
Das Wort Sinople (auch Sinopel, Sinoper, Sinopia, Sinopis, Synople) steht vor allem für eine heraldische Farbe. Es leitet sich aus dem Mittelfranzösischen Sinopel oder Sinopre ab, aus dem Lateinischen Sinōpis und aus dem Altgriechischen von Sinopis, Σινωπίς. Der Ursprung des Wortes ist unklar, weil das Sinople zunächst die Farbe Rot bezeichnet und später Grün. Phasenweise bezeichnet man Grün und Rot parallel gleichzeitig mit Sinople. Während im Französischen oder Spanischen der Begriff geläufiger ist, ist er im Deutschen eher unbekannt. Sinople kann als Substantiv (das Sinople) und als Adjektiv (sinople) fungieren.

Der genaue Grund für die Doppelbedeutung bzw. Bedeutungsänderung, für die Anomalie von Sinople von Rot nach Grün, ist bis heute nicht geklärt.
Sinope ist eine antike, ursprünglich griechische Stadt am Schwarzen Meer auf einer Halbinsel im Norden von Kleinasien. Heute heißt die Stadt Sinop und liegt in der Türkei. Bereits in der Antike wird in der Umgebung von Sinope ein ziegelroter, eisenhaltiger Ton, das Sinople, abgebaut und als rote Farbe verwendet. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere erwähnt in seiner Enzyklopädie Naturalis historia die rote Farbe Sinopis, die man am Pontus (Pontus euxinus = Schwarzes Meer) benutzt und bemerkt, dass der Name sich von der Stadt Sinope ableitet.
Zu Beginn der Heraldik, zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert, ist Grün auf Schilden die am wenigsten verwendete Farbe. Der französische Historiker Michel Pastoureau (geb. 1947) stellt fest, dass sie in weniger als 5 % der europäischen Waffenkammern vorkommt. Eine mögliche Erklärung ist, dass diese Farbe bis zum 13. Jahrhundert eine negative Konnotation besitzt. Grün steht für den Teufel und seine Kreaturen, für die Sünde, für den Islam oder für Instabilität. Außerdem ist Grün bis zum Ende des 14. Jahrhunderts schwer herzustellen und hebt sich schlecht bei Kämpfen oder Turnieren von dem Grün des Grases ab. Mitte des 14. Jahrhunderts erlebt Westeuropa jedoch eine Aufwertung der Farbe Grün, ohne dass wir wissen warum. Bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts ist Grün im heraldischen Kanon weit verbreitet. Während in der Heraldik Sinople seit Anfang des 13. Jahrhunderts meist ein Grün bezeichnet, steht es in Dichtungen noch bis ins 15. Jahrhundert für Rot.
Die Malerinnen und Maler von der Antike, über das Mittelalter bis zur Renaissance beziehen aus Sinope eine besondere rötliche Kreide, das Sinopia. Sie fertigen damit Skizzen und Vorzeichnungen an. Dabei handelt es sich vor allem um eine auf dem Rauputz ausgeführte, provisorische Vorzeichnung für Mosaike und Wandmalereien, die sogenannte Sinopie. In der Renaissance wird das rote Erdpigment auch in der Ölmalerei verwendet. Die Kreide wird neben Sinopia auch als Sinople oder Sinopit bezeichnet und die damit hergestellte Vorzeichnung neben Sinopie auch als Sinople oder Sinopia.