Sillyon

Kartenskizze der ruinierten antiken Burgsiedlung Karahisar-i Teke (Sillyon) auf dem und um den Tafelberg des Asar Tepe bei Yanköy (Landkreis Serik, Provinz Antalya, Süd-Türkei)

Sillyon (griechisch Σίλλυον) oder Syllaion (Συλλαῖον), auch Sylleion (Σύλλειον), war eine antike Stadt in der fruchtbaren pamphylischen Ebene in der heutigen türkischen Provinz Antalya. Die Überreste thronen weithin sichtbar auf einem Tafelberg, der später – wie die umliegende Region – als Karahisar-i Teke bezeichnet wurde.

Lage

Koordinaten: 36° 59′ 33″ N, 30° 59′ 23″ O

Reliefkarte: Türkei
marker
Sillyon​

Der Tafelberg auf dem sich Sillyon befand, hat eine Höhe von 213,4 Metern (NN). Er liegt beim Ort Asar im Landkreis Serik in der Provinz Antalya. Sillyon liegt in Sichtweite zum 15 Kilometer entfernten Mittelmeer und zum 12 Kilometer entfernten Perge, 27 Kilometer östlich der Stadt Antalya. Zusammen mit Attaleia, Perge, Side und Aspendos war es eine der fünf bedeutendsten Städte Pamphyliens.

Geschichte

Hellenistisches Gebäude in Sillyon

Die Stadt wurde der Legende nach von den griechischen Sehern Mopsos und Kalchas auf dem Rückweg vom Trojanischen Krieg gleichzeitig mit Attaleia, Perge, Aspendos und Side gegründet, wie eine Statuenbasis, die den Namen von Mopsos trägt und die in der Ruine gefunden wurde, nahelegt. Ab 469 v. Chr. war die Stadt Mitglied im attisch-delischen Seebund und taucht in athenischen Tributlisten im 5. Jahrhundert v. Chr. auf. Sie wurde Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. vom Geographen Pseudo-Skylax erwähnt. Später berichtet der Geschichtsschreiber Arrian in seiner Anabasis von einer Belagerung durch Alexander im Jahr 333 v. Chr., die aus Zeitmangel und wegen der starken Besatzung der Stadt abgebrochen wurde. In seleukidischer Zeit wurde die Stadt ausgebaut. Seit der Spätantike war Sillyon Bischofssitz. Im 11. Jahrhundert wurde die Stadt von den Seldschuken erobert, im 13./14. Jahrhundert vollständig verlassen, die letzten Bewohner wanderten in das besser befestigte Attaleia ab.

Bis ins 20. Jahrhundert sind durch Erdrutsche immer wieder Teile der Stadt von dem steilen Tafelberg abgestürzt, zuletzt 1969 das Odeon und das Bühnenhaus des Theaters.

Archäologie

Ein Stadttor von Sillyon
Inschrift in pamphylischer Sprache

Von einer Toranlage mit zwei Wehrtürmen führt eine Rampe zu einem weiteren Tor auf dem Plateau. Sie wird von einer hellenistischen Mauer gestützt. Auf dem Südwestteil des Plateaus liegt der Kern der Stadt. Erhalten sind ein byzantinisches Großgebäude in voller Höhe sowie ein hellenistisches Gebäude, wohl ein Gymnasion von 6 Meter Höhe, mit zehn Fenstern in unterschiedlicher Größe, bei denen die Gewände und Falze für die Fensterläden noch in gutem Zustand sind. Ein weiteres, kleineres hellenistisches Gebäude verfügt an einem Türpfosten über eine Inschrift in pamphylischer Sprache. Weiter östlich sind auf Terrassen Reste von Wohnhäusern und Fundamente von nicht näher bestimmbaren Tempeln zu sehen. Aus seldschukischer Zeit stammt eine kleine Moschee. Im Weiler Asar am Fuß des Berges sind Reste eines Stadions erkennbar.

Erforschung

Im Rahmen der Expedition von Karl Graf Lanckoroński wurde Sillyon 1884 erstmals systematisch untersucht. 1995 bis 1997 fand in Sillyon und seiner Umgebung ein Survey unter Leitung von Michael Küpper von der Universität Marburg statt. Seit 2009 forschen Archäologen von der Universität Denizli in Sillyon, seit 2020 finden dort Ausgrabungen unter Leitung von Murat Taşkıran statt.

Orte der Umgebung

Akropolis von Sillyon
Tekkeköy Yanköy Zırlankaya
Abdurrahmanlar Berendi
Eskiyürük Kayaburnu Çanakçı

Literatur

Commons: Sillyon – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Zu dieser Tradition s. Ekkehard Blumenthal: Die altgriechische Siedlungskolonisation im Mittelmeerraum unter besonderer Berücksichtigung der Südküste Kleinasiens (= Tübinger Geographische Studien. Band 10). Tübingen 1963, S. 52–59.
  2. ↑ SEG XVII, 637.
  3. ↑ Pseudo-Skylax 101; Pernille Flensted-Jensen, Mogens Herman Hansen: Pseudo-Skylax’ use of the term “polis”. In: Mogens Herman Hansen, Kurt A. Raaflaub (Hrsg.): More studies in the ancient Greek “polis”. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-515-06969-0, S. 164 (Auszug bei Google Books).
  4. ↑ E. S. Roberts: An introduction to Greek epigraphy. Teil 1. Cambridge University Press, Cambridge 1887, S. 316–317 (bei Google Books).
  5. ↑ Michael Küpper: Sillyon. Vorbericht über die Arbeiten 1995. In: Archäologischer Anzeiger 1996/2, S. 259–268; Michael Küpper: Sillyon, Bericht über die Arbeiten 1996. Sillyon 1997. In: Araştırma Sonuçları Toplantıları 16, 2, 1998 [1999], S. 475–496 (Digitalisat).