Song Wudi

Kaiser Song Wudi

Song Wudi (chinesisch 宋武帝; * 16. April 363 in Jingkou (heute Zhenjiang, Jiangsu); † 26. Juni 422 in Jiankang (beim heutigen Nanjing)), persönlicher Name Liu Yu, war der Gründer und von 420–422 der erste Kaiser der Früheren Song-Dynastie in China.

Liu Yu war einfacher Herkunft, wurde Militärführer unter der Östlichen Jin-Dynastie und trug 401/402 maßgeblich zur Unterdrückung der Revolte von Sun En sowie 404 zur Beseitigung des Usurpartors Huan Xuan bei. 408 wurde er als Regent der faktische alleinige Machthaber des Jin-Reichs. Er schlug weitere Rebellionen wie 411 jene des Lu Xun nieder, löschte 416/417 das Reich der Späteren Qin aus, setzte 420 den letzten Jin-Kaiser Gongdi ab und übernahm nach Gründung der Song-Dynastie auch formal die kaiserliche Macht. Während seiner nur zweijährigen Herrschaft als Kaiser Wudi versuchte er den maßgeblichen Einfluss der großen Adelsfamilien zu schwächen, indem er sie von hohen Ämtern der Zentralregierung ausschloss und Angehörigen seiner Sippe große militärische Befugnisse verlieh.

Leben

Herkunft und frühes Leben

Liu Yu wurde 363 als Sohn des Ordnungshüters Liu Qiao und dessen Gattin Zhao Anzong geboren, als diese in Jingkou lebten. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, da sein Vater früh starb. Beruflich verfolgte er unter der Östlichen Jin-Dynastie eine militärische Laufbahn und trat als Offizier des Kommandanten Sun Wuzhong in die Armee des nördlichen Hauptquartiers ein. 399 wurde er einer der Befehlshaber des Generals Liu Laozhi. Zu dieser Zeit begann in der Gegend von Ningbo der vom Magier und Piraten Sun En angeführte Aufstand der daoistischen Sekte der Fünf Reisscheffel. Liu Yu beteiligte sich erfolgreich an der Niederschlagung der gefährliche Ausmaße annehmenden Erhebung und wurde zum General befördert. 403 usurpierte der Warlord Huan Xuan, der einem bedeutenden Adelsgeschlecht angehörte und zentrale Provinzen des Jin-Reichs kontrollierte, die Macht und ernannte sich zum Kaiser. Obwohl Liu Laozhi sich dem Usurpator anschloss, hielt dieser ihn für gefährlich und trieb ihn in den Selbstmord. Liu Ýu war mit der Bekämpfung der letzten Truppen von Sun En betraut worden, verbündete sich aber mit Liu Yi, He Wuji und anderen zur Leitung einer Erhebung gegen Huan Xuan. Sie eroberten 404 die Hauptstadt Jiankang und zwangen den Usurpator zur Flucht nach Jiangling. Huan Xuan nahm den rechtmäßigen Kaiser Jin Andi als Geisel mit sich, wurde aber von Liu Yu angegriffen und besiegt. Liu Yu befreite Jin Andi, während Huan Xuan im Juni 404 von einem seiner Generäle, Feng Qian, getötet wurde.

Regent des Reichs der Östlichen Jin

Lage der Reiche in China um das Jahr 409, vor den Feldzügen von Liu Yu.

Liu Yu wurde u. a. der Titel eines „Palastwärters“ (Shizhong) verliehen. 408 avancierte er zum Regionalinspektor (Cishi) der Provinz Yangzhou und Aufseher des kaiserlichen Sekretariats. Damit war er faktisch der wahre Machthaber im Jin-Reich. Bald erhielt er auch das Amt des Oberbefehlshabers der 16 Provinzen und des Herzogs der Kommandantur Yuzhang. 409 übernahm er die Verteidigung gegen die ins Jin-Reich eingefallenen Truppen des Reichs der Südlichen Yan, die unter der Herrschaft des Kaisers Murong Chao standen und die Shandong-Halbinsel kontrollierten. 410 eroberte Liu Yu die Yan-Hauptstadt Guanggu (beim heutigen Qingzhou), und das Reich der Südlichen Yan wurde annektiert. Diese Expedition nutzte inzwischen Lu Xun, Statthalter von Fanyu (heute Guangzhou), zur Rebellion. Er führte einen Feldzug bis nahe der Hauptstadt Jiankang, wurde aber von den Truppen des zurückkehrenden Liu Yu besiegt und von ihnen bis in den Norden des heutigen Vietnam verfolgt, wo er sich 411 das Leben nahm. Liu Yus ehemaliger Verbündeter, General Liu Yi, versuchte sich im Gebiet um seinen Stützpunkt Jiangling am mittleren Jangtsekiang unabhängig zu machen, wurde aber von Liu Yi 412 besiegt und erhängte sich. Danach unternahm Liu Yu eine Offensive gegen den rebellischen Militärführer Qiao Zong, der seit 405 das Gebiet der heutigen Provinz Sichuan beherrschte und mit Unterstützung von Yao Xing, Kaiser der Späteren Qin, den Titel König von Shu angenommen hatte. Liu Yu schlug ihn 413 entscheidend und eroberte die abgespaltene Provinz für das Östliche Jin-Reich zurück, das nun mit keinen inneren Bedrohungen mehr konfrontiert war.

416 ging Liu Yu, nach Westen vorstoßend, militärisch gegen das Reich der Späteren Qin vor. Diese erlitten schwere Niederlagen, die das Reich zu Fall brachten. Jin-Heere konnten die früheren Hauptstädte der Han zurückerobern, nämlich 416 Luoyang und 417 Chang’an. Diese Erfolge gegen „barbarische Armeen“ Nordchinas verschafften Liu Yu großes Ansehen, obwohl die neuen Eroberungen bald wieder aufgegeben wurden. Nach dem Tod des Vizedirektors zur Linken des kaiserlichen Sekretariats, Liu Muzhi († 417), fürchtete Liu Yu aber, dass in der Jin-Hauptstadt Intrigen gegen ihn gesponnen würden, und kehrte unter Zurücklassung seines mit einem starken Heer ausgestatteten Sohns Liu Yizhen aus Chang’an nach Jiankang zurück. Obgleich Chang’an bereits 418 vom Xia-Reich eingenommen wurde, erhielt Liu Yu weitere Auszeichnungen, etwa die Verleihung des Titels Herzog von Song. Im Januar 419 ließ er Kaiser Jin Andi töten und inthronisierte Jin Gongdi als neuen Kaiser. Im nächsten Jahr 420 zwang er Gongdi zum Rücktritt und gründete in Jiankang die Südliche Song-Dynastie. Als deren ersten Kaiser erhielt er den postumen Namen Song Wudi, unter dem er ebenfalls bekannt ist. Im Herbst 421 ließ er Gongdi durch von ihm entsandte Soldaten ermorden.

Kaiser

Die von Liu Yu angestrebte neue Machtverteilung sollte den Ursachen für die Schwäche der letzten Kaiser der Östlichen Jin-Dynastie entgegenwirken, in deren Reich die großen adligen Provinzfamilien und die Heerführer bereits im späten 4. Jahrhundert eine enorme Machtfülle innegehabt hatten. In Anlehnung an eine von den Westlichen Jin eingeführte Praxis wurden den kaiserlichen Prinzen Territorien unterstellt, zu deren Verteidigung sie umfassende militärische Befugnisse erhielten. Vor allem übergab er zweien seiner Söhne den Oberbefehl über die beiden wichtigen Provinzgarnisonen Jingzhou und Jiangzhou. Wichtige Posten in der Zentralregierung übertrug er Personen aus den unteren Volksschichten. Auch gehörten zu seiner engeren Umgebung Leute niedriger Herkunft, die eine Militärkarriere durchlaufen hatte, wie etwa der General Shen Qingzhi, der angeblich bäuerlicher Abstammung war. Den Angehörigen der großen Adelsgeschlechter wies er hingegen prestigeträchtige, jedoch mit wenig Macht verbundene Posten bei Hof zu. Außerdem verkleinerte er einige Provinzen und Kommandanturen, um die Kontrolle der Zentralregierung über Land und Ressourcen zu stärken. Im Juni 422 starb er im Alter von 59 Jahren in Jiankang und wurde im Chuning-Mausoleum (im heutigen Jiangning, Stadtbezirk von Nanjing) beigesetzt. Ihm folgte sein etwa 16-jähriger ältester Sohn Liu Yifu auf den Thron, der als Kaiser den postumen Namen Song Shaodi erhielt.

Literatur

Commons: Song Wu Di – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. 1 2 3 4 Emperor Song Wudi, in: Chinaknowledge – An Encyclopedia on Chinese History and Literature.
  2. ↑ Victor Cunrui Xiong: Historical Dictionary of Medieval China, 2009, S. 329.
  3. ↑ David A. Graff: Medieval Chinese Warfare, 300-900, S. 91.
Personendaten
NAME Song Wudi
ALTERNATIVNAMEN Liu Yu
KURZBESCHREIBUNG Kaiser der chinesischen Früheren Song-Dynastie
GEBURTSDATUM 16. April 363
GEBURTSORT Jingkou (heute Zhenjiang, Jiangsu)
STERBEDATUM 26. Juni 422
STERBEORT Jiankang (beim heutigen Nanjing)