
Als Siliqua (lat. siliqua „Schote“) werden kleine, dünne Silbermünzen der römischen Währung bezeichnet, die ab etwa 320 n. Chr. den Argenteus ablösten.
Der Name Siliqua ist modern; die antike Bezeichnung der Münze ist unbekannt. Die Gleichsetzung mit der siliqua auri bzw. dem Keration wurde 1860 von Theodor Mommsen vorgeschlagen, wird in der heutigen Forschung jedoch abgelehnt.
Als Gewichtseinheit entsprach die Siliqua einem Vierundzwanzigstel eines Solidus. Das Wort geht auf die siliqua graeca zurück, den Samen des Johannisbrotbaums (vgl. Karat), der im römischen Gewichtssystem einem Sechstel eines Skrupels entspricht (einem 1728stel eines römischen Pfundes, also etwa 0,19 Gramm).
Seit dem 19. Jahrhundert wird der Begriff auf verschiedene Silbermünzen angewandt, ausgehend von der Annahme, dass diese Münzen mit 1/24 des goldenen Solidus (der 1/72 eines römischen Pfundes wog) bewertet wurden und somit dem Wert einer Siliqua in Gold entsprachen. Da Gold im antiken Rom etwa das Zwölffache von Silber wert war (nach dem Höchstpreisedikt Diokletians von 301), hätte eine solche Silbermünze ein theoretisches Gewicht von 2,22 Gramm (12 × 4,45 g / 24 = 2,22 g). Heute wird der Begriff allgemeiner auf die unter Konstantin ausgegebenen Silbermünzen angewandt, die anfangs 3,4 Gramm wogen, sowie auf die spätere „schwere Siliqua“ Constantius’ II. von etwa 3 Gramm; am besten passt er jedoch auf die spätere „leichte“ oder „reduzierte Siliqua“ nach der Reform von 355, die etwa 2,2 Gramm wog. Dünne Silbermünzen mit einem Gewicht von etwa 2–3 Gramm werden bis ins 7. Jahrhundert hinein nach numismatischer Konvention als Siliquae bezeichnet.
Die meisten Exemplare weisen Prägerisse (infolge rascher Herstellung) oder starke Beschneidung (Entfernung von Silber am Rand) auf, sodass unbeschädigte und unbeschnittene Stücke selten sind.
Die Siliquae des späten 4. und frühen 5. Jahrhunderts wurden in den westlichen Münzstätten, darunter Mediolanum (Mailand), nach einem reduzierten Gewichtsstandard geprägt.
Ein häufiger Typ des Honorius, geprägt in Mediolanum in den Jahren 395–402 und als RIC X 1228 katalogisiert, trägt auf der Vorderseite die Legende D N HONORI-VS P F AVG mit der nach rechts gewandten Büste des Kaisers mit Perlendiadem, Paludamentum und Panzer, auf der Rückseite VIRTVS RO-MANORVM mit der behelmten und bekleideten Göttin Roma, die nach links auf einem Panzer sitzt und in der Rechten eine Victoria auf einem Globus, in der Linken einen umgekehrten Speer hält.
Der Typ ist im numismatischen Fundbestand außerordentlich gut belegt. Die erhaltenen Stücke liegen gewichtsmäßig deutlich unter dem theoretischen Siliqua-Standard und unter dem „reduzierten“ Standard von etwa 2,2 Gramm nach 355 – eine Folge des herabgesetzten westlichen Gewichtsstandards und der weit verbreiteten Beschneidung.
Siliquae des Honorius bilden einen erheblichen Teil der am Ende des römischen Britannien niedergelegten Silberhorte, etwa des Depotfundes von Hoxne, der 14.212 bis in seine Regierungszeit geprägte Siliquae enthielt. Der Typ RIC X 1228 ist im Projekt Coin Hoards of the Roman Empire in vier Horten verzeichnet: Kempston 1978 (England, 10 Münzen), bei Norwich (England, 4 Münzen), Mora de Rubielos (Spanien, 3 Münzen) und Allington 1869 (England, 2 Münzen). Einzelfunde des Typs sind in England zudem im Portable Antiquities Scheme dokumentiert.