Siegfried Nickel

Siegfried Nickel (* 13. Juni 1913 in Straßebersbach; † 4. August 1977 in Köln) war ein deutscher nationalsozialistischer Funktionär und Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Werdegang

Nickel trat 1931 noch als Schüler der Sturmabteilung (SA) bei und wurde ein Jahr später auch Mitglied der Hitlerjugend (HJ). 1933 legte er das Abitur ab, begann im Sommersemester 1933 ein Studium der Germanistik an der Philipps-Universität Marburg und trat der Marburger Burschenschaft Rheinfranken bei. Das Studium brach er jedoch nach einiger Zeit ab. Aus der Burschenschaft schied er wieder aus.

Ab Mai 1934 war Nickel hauptamtlich für die HJ tätig, zunächst als Führer des Jungbanns 224 des Deutschen Jungvolks in Marburg. Anschließend übernahm er ab November 1935 die Führung der beiden Jungbanne I sowie II 250 in Goslar und war danach Jungvolkführer der drei Jungbanne in Hannover. Ab Januar 1937 war er Jungvolkführer der HJ in Niedersachsen im Rang eines HJ-Oberbannführers.

Zum 1. April 1936 trat Nickel der NSDAP (Mitgliedsnummer 3.709.673) und 1940 der SS bei (SS-Nummer 411.926) und gehörte zunächst der SS-Verfügungstruppe „Germania“ der Waffen-SS an. Er nahm als Angehöriger der Leibstandarte SS „Adolf Hitler“ am Balkanfeldzug und am Deutsch-Sowjetischen Krieg teil. Im November 1941 wurde er zum SS-Untersturmführer ernannt.

1942 übernahm Nickel im Rang eines HJ-Hauptbannführers die Leitung der Befehlsstelle Osten der Reichsjugendführung, die auch als Dienststelle Nickel oder als Dienststelle Hauptbannführer Nickel bezeichnet wurde. Er war parallel Chef der Hauptabteilung Jugendarbeit in den besetzten Ostgebieten im Auslands- und Volkstumsamt der Reichsjugendführung. Außerdem war er in Personalunion Leiter der Abteilung Jugend in der Hauptabteilung Politik im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete. 1943 wurde im besetzten Weißrussland nach Vorbild der HJ das Weißruthenische Jugendwerk gegründet, dessen Leitung Nickel übernahm. Ab 1944 koordinierte er die sogenannte Heuaktion, bei der Kinder und Jugendliche aus Weißrussland und später auch anderen besetzten Ostgebieten als Zwangsarbeiter in das Deutsche Reich deportiert wurden.

Nickel wurde am 26. April 1945 von sowjetischen Soldaten in Berlin verhaftet. Er befand sich von Oktober 1945 bis Juli 1949 in Kriegsgefangenschaft in Rodnitschnoje, Leningrad und Swirstroje. Danach zog er zunächst nach Hessen zurück. Sein Entnazifizierungsverfahren wurde aufgrund der Heimkehreramnestie im März 1950 eingestellt. 1952 trat er in den Dienst der Organisation Gehlen, aus der 1956 der BND hervorging. Ab 1961 war er Außenstellenleiter beim BND im Bereich der operativen Ostaufklärung der Deutschen Demokratischen Republik.

Nickel starb im August 1977 im Alter von 64 Jahren in Köln.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/30510137
Personendaten
NAME Nickel, Siegfried
KURZBESCHREIBUNG deutscher NS-Funktionär und BND-Mitarbeiter
GEBURTSDATUM 13. Juni 1913
GEBURTSORT Straßebersbach
STERBEDATUM 4. August 1977
STERBEORT Köln