Simone Moro

Simone Moro, 2011

Simone Moro (* 27. Oktober 1967 in Bergamo) ist ein italienischer Extrembergsteiger und staatlich geprüfter Bergführer.

Er wohnte lange Zeit in Ponteranica, einer Gemeinde in der Provinz Bergamo. Seit seiner Heirat mit Barbara Zwerger pendelt er zwischen Bergamo und Bozen (Südtirol). Seine Ziele liegen vorwiegend in der Besteigung noch unberührter Berge und von 8000ern ohne zusätzlichen Sauerstoff auf schwierigen Routen oder deren erste Winterbesteigungen. Simone Moro hat vier Achttausender erstmals im Winter bestiegen: Shishapangma (2005), Makalu (2009), Gasherbrum II (2011) und Nanga Parbat (2016). Damit es sich dabei um komplette Wintererstbesteigungen handelt, startete Moro seine Expeditionen nach dem kalendarischen Winterbeginn am 21. Dezember. Er ist deshalb mit den Wintererstbesteigungen erfolgreicher gewesen als die Polen Jerzy Kukuczka und Krzysztof Wielicki, die jeweils drei 8000er erstmals während der kältesten Jahreszeit bestiegen haben. Alle 14 Achttausender erfolgreich bestiegen zu haben, interessiert ihn weniger. Trotz mehrerer Versuche gelang es Moro bisher noch nicht, den Gipfel des Mount Everest ohne Verwendung zusätzlichen künstlichen Sauerstoffs zu erreichen. Simone Moro arbeitet bei seinen Expeditionen eng mit dem Meteorologen Karl Gabl zusammen.

Alpinistischer Lebenslauf

Simone Moro wuchs in einer gutbürgerlichen Familie in der Stadtgemeinde Valtesse auf und wurde von seinem kletternden und Mountainbike-begeisterten Vater bereits früh in seiner Leidenschaft für die Berge intensiv unterstützt. Seine ersten Kletterversuche wurden an der Presanella und anderen Bergen der Bergamasker Alpen bereits mit 13 Jahren gemacht. Danach folgten Unterweisungen im Felsklettern durch Alberto Cosonni und Bruno Tassi in den Alpen von Grigne und den Dolomiten.

Von 1985 bis 1992 war er Athlet der Nationalmannschaft FASI und kletterte im Schwierigkeitsbereich 8a und 8b+. Danach wurde er Trainer der italienischen Sportkletterer-Nationalmannschaft. Klettern ist immer noch sein Basistraining. 2003 schloss er sein alpinistisch ausgerichtetes Sportstudium (Dissertation zum „Alpinismus in extremen Höhen“) mit höchster Punktezahl an der Universität von Bergamo ab.

2001 beging Simone Moro die Traverse zwischen Mount Everest und Lhotse. Dabei traf er auf den britischen Bergsteiger Tom Moore, der bei seiner Besteigung des Lhotse in Bergnot geraten war. Zugunsten dessen Rettung verzichtete Moro auf einen Fortstieg. Dafür bekam er den Preis „of the Fair Play Pierre de Coubertin“ von der UNESCO verliehen, 2002 die Verdienstmedaille in Gold (Medaglia d'oro al valor civile) vom italienischen Präsidenten Carlo Azeglio Ciampi und von der Region Lombardei, sowie den David A. Sowles Memorial Award vom American Alpine Club.

2009 wurde Simone Moro – mit der dritten Vergabe des alpinistischen Preises „Marco e Sergio Dalla Longa“ – für die Erstbesteigung des Südgipfels des Beka Brakai Chhok geehrt, die er zusammen mit Hervé Barmasse unternommen hatte. Eine Online-Abstimmung führte zum Erhalt des „Eiger Award“. Zusammen mit Denis Urubko hatte er zuvor die erste Winterbesteigung des Makalu vorgenommen. Mit Urubko verbindet ihn eine enge Freundschaft.

Im Februar 2012 wurde die Verleihung des alpinistischen Preises „Golden Piton“ der US-amerikanischen Zeitschrift „Climbing“ für die erste Winterbesteigung des Gasherbrum II, zusammen mit Denis Urubko und Cory Richards 2011, bekannt gegeben.

Aeronautik

Neben dem Bergsteigen beschäftigt sich Simone Moro auch mit Fallschirmspringen, das er aber im Vergleich weit ungefährlicher einschätzt. Er absolviert auch Wingsuit Jumps. Frühjahr und Sommer 2009 erwarb Moro in Kalifornien den privaten und kommerziellen Helikopter-Pilotenschein der Federal Aviation Administration (FAA). Geplant ist die Errichtung eines eigenen Helikopterunternehmens im Himalaya.

Moro legte 2010 vor der nepalesischen Luftfahrtbehörde eine ergänzende Helikopter-Prüfung ab und begann für die Helikopter-Firma Fish Tail Air zu arbeiten. Diese bietet im Himalaya Rundflüge und Transporte an, wird zunehmend aber auch für Rettungseinsätze bis an die Dienstgipfelhöhe eingesetzt. Fish-Tail-Air arbeitet in einem Joint-Venture mit der Schweizer Firma Air Zermatt zusammen. Es werden neue Rettungssysteme erarbeitet und unter höchsten Schwierigkeiten erprobt und eingesetzt. Am „IMS Brixen 2010“ wurde in einem Vortrag von Gerold Biner (Air Zermatt) über die Erfahrungen berichtet. Als Helikoptertyp fungiert ein Eurocopter AS350 B3 plus. 2013 erwarb Simone Moro einen eigenen Helikopter (Eurocopter AS 350 B3) und ließ ihn nach Nepal transportieren, um dort ein eigenes Team mit Piloten und Technikern aufzubauen. Noch im selben Jahr kam es zu einem Absturz seines Helikopters, bei dem dieser total zerstört wurde und in dessen Folge ein Mensch später im Krankenhaus verstarb.

Am 12. November 2015 stellte Moro mit seinem Helikopter Alpi SYTON AH 130 (Kennzeichnung I-7896) einen neuen Höhenweltrekord für zweisitzige Helikopter bis 500 kg Abfluggewicht auf. Der turbinenbetriebene zweisitzige Kleinhelikopter (Kategorie E1-a, <500 kg) hat eine Dienstgipfelhöhe von 5.000 m (16.404 ft). Moro startete vom Flughafen Bozen und erreichte eine maximale Höhe von 6.705 m. Der bisherige Rekord lag bei 4.879 m Höhe und wurde 1953 von Jean Dabos mit einem turbinenbetriebenen Sud-Ouest SO 1221 aufgestellt. Für den Versuch wurde der Luftraum über Bozen in einem Radius von 1.000 ft. und bis in eine Höhe von 27.000 ft. gesperrt. Nach 27 Minuten erreichte Moro seine Rekordhöhe bei einer Außentemperatur von −50 °C. Bei diesem Flug verwendete Moro zusätzlichen Sauerstoff, auch weil er eine Höhe von 8.000 m (26.247 ft.) anpeilte; der ausgehende Sauerstoff zwang ihn zum vorzeitigen Abbruch. 2005 hat der Franzose Olivier Gensse mit einer Kolbenmotor-angetriebenen Guimbal Cabri G2 eine maximale Höhe von über 6.600 m erreicht. Simone Moros Höhenweltrekord bezieht sich auf den erwähnten Hubschraubertyp und stellt keinen generellen Höhenweltrekord für Helikopter dar. Durch einen Flug auf den Gipfel des Mount Everest (8848 m) mit einem Eurocopter AS 350 B3 stellte der französische Pilot Didier Delsalle 2005 den Rekord für die höchste Landung auf. Den Rekord für die größte bisher mit einem Hubschrauber erreichte Höhe hält Frédéric North mit 12.954 m, erreicht mit einem Eurocopter AS 350 am 25. März 2002.

Expeditionen

Literatur

Commons: Simone Moro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Stephanie Geiger: Extrembergsteiger-Paare. Abenteuer ohne Applaus, in: Panorama 6/2015
  2. ↑ Stephanie Geiger: Wintererstbegehung des Nanga Parbat. «Es hat einfach alles gepasst», in: Neue Zürcher Zeitung vom 4. März 2016; abgerufen am 5. März 2016
  3. ↑ Interview, L’Eco di Bergamo, 23. Januar 2003
  4. ↑ Interview, Simone Moro dalle falesie agli 8000, PlanetMountain
  5. ↑ Biografie (Memento vom 27. Februar 2015 im Internet Archive; PDF) (italienisch).
  6. ↑ Huw Lewis-Jones: Abenteurer der Berge – 100 Porträts. 1. Auflage. Frederking & Thaler, München 2011, ISBN 978-3-89405-926-2, S. 189 (englisch: Face to Face: Mountain Portraits. Übersetzt von Heinz Tophinke).
  7. ↑ Part-2: Exweb Interview with Simone Moro, “My wife said, please don’t go to K2” (Memento vom 10. Oktober 2018 im Internet Archive) (englisch).
  8. ↑ Simone Moro ha battuto il record del mondo di altitudine in elicottero. In: helipress.it. Abgerufen am 3. Oktober 2016 (italienisch).
  9. ↑ Hubschrauber-Höhenrekord „Wird es bald einen Lift zum Everest geben?“ In: spiegel.de. Abgerufen am 2. November 2016.
  10. ↑ Maschinenpark – technische Daten – Lama SA 315 B. In: air-zermatt.ch. Abgerufen am 6. November 2016.
  11. ↑ Eberhard Jurgalski: Beitrag zu den Höhen der Beka Brakai Chhok-Gipfel auf 8000ers.com
  12. ↑ 10. Februar 2009: Erste Winterbesteigung des Makalu bergsteigen.com
  13. ↑ Extremkletterer schaffen erste Winterbesteigung im Karakorum. In: Spiegel Online. 3. Februar 2011, abgerufen am 4. Februar 2011.
  14. ↑ Stephanie Geiger: Unter der Lawine am Gasherbrum II, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Mai 2011, abgerufen am 22. Februar 2014.
  15. ↑ Stephanie Geiger: Hass am Berg. Am Mount Everest eskaliert der Streit zwischen Sherpas und Bergsteigern. Das Geschäft mit dem Berg entzweit, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2. Mai 2013
  16. ↑ Stephanie Geiger: Der Nanga Parbat bleibt im Winter weiter unbestiegen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 3. März 2014, abgerufen am 6. März 2014.
  17. ↑ Stephanie Geiger: Ende der Wintersaison, Neue Zürcher Zeitung, 20. März 2015
  18. ↑ Stephanie Geiger: Erstmals Alpinisten im Winter auf dem Nanga Parbat, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Februar 2016
  19. ↑ Stephanie Geiger: "Die größte Gefahr war der Schneefall", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Februar 2019
  20. ↑ Stephanie Geiger: Simone Moro stürzt in eine Gletscherspalte, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Februar 2020