Qliphoth (hebr. sg. קליפה qliphah ‚Schale‘, ‚Hülle‘, pl. קליפות qliphoth), auch Qelippot oder Klippot, sind metaphorische verhüllende Schalen um „Funken göttlicher Lichtemanation“. Sie sind synonym mit unreinen geistigen Kräften, Quellen von spiritueller, religiöser Unreinheit, indem Gott eine dualistische Wesenheit und Sitra Achra (hebräisch סטרא אחרא andere Seite), die zur göttlichen Heiligkeit im Gegensatz stehende andere Seite, zugeschrieben wird. Qliphoth sind synonym mit Götzendienst (Idolatrie) und unreinen geistigen Kräften, Quellen von spiritueller, religiöser Unreinheit, indem Gott falsche dualistische, trinitarische oder mehrfache Wesenheit zugeschrieben wird. Nach jüdischer Lehre ist der christliche Glaube an einen dreieinigen Gott Götzendienst (Avoda sara).
Eine mystische Richtung innerhalb der spanischen Kabbala, die auch im pseudepigraphischen Sohar ihren Niederschlag fand, entwickelte Vorstellungen von einer unreinen Gegenwelt, die der Sphäre der Heiligkeit gegenübersteht. Diese mit der „anderen Seite“ (hebräisch סטרא אחרא 'sitra achra) verbundene Gegenwelt wird in der kabbalistischen Tradition mit unreinen Kräften und den Qlīpōt (Schalen) in Verbindung gebracht.
Nach einer Auslegung der Schöpfungsgeschichte im Sohar erschuf Gott vor der gegenwärtigen Welt andere Welten, die wegen ihrer Unvollkommenheit keinen dauerhaften Bestand hatten. Mit diesem Motiv sind die Könige von Edom verbunden, die in der kabbalistischen Deutung für eine noch nicht ausgeglichene Ordnung der göttlichen Kräfte stehen. Das Bild der Schalen beziehungsweise Hüllen gehört bereits zum kabbalistischen Vorstellungshorizont des Sohar. In der späteren lurianischen Kabbala wurde es systematisch weiterentwickelt und mit der Lehre von den unreinen Kräften verbunden.
Die lurianische Kabbala deutet die Qlīpōt insbesondere im Zusammenhang mit dem Bruch der Gefäße (Schwirat ha-Kelim). Die Gefäße, die das unendliche göttliche Licht von En Sof aufnehmen sollten, zerbrachen, sodass Scherben und Lichtfunken in die Bereiche der Qlīpōt gelangten. Die Schalen blieben in der Schöpfung erhalten und verhüllen die göttliche Heiligkeit, während die in ihnen eingeschlossenen Funken zugleich eine Voraussetzung für die Wiederherstellung der kosmischen Ordnung (Tikkun) bilden. Die Qlīpōt stehen damit in der lurianischen Kabbala nicht nur für spirituelle Hindernisse und Unreinheit, sondern auch für die Folgen einer kosmischen Krise, deren Überwindung Teil des Erlösungsprozesses ist.
Strömungen des Okkultismus und des Pfades zur linken Hand haben eigene Konzepte der Qliphoth (alternativ: Qlippoth, Kelippot, Kliffot) entwickelt. Die Qliphoth werden entweder als teuflischen Dämonen oder diese beheimatende Regionen identifiziert. Aleister Crowley spricht von ihnen als drei Verkörperungen der Formen des Bösen (vor Samael): Qemetial, Belial und Othiel (siehe Liber 777). Israel Regardie stellt sogar einen eigenen Baum von zehn Qlīpōt auf, die den Sephiroth gegenüberstehen:
obere Qlīpōt:
mittlere Qlīpōt:
untere Qlīpōt:
unterste Qlīpā:
Die ursprüngliche Kabbala kennt nur vier Qliphoth (Bill Heidrick und Éliphas Lévi: La clef des grands mystères).
Auch im kaschmirischen Shivaismus, dessen philosophische Tradition sich insbesondere seit dem 9. Jahrhundert n. Chr. entwickelte, findet sich ein kosmologisches Modell, das sich vergleichend der kabbalistischen Vorstellung von der Entfaltung des göttlichen Lichts gegenüberstellen lässt. Das höchste Bewusstsein Śivas wird als Prakāśa (Licht des Bewusstseins; vergleichbar mit dem göttlichen Licht, Or Ein Sof, in der Kabbala) verstanden, dessen dynamische Selbstwahrnehmung als Vimarśa bezeichnet wird. In der Entfaltung der 36 Tattvas manifestiert sich dieses Bewusstsein in den fünf reinen Prinzipien (śuddha-tattvas; vergleichbar mit der Sphäre der reinen göttlichen Emanation in der Kabbala), zu denen auch Īśvara und Śuddhavidyā gehören. Mit Māyā tritt das Prinzip der Differenzierung und Begrenzung hervor (vergleichbar mit der Entstehung einer differenzierten Wirklichkeit im kabbalistischen Schöpfungsmodell). Zusammen mit den fünf Kañcukas, den einschränkenden Kräften (metaphorisch vergleichbar mit verhüllenden Schalen, den Qlīpōt, jedoch nicht mit diesen gleichzusetzen), bildet Māyā den Bereich der reinen und unreinen Prinzipien (śuddhāśuddha-tattvas), in dem die unbegrenzten Kräfte des Bewusstseins eingeschränkt erscheinen und sich die Erfahrung des individuellen Subjekts (puruṣa) herausbildet. Die Kañcukas lassen sich insofern metaphorisch als Hüllen verstehen, die das unbegrenzte Bewusstsein in seiner individuellen Erscheinungsform begrenzen. Anders als die lurianischen Qlīpōt sind sie jedoch keine Folgen eines kosmischen Gefäßbruchs und schließen keine göttlichen Lichtfunken ein.