Der High-sensitivity Solar Ultraviolet Spectroscopic Satellite, kurz Solar-C, ist ein geplantes Weltraumteleskop zur Sonnenbeobachtung, das von der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA in Zusammenarbeit mit dem National Astronomical Observatory of Japan (NAOJ) sowie internationalen Partnern aus den USA und Europa entwickelt wird. Der Satellit fungiert als Nachfolgemission der erfolgreichen Sonnenbeobachtungssonden Yohkoh (Solar-A) und Hinode (Solar-B). Der Start sollte im November 2028 mit einer Epsilon-S-Trägerrakete erfolgen, die jedoch wegen einer Designänderung nicht leistungsfähig genug für diese Nutzlast ist.
Missionsziele
Das übergeordnete wissenschaftliche Ziel von Solar-C ist die Untersuchung der Dynamik der Sonnenatmosphäre auf kleinsten Skalen, um grundlegende Vorgänge der Heliophysik zu verstehen. Die Mission soll maßgeblich dazu beitragen, zwei Kernfragen zu beantworten: wie hochenergetisches Plasma in der Korona entsteht, und auf welche Weise der Sonnenwind beschleunigt wird.
Diese energetischen Prozesse treiben das Weltraumwetter an, welches direkte Auswirkungen auf das Sonnensystem sowie auf die Technische Infrastruktur im Erdorbit und auf der Erdoberfläche hat. Da die hochenergetische ultraviolette Strahlung der Sonne von der Erdatmosphäre absorbiert wird, sind diese präzisen Messungen ausschließlich vom Weltraum aus durchführbar.
Wissenschaftliche Instrumente
Der Satellit führt zwei wissenschaftliche Hauptinstrumente mit sich:
Ein Extrem-Ultraviolett-Spektrometer mit hoher Durchsatzrate als Hauptnutzlast der Mission. Ausgestattet mit einem hochauflösenden Slit-Jaw-Imaging-System (Spaltbackenkamera) soll es erstmals die lückenlose, gleichzeitige Erfassung aller Schichten der Sonnenatmosphäre ermöglichen, von der Photosphäre und Chromosphäre über die Übergangsregion bis hin zur heißen Korona. Das Instrument deckt einen Wellenlängenbereich von 17 bis 280nm ab, womit Plasmatemperaturen zwischen 5000 und 15 Millionen Kelvin gemessen werden können. Es erreicht eine räumliche Auflösung von 0,4 Bogensekunden und eine zeitliche Auflösung von unter einer Sekunde.
SoSpIM (Solar Spectral Irradiance Monitor)
Dieses Sekundärinstrument wird unter Leitung des Schweizer PMOD/WRC entwickelt. Es soll die solare Bestrahlungsstärke der Sonne als Gesamtheitswert („Sun-as-a-star“) im extremen UV-Bereich sowie im Lyman-Alpha-Band überwachen. Durch die spektrale Überschneidung mit dem EUVST soll es zu dessen kontinuierlicher Kalibrierung dienen und die Auswirkungen der Sonnenaktivität auf die Erdatmosphäre untersuchen.
Internationale Kooperation
Das Projekt beruht auf internationaler Zusammenarbeit. Während die JAXA die Satellitenplattform bereitstellt und das Gesamtprojekt koordiniert, steuern internationale Konsortien wesentliche Beiträge bei:
Deutschland: Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) ist maßgeblich in das optische und mechanische Design des EUVST-Spektrometers eingebunden. Die deutsche Beteiligung wird durch das DLR gefördert.
Weitere europäische Partner: Technische Baugruppen und wissenschaftliche Beiträge werden zudem von der französischen Raumfahrtbehörde CNES, der italienischen ASI (gemeinsam mit dem INAF), dem britischen MSSL sowie der Schweiz (durch das Swiss Space Office und die ETH Zürich) finanziert oder entwickelt.
Missionsverlauf und Umlaufbahn
Der Start von Solar-C wurde für November 2028 vom Uchinoura Space Center in Aussicht gestellt. Als Trägersystem soll oder sollte die Feststoffrakete EpsilonS dienen. Der Zielorbit ist eine sonnensynchrone Erdumlaufbahn (SSO) in einer Höhe von über 600km. Diese Flugbahn soll sicherstellen, dass das Teleskop die Sonne nahezu ununterbrochen und frei von Abschattungen durch die Erde beobachten kann. Der Betrieb des Teleskops ist zunächst für eine zweijährige Primärmission finanziert.