Die Établissements Billard waren ein französischer Hersteller von Eisenbahnfahrzeugen, der unter diesem oder ähnlichen Namen von 1920 bis 1965 in Tours existierte. Seit 1968 trägt das Unternehmen die Firmenbezeichnung Socofer.
Geschichte
Aktie über 100 Francs der Anciens Etablissements Billard & Cie vom 4. Juli 1928Triebwagen A 150 D Nr. 214 (motorlose Seite) beim CFVNormalspurige Rangierlokomotive von Billard der Baureihe Y 7100 in Strasbourg
Zahlreiche Billard-Fahrzeuge sind erhalten und werden teilweise auf Museumsbahnen eingesetzt. Bei den Chemins de fer de Provence und den Chemins de fer de la Corse sind umgebaute beziehungsweise modernisierte Billard-Fahrzeuge nach wie vor im regulären Betrieb.
Unter dem Namen Socofer ist das Unternehmen nach wie vor im Bahnbereich tätig. Seit 2013 besteht für die Unterhaltung von Lokomotiven eine Partnerschaft mit dem deutschen Unternehmen Vossloh.
Fahrzeuge (Auswahl)
Billard-Schienenbus A 80 D Nr. 313 (motorlose Seite) der Museumsbahn Voies ferrées du Velay (VFV) in Tence, 2011Neu karossierter Billard-Steuerwagen XR 113 (Umbau aus Triebwagen A150 D Nr. 113) vor einem Renault X 206 in Aregno (Korsika), 2005Gelenktriebwagen A150D2 der CFD im Vivarais, typische Billard-Front der Motorseite mit Kühlergrill, 1939Triebwagen der Baureihe A150 D7 mit Beiwagen der Baureihe R 150 D im Bahnhof Valladolid der Compañía de Ferrocarriles Secundarios de Castilla (FSC), 1968
Triebwagen
Charakteristisch für die meisten Billard-Triebwagen ist der tiefliegende Wagenboden. Der Motor liegt quer zur Fahrzeugachse an einem Wagenende, auf dieser Seite ist der Führerstand auf einem Podest leicht erhöht.
Legende: A = Autorail / Schienenbus, Zahl = ungefähre Leistung in PS, D = Dieselantrieb, C = Crémaillère / Zahnstange, R = Écartement réduit / Schmalspur unter 1000mm, ggf. letzte Ziffer = abweichende Bauart
A 75 D (Normalspur), als X 901 bis X 905 (Baureihe CFD X 900) von 1946 bis für die CFD gebaut, die folgenden Wagen X906 bis X916 baute die CFD selbst. Die Achsformel ist A1, die dieselmechanischen Fahrzeuge sind 11,27m lang, 2,65m breit, 8,5t schwer und 75km/h schnell. Sie weisen 23 Sitz- und 25 Stehplätze auf. Nr.901 und903 sind beim Chemin de fer touristique de la Sarthe in Beillé, Nr.902 ist mit Beiwagen bei den Trains à Vapeur de Touraine in Richelieu erhalten.
Der Dieselmotor war vom Typ Panhard 4HL. Die zweiachsigen A 75 D konnten trotz fehlender Puffer im Verband von bis zu drei Triebwagen und einem aus einem Triebwagen umgebauten Beiwagen verkehren. Die ab den 1950er Jahren sämtlich in Autun stationierten Fahrzeuge verfügten weder über Zwischenwände noch eine Toilette.
Die SNCF-Baureihe X 5600 (Normalspur) entstand unter Mitwirkung der Ètablissements Billard, die an Entwicklung und Bau beteiligt waren. Die ab 1948 in 62 Exemplaren (X5601 bis X5662) ausgelieferte Baureihe war bis 1966 im Einsatz. Sie besaß nur einen, erhöhten seitlichen Führerstand an einem Fahrzeugende, bis zu drei Einheiten konnten gekuppelt werden. Die 59 kW starken Dieseltriebwagen waren 12,34m lang, 10,6t schwer und 60km/h schnell. Sie verfügten über 43 Sitz- und 40 Stehplätze. Vier Fahrzeuge sind erhalten.
A 150 D (Meterspur): Die Wagen 111 bis 116 liefen auf Korsika, die Wagen 212 bis 214 sind bei den Voies ferrées du Velay und dem Chemin de Fer du Vivarais erhalten.
A 150 D2 Articulé (Meterspur): Gelenktriebwagen mit der Achsfolge Bo'2'Bo', Betriebsnummern 221 bis 224. Der Wagen Nr.222 aus dem Jahr 1939 befindet sich denkmalgeschützt bei den Voies ferrées du Velay.
A 150 D6 (Meterspur): Die Wagen 523 und 525 (vormals Chemins de fer départementaux du Tarn) sowie 526 (vormals Réseau Breton) liefen zuletzt auf Korsika, die Wagen 212 bis 214 sind bei den Voies ferrées du Velay und dem Chemin de Fer du Vivarais erhalten.
A 150 D7 (Kap- und Meterspur): von Lizenznehmern wurden in den Jahren 1957 und 1964 insgesamt 30 Trieb- und 16 Beiwagen im Auftrag des spanischen Staates gefertigt
A 210 D (Meterspur): Länge 17 Meter, 210 PS. Die Wagen 101 bis 106 waren bei den Chemins de fer de la Corse bis 1960 im Einsatz. Der 1935 gelieferte Prototyp Nr.101 wich optisch von den 1936 und 1937 gelieferten Serienfahrzeugen ab. Zwei Triebwagen wurden zu Beiwagen umgebaut.
A 250 D (Meterspur): Im Dezember 1938 wurde ein Triebwagen dieses Typs auf der Strecke des Chemin de fer du Blanc-Argent (B.A.) getestet. Das für die Abidjan-Niger-Bahn gebaute Fahrzeug erreichte dort Geschwindigkeiten von bis zu 93km/h.
Y 7100 (Normalspur): 210 zweiachsige Rangierlokomotiven dieser Baureihe wurden zwischen 1958 und 1962 in Dienst gestellt. Neben Billard waren vier weitere Hersteller am Bau beteiligt. Die Maschinen sind 8,94m lang, wiegen 32t und haben eine Leistung von 129 kW.
Die Schmalspurlokomotiven haben, wenn nicht anders angegeben, eine Spurweite von 600mm. Sie wurden u.a. für die Versorgung der Maginot-Linie und während der deutschen Besetzung Frankreichs von der Organisation Todt verwendet.
Legende: T = Locotracteur / Klein- oder Rangierlokomotive, Zahl = ungefähre Leistung in PS, D = Diesel, P = Pétrole / Öl, G = Gaz / Gas, ggf. letzte Ziffer = Zahl der Achsen
T 50 D: Insbesondere für den Rübentransport gebaut.