Something Else Press

Die Something Else Press war ein von 1964 bis 1974 ursprünglich in Chelsea (Manhattan), New York beheimateter Avantgarde-Verlag für Künstlerbücher, insbesondere des Fluxus. Verlagsgründer war der Künstler Dick Higgins (1938–1998).

Verlagsgeschichte

Higgins gründete, nachdem es in dieser Zeit mit dem Fluxus-Gründer George Maciunas wegen Verzögerungen einer Buchpublikation zu einem Bruch gekommen war, den Verlag 1964 und veröffentlichte als erste Publikation einen Band mit eigenen Werken (Jefferson's Birthday und Postface). Der Verlag veröffentlichte viele wichtige Texte und Werke von George Brecht (Grundlagentext zum Zufall in der Kunst von 1957), Robert Filliou, Daniel Spoerri (Topographie des Zufalls, in Übersetzung), Alison Knowles, Emmett Williams sowie Dutzende von Vorreitern und Vertretern der Avantgarde wie Richard Huelsenbeck (Dada Almanach), Gertrude Stein (mit amerikanischen Erstveröffentlichungen), John Cage oder Bern Porter.

Die Something Else Press war einer der ersten Herausgeber in den Vereinigten Staaten von Konkreter Poesie und anderen Werken von Fluxus-Künstlern in den 1960er Jahren, wobei die zusammen mit der Edition Hansjörg Mayer, Stuttgart, 1967 von Emmett Williams veröffentlichte Anthology of Concrete Poetry als eine der ersten Übersichten für diese neue Kunstform auch in Deutschland nachhaltiges Interesse fand.

Das Verlagsprogramm zeigte die enge Verbindung zwischen der europäischen und amerikanischen Fluxus-Bewegung in den frühen Jahren. Higgins prägte Mitte der 1960er Jahre den Begriff „Poetry Intermedia“, der dann im Weiteren als Intermedialität Beachtung fand. Die Kombination von hoher Qualität bei vermarktbaren Formaten für eine größere Verbreitung schuf ein Gegengewicht zu den noch, z. B. von Maciunas und anderen, in Handarbeit hergestellten Künstlerbüchern und Buchobjekten als Original, Unikat oder in Kleinstauflagen. Die Strategie war, Bücher mit progressivem Inhalt jedoch mit konventionellem Aussehen zu veröffentlichen, so dass diese auch in normalen Buchhandlungen platziert werden konnten.

In den späten 1960er Jahren arbeiteten für die Something Else Press Künstler wie Emmett Williams, Chefredakteur für die Jahre 1966 bis 1970, Alison Knowles, der Dichter Larry Freifeld, die irisch-amerikanische Schriftstellerin Mary Flanagan und der Maler Ronnie Landfield.

Der Fluxus-Künstler Ken Friedman fungierte als General Manager für Higgins in New York und Kalifornien in den Jahren 1970 und 1971. Während Higgins Haupteigentümer und Verleger blieb, dienten andere als Herausgeber, einschließlich Emmett Williams und Jan Herman. Herman übernahm die Aufgabe im Jahr 1973 und hatte sie bis zur Aufgabe des Verlages ein Jahr später inne. Ursprünglicher Verlagssitz war Chelsea (Impressum: New York, später auch Middelton), der in den 1970er Jahren in das nördlichere Glover (Vermont) (Impressum: West Glover, später Barton) verlegt wurde.

In dem zehnjährigen Bestehen des Verlages veröffentlichte dieser etwas über 60 Werke und 20 Broschüren der Reihe „Great Bear Pamphlet“, Karten, Poster, Newsletter und Ähnliches, die heute noch in Kunstbuch- oder Fluxus-Ausstellungen gezeigt werden. Die ursprünglich als Künstlerbücher vorwiegend von Privatsammlern beachteten Werke fanden durch Schenkungen Eingang in öffentliche Sammlungen, so dass heute eine kunst-, literatur- und musikwissenschaftliche Erschließung möglich ist.

Veröffentlichungen

Künstlerbücher

Die 1960er

Die 1970er

Great Bear Pamphlets

Neben Büchern veröffentlichte die Something Else Press von 1965 bis 1967 eine Reihe von 20 Broschüren im Umfang von rund 16 Seiten, bei Manifesten auch bis zu 30 Seiten, mit dem Titel „Great Bear Pamphlet“, von denen nur die ersten zehn gezählt waren. Der Druck erfolgte auf verschiedenfarbigem Papier. 2007 erschien eine Neuausgabe bei Primary Information, New York.

Ausstellungen (Auswahl)

Literatur (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. 1 2 Steve Clay: Something Else Press: Exploring the Ways and Means of Communication. (Memento des Originals vom 18. Juni 2006 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Abgerufen am 24. September 2010.
  2. ↑ Dick Higgins: Intermedia. Something Else Newsletter 1, 1966
  3. ↑ Art Games: die Schachteln der Fluxuskünstler. Ina Conzen. Staatsgalerie Stuttgart. Oktagon Köln 1997, ISBN 3-89611-025-X (Sohm-Dossier. 1), S. 78.
  4. ↑ Schreibung laut Williams, Anthology, S. 333 (Kurzbiographie); andere Schreibung: Friefeld
  5. ↑ Erschienen: Vol. 1(1966/70) – 3(1983). Online als PDF bei Primary Information
  6. ↑ Hannah Higgins: Fluxus experience, 2002, S. 127. (Vorschau auf books.google.de). Abgerufen am 24. September 2010
  7. ↑ Peter Finch Website
  8. ↑ Great Bear Pamphlet Series. Primary Information, New York 2007, ISBN 9780978869717 (Nachdruck in leicht verändertem Format in einer Holzkiste). Alle Hefte online als PDF auf UbuWeb
  9. ↑ Barbara Moore: A Poor Man's Keys to the New Art. 2008 (englisch). Abgerufen am 27. September 2010
  10. ↑ Ausstellungsinformation des Visual Research Centre in Dundee (Memento des Originals vom 29. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (englisch). Abgerufen am 25. September 2010
  11. ↑ Ausstellungsinformation des Immanence (Memento des Originals vom 15. September 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (französisch). Abgerufen am 25. September 2010