Singerie

Friseursalon mit Affen und Katzen von Abraham Teniers

Singerie ist das französische Wort für „Affentrick“. Es ist eine Gattung der Malerei in der Affen dargestellt werden, die menschliches Verhalten nachahmen. Die Affen sind oft modisch gekleidet und als unterhaltsame Ablenkung gedacht, die oft einen leicht satirischen Einschlag hat. Singeries sind eine alte Idee. Cyril Alfred entdeckte, dass sie charakteristisch sind für die späte Achtzehnte Dynastie in Ägypten.

Hintergrund

Detail der Allegorie der Musik der Grande Singerie im Château de Chantilly

Die komischen Szenen mit Affen in menschlicher Kleidung und Umgebung entstanden in der flämischen in der Druckgrafik des 16. Jahrhunderts, die in der Malerei ab dem 17. Jahrhundert weiterentwickelt wurde. Der flämische Grafiker Pieter van der Borcht führte die Gattung ab 1562 in einer Reihe von Drucken ein, die teils stark in der Tradition von Pieter Bruegel dem Älteren stehen. Hauptvorläufer der Singerien sind frühere Abbildungen eines Schlafenden, von mehreren Affen beraubten Mannes, der oft als Händler dargestellt wird und 1340 erstmals auftaucht.

Das Thema wurde dann ab 1605–1610 durch flämische Maler Gemälde-würdig, zuerst durch Frans Francken dem Jüngeren, dann durch Jan Brueghel dem Älteren und Jan Brueghel dem Jüngeren, Sebastian Vrancx und Jan van Kessel dem Älteren vor allem in Antwerpen aufgegriffen. David Teniers der Jüngere wurde der Hauptvertreter dieses Themas und entwickelte es zusammen mit seinem jüngeren Bruder Abraham Teniers weiter. Die beiden Brüder verstanden es, für den herrschenden Kunstgeschmack zu arbeiten und sorgten so für die Verbreitung des Genres über Flandern hinaus. Im 17. Jahrhundert begann der hauptsächlich als Maler von Stillleben mit Blumen bekannte Nicolaes van Verendael Affenszenen zu malen. Beliebt wurden Singeries dann bei französischen Künstlern des frühen 18. Jahrhunderts. Besonders verbreitet ist das Motiv in der Malerei des französischen Rokokos. Das Thema wurde sowohl von dem französischen Dekorateur Jean Bérain dem Älteren, der eine große Zahl bekleideter Affen in seine Wanddekorationen aufnahm, wie dem Ebenisten André-Charles Boulle aufgenommen. Im 19. Jahrhundert beschäftigten sich die Brüder Emanuel und Zacharie Noterman mit Singeries. Vor allem Gabriel von Max geht in seinen rund 90 bekannten Affenbildern vom späten 19. Jahrhundert bis zu seinem Tod im Jahr 1915 über die Tradition der Singerie hinaus und kehrt diese Tradition teilweise um, ohne jedoch den Bezug zu ihr zu verlieren: Anstatt den Affen lediglich als komisches, negatives Beispiel für gedankenlose Nachahmung des Menschen zu betrachten, verbindet er zeitgenössische wissenschaftliche Erkenntnisse mit seinen eigenen Forschungen, um den Affen bisweilen sogar als einen besseren Menschen darzustellen. Max’ Affen lassen sich heute biologisch eindeutig zuordnen. Sein ausgeprägterer Naturalismus, seine markantere Porträtmalerei und seine zunehmende Psychologisierung haben die Tradition der Singerie erneuert.

Ein ganzes Affenorchester wurde aus Meißner Porzellan gefertigt. Jean-Baptiste Huets La Grande Singerie und La Petite Singerie im Château de Chantilly sind in Frankreich sehr bekannt. In England ist der französische Maler Andieu de Clermont für seine Singeries bekannt; das bekannteste seiner Gemälde ist der „Monkey Room“ (dt. „Affenraum“) im Monkey Island Hotel, das Charles Spencer, 3. Duke of Marlborough auf der Monkey Island bei Bray in England errichten ließ. Noch Banksys großformatiges Gemälde Banksy, Devolved Parliament [Question Time, Monkey Parliament] 2009 steht in dieser Tradition, die nach dem 19. Jahrhundert vor allem auf Postkarten und in Kitsch-Abbildungen weiterlebte.

Einzelnachweise

  1. ↑ Cyril Alfred: New Kingdom Art in Ancient Egypt. Bild 64.
  2. ↑ Ulrich Blanché: Images feat. Apes post 1859. Arthistoricum, Heidelberg 2026, ISBN 978-3-98501-397-5, S. 27–39.
  3. ↑ Bert Schepers: Monkey Madness in Seventeenth-Century Antwerp. In: The Rubenianum Quarterly. 2/2012, S. 5.
  4. ↑ R. H. Randall Jr.: Templates for Boulle Singerie. In: The Burlington Magazine. 111 Nr. 798 (September 1969), S. 549–553, JSTOR:876112
  5. ↑ Ulrich Blanché: Images feat. Apes post 1859. Arthistoricum, Heidelberg 2026, ISBN 978-3-98501-397-5, S. 32–39.