhaus in Neubrandenburg entdeckt; 2015 veröffentlicht es der Aisthesis Verlag.

1974 wurde die auf seinem Werk Fünf Versuche über Uwe basierende Verfilmung Leben mit Uwe veröffentlicht.

Veröffentlichungen

Preise

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Kristina Stella in ihrer Vorbemerkung zu: Siegfried Pitschmann: Aufzeichnungen eines Lehrlings. In: Sinn und Form 3/2016, S. 323–331
  2. ↑ Christian Eger: Aus dem Nähkästchen veröffentlicht: Die Briefe der deutschen Schriftstellerin Brigitte Reimann an ihren zweiten Ehemann und Kollegen Siegfried Pitschmann sind erschienen. In: Mitteldeutsche Zeitung, 24. Mai 2013, abgerufen am 1. Juli 2021.
  3. ↑ Brigitte Reimann: Alles schmeckt nach Abschied. Tagebücher 1964–1970, Aufbau-Verlag, Berlin 1998, S. 89.
  4. 1 2 3 Jörg Bernhard Bilke: Bitterfelder Abwege. Siegfried Pitschmanns verschollener Roman. In: Der Stacheldraht, Jg. 2015, Heft 6, S. 18.
  5. ↑ Ursendung: 3. August 1960, Radio DDR I; Abdruck in: Die Reihe, Nr. 50, Aufbau-Verlag Berlin 1960.
  6. ↑ Ursendung: 17. November 1960, Berliner, Rundfunk; Abdruck in: hörspieljahrbuch 1. Henschel-Verlag, Berlin 1960, S. 65–93.
  7. ↑ Ursendung: 16. Juni 1973, Stimme der DDR
  8. ↑ Hörspieljahrbuch 1, Henschelverlag Berlin 1961, S. 173
  9. ↑ Heinrich-Mann-Preis. Akademie der Künste
Personendaten
NAME Pitschmann, Siegfried
ALTERNATIVNAMEN Pitschmann, Daniel Siegfried (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Schriftsteller
GEBURTSDATUM 12. Januar 1930
GEBURTSORT Grünberg in Schlesien, Provinz Niederschlesien, Preußen, Deutsches Reich
STERBEDATUM 29. August 2002
STERBEORT Suhl, Thüringen, Deutschland