Sol Liptzin

Solomon Liptzin (geb. 27. Juli 1901 in Satanow, Russisches Kaiserreich (heute Ukraine); gest. 15. November 1995 in Jerusalem) war Forscher und Autor zu jiddischer und deutscher Literatur. Er gilt als einer der wesentlichen Förderer der jiddischen Sprache und Literatur als wissenschaftliche Forschungsgebiete.

Leben

Sol Liptzin wurde am 27. Juli 1901 in Satanow geboren, als Sohn von Benjamin und Fannie Liptzin. Mit neun Jahren kam er 1910 in die USA, nach New York und erhielt 1912 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er studierte später Englische Literatur am City College New York und erlangte seinen M.A. an der Columbia University, wo er auch promovierte (1924), über Shelley in Germany. Für seine Dissertation war er zwischen 1922 und 1924 mehrfach in Deutschland gewesen. Ab 1923 lehrte er am City College. Dort war er ab 1933 Assist. Prof., ab 1939 Assoc. Prof. und ab 1943 (oder 1948) ordentl. Germanistik-Professor. Von 1943 an bis 1958 war Liptzin auch Chairman des department of German and Slavic languages, bis zu seinem Ruhestand – als Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft – 1962/1963. Seit 1962/ 1963 lebte er in Jerusalem, wo er Gastprofessor an der Tel Aviv University (Fulbright Lecturer, 1962–63) und am Haifa Technion (1962–66) war. Bereits 1929 bis 1940 übte er diese Tätigkeit an der Yeshiva University aus. Von 1968 bis 1974 lehrte er als Professor am American College in Jerusalem.

Sol Liptzin war mit Anna Ohrenstein Liptzin verheiratet, mit der er zwei Töchter hatte. Er starb im Alter von 94 Jahren in Jerusalem.

Wirkung

Er forschte ausgiebig zur Literatur des Jung-Wien und zur Jüdischen Identität in der Österreichischen und Deutschen Literatur. In seiner späten Schaffensphase schrieb Liptzin verstärkt über biblische Themen in der Literatur. Daneben war er langjähriger Kenner des Werks Arnold Zweigs, mit dem er mehrmals brieflich korrespondierte und diesen zwei Mal persönlich traf.

Weitere Bekanntschaften macht er 1929 und 1930 mit Richard Beer-Hofmann, Uriel Birnbaum, Arthur Schnitzler, Ernst Waldinger und Stefan Zweig. Bis 1936 hielt er sich dann regelmäßig in Wien auf. Er war Mitbegründer der Bar-Ilan-Universität, der geisteswissenschaftlichen Abteilung des American College sowie des geisteswissenschaftlichen Programms des Technion in Haifa. Darüber hinaus wirkte Liptzin als editor der Jewish Book Annual (von 1953 bis 1956) und der Encyclopaedia Judaica.

Weiterhin arbeitete er für das YIVO, so als Academic Secretary, war National Chairman der Jewish State Zionists of America und Präsident der College Yiddish Association.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Liptzin veröffentlichte 20 Bücher sowie rund 130/200 Aufsätze, dazu eine hohe Zahl an Rezensionen.

Literatur

Auszeichnungen und Ehrungen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Liptzin, Solomon. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 978-3-11-090805-3, S. 1100–1101.
  2. 1 2 3 4 Stuart Dow: YIDDISHIST USES BOOKS TO BRIDGE GENERATIONS. In: Jerusalem Post. 07.04.1989.
  3. 1 2 Heidrun Loeper: Briefwechsel Arnold Zweig — Sol Liptzin. In: Zeitschrift für Germanistik.1, Nr. 3 1991, S. 652–662, hier S. 652.
  4. 1 2 3 4 5 Liptzin, Sol. In: Jewish Virtual Library. Abgerufen am 17. Dezember 2022.
  5. ↑ Liptzin, Solomon. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 978-3-11-090805-3, S. 1100–1101. – geht ab 1948 von einer Professur für Komparatistik aus, nachdem von 1939 bis 1948 Assoc. Prof.
  6. 1 2 3 4 Wolfgang Saxon: Solomon Liptzin, 94, Educator And Advocate of Yiddish Study. 18.09.1995, S. 12.
  7. 1 2 3 4 Liptzin, Solomon. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 978-3-11-090805-3, S. 1100–1101.
  8. 1 2 3 Shimon Bakon: Editorial. Honoring Sol Liptzin. The Jewish Bible Quarterly. 19, Nr. 4 1991. S. 223–225, hier S. 223.
  9. ↑ Mark H. Gelber: Sol Liptzin at Ninety: Interview in Jerusalem. In: Modern Austrian literature.25, Nr. 1 1992, S. 7–14, hier S. 7,9,13.
  10. ↑ Heidrun Loeper: Briefwechsel Arnold Zweig — Sol Liptzin. In: Zeitschrift für Germanistik.1, Nr. 3 1991, S. 652–662, hier S. 652, 653.
  11. ↑ Heidrun Loeper: Briefwechsel Arnold Zweig — Sol Liptzin. In: Zeitschrift für Germanistik.1, Nr. 3 1991, S. 652–662, hier S. 653.
  12. ↑ „Author of nearly 20 books, almost 200 essays and several hundred book reviews [...]“ in Stuart Dow: YIDDISHIST USES BOOKS TO BRIDGE GENERATIONS. In: Jerusalem Post. 07.04.1989.
Personendaten
NAME Liptzin, Sol
ALTERNATIVNAMEN Liptzin, Solomon (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG Forscher und Autor zu Jiddischer und Deutscher Literatur
GEBURTSDATUM 27. Juli 1901
GEBURTSORT Sataniw, Russisches Kaiserreich (heute Ukraine)
STERBEDATUM 15. November 1995
STERBEORT Jerusalem