| Schüler Helfen Leben (SHL) | |
|---|---|
| Rechtsform | Stiftung |
| Gründung | 1992 |
| Sitz | Neumünster/Berlin/Lübeck/Sarajevo/Kiew |
| Motto | „Mach Doch.“ |
| Schwerpunkt | Jugend- und Bildungsarbeit (Sozialer Tag) |
| Aktionsraum | Deutschland/Südosteuropa/Jordanien/Syrien/Ukraine |
| Beschäftigte | 24 |
| Freiwillige | 8 |
| Mitglieder | 130 |
| Website | schueler-helfen-leben.de |
Schüler Helfen Leben (SHL) ist eine 1992 gegründete Organisation, die im Bereich der Bildungs-, Jugend- und Friedensarbeit auf dem Westbalkan, seit 2013 in syrischen Flüchtlingslagern in Jordanien und seit 2022 in der Ukraine tätig ist. Sie hat die Rechtsform einer Stiftung und hat Büros in Neumünster, Berlin, Lübeck, Sarajevo und Kiew. Sie gehört dem Dachverband Solidarity Action Day Movement in Europe (SAME) an.
In Deutschland sammelt die Organisation Spenden für ihre Projekte und die Deutschlandarbeit, die sich vor allem an deutsche Schüler wendet. Mit dem Sozialen Tag veranstaltet SHL jährlich die größte von Jugendlichen organisierte Hilfsaktion Europas.
Die Jugendinitiative entstand während der Jugoslawienkriege Anfang der 1990er Jahre. Die Initiative startete von Rheinland-Pfalz aus mit dem Transport von Hilfsgütern in den privaten PKWs der Jugendlichen. Als wesentliche Initiatoren und anfängliche Hauptorganisatoren gelten die damaligen Bad Kreuznacher Schüler Simone Grass und ihr Vater Ulrich Grass (der die Idee für die Initiative hatte), Clemens Beiersdorf (heute Christmann), Gerald Eisenkopf, Hans-Jörg Fiehl, Esther Köhler (heute Ley) und Nadine Meyer (heute Dieter). Es begann mit dem Sammeln von Zahnbürsten, Kleidung und Medikamenten. Kurz darauf wurde eine Aktion unter dem Motto „Jeder Schüler eine D-Mark“ ins Leben gerufen, mit der die Jugendlichen mehr als eine Million D-Mark sammelten. Rudolf Scharping (damaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz) wurde erster Schirmherr. Bald kamen Spenden von Schülern aus ganz Deutschland, was die privaten Transportmöglichkeiten der Jugendlichen überstieg, so dass LKWs angemietet wurden. Als eine der wenigen Initiativen begann SHL schon während des Krieges mit Wiederaufbauhilfe. Unterstützt wurde SHL dabei unter anderem von der Deutschen Botschaft in Zagreb, die den Jugendlichen ein Büro zur Verfügung stellte. In Bosnien und Herzegowina, Kroatien und später auch im Kosovo hat sich SHL am Wiederaufbau von mehr als 70 Schulen und Kindergärten beteiligt. 2002 hat der Verein die erste Kinder- und Jugendstiftung Deutschlands gegründet: die Stiftung Schüler Helfen Leben. Diese sichert die Projekte langfristig ab. Dafür fließt ein Teil der Einnahmen des Sozialen Tages auch in das Stiftungskapital. Zudem betreut die Stiftung die Auslandsprojekte in Südosteuropa sowie die Freiwilligen, die im Ausland für SHL arbeiten. Heute will die Organisation Jugend-, Friedens- und Versöhnungsarbeit leisten und bemüht sich, mit verschiedenen Projekten die Bildungssituation zu verbessern. Als Reaktion auf den Bürgerkrieg in Syrien unterstützt Schüler Helfen Leben seit 2013 zudem auch Projekte für syrische Geflüchtete in Jordanien und Syrien. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wurde die Stiftung auch in der Ukraine, Polen und Moldau aktiv.
Am Sozialen Tag werden Schüler aufgerufen, einen Tag die Schulbank gegen einen Arbeitsplatz zu tauschen und ihren Lohn für die Projekte in Südosteuropa, Jordanien und der Ukraine zu spenden. Der erste Soziale Tag fand 1998 in Schleswig-Holstein statt und wurde seither regelmäßig durchgeführt: erst im Zweijahrestakt, seit 2004 jährlich und seit 2006 bundesweit. Nach einer Kooperation mit der Sächsischen Jugendstiftung im Jahre 2005 (Sozialer Tag nur in Sachsen) und mit Aktion Tagwerk 2006 führt die Organisation den Sozialen Tag seit 2007 ohne Partner durch. Am letzten Sozialen Tag (20. Juni 2022) verdienten ca. 60.000 Schüler in ganz Deutschland etwa 1,1 Millionen Euro.
| Jahr | Bundesländer | Schüler (ca.) | Spendensumme Euro (ca.) |
|---|---|---|---|
| 6. Juni 1998 | SH | 35.000 | 920.000 |
| 13. Juli 2000 | SH, HH | 100.000 | 2.150.000 |
| 18. Juni 2002 | SH, HH, NI | 210.000 | 3.800.000 |
| 22. Juni 2004 | SH, HH, NI, HB, BE | 220.000 | 3.200.000 |
| 12. Juli 2005 | SN | 15.000 | 150.000 |
| 22. Juni 2006 | bundesweit | 200.000 | 2.000.000 |
| 19. Juni 2007 | bundesweit | 200.000 | 2.100.000 |
| 8. Juli 2008 | bundesweit | 200.000 | 2.000.000 |
| 18. Juni 2009 | bundesweit | > 100.000 | 1.600.000 |
| 17. Juni 2010 | bundesweit | > 100.000 | 1.600.000 |
| 8. Juni 2011 | bundesweit | > 100.000 | 1.600.000 |
| 14. Juni 2012 | bundesweit | > 80.000 | 1.500.000 |
| 13. Juni 2013 | bundesweit | > 80.000 | 1.500.000 |
| 3. Juli 2014 | bundesweit | > 80.000 | 1.500.000 |
| 9. Juli 2015 | bundesweit | 85.000 | 1.600.000 |
| 14. Juli 2016 | bundesweit | 80.000 | 1.500.000 |
| 13. Juli 2017 | bundesweit | ||
| 26. Juni 2018 | bundesweit | 70.000 | 1.300.000 |
| 19. Juni 2019 | bundesweit | ||
| 1. Oktober 2020 | bundesweit | ||
| 10. Juni 2021 | bundesweit | ||
| 20. Juni 2022 | bundesweit | 60.000 | 1.100.000 |
| 4. Juli 2023 | bundesweit | > 60.000 |
Bei dem Projektauswahltreffen (kurz PAT) konnten die Schüler die Projekte, die sie am Sozialen Tag unterstützen möchten, wählen. Dazu konnte jede angemeldete Schule drei Delegierte entsenden, die nach Berlin fuhren und dort ein Wochenende über die zu wählenden Projekte und die Projektregionen informiert wurden. Als Höhepunkt wurden dann die Projekte (ein Balkan-Projekt, ein Projekt in Jordanien) gewählt, welche von den Geldern des Sozialen Tages finanziert wurden. Seit 2018 findet das Projektauswahltreffen nicht mehr statt.
Schüler Helfen Leben veranstaltet jährlich Schultouren, bei denen Jugendliche über die Projekte von SHL in Pausenhallen und Klassenzimmern referieren. Hierbei wird vor allem auf die Situation der Jugendlichen auf dem Balkan eingegangen. Seit November 2014 wird diese Schultour mit dem sogenannten Sozialer-Tag-Mobil durchgeführt. Das Bildungsangebot umfasst somit neben Vorträgen auch einen interaktiven Informationsstand auf dem Pausenhof und eine Workshopauswahl. Vor dem Sozialen Tag organisiert SHL zusätzlich Infostände, die über den Balkankrieg und die Projekte von SHL informieren. Im Rahmen sogenannter „Camps“ haben besonders interessierte Jugendliche einmal jährlich die Möglichkeit, Projekte vor Ort zu besuchen. Darüber hinaus werden für ebendiese Wochenendseminare angeboten, bei denen über die Themen von SHL informiert wird.
Die Organisation besteht zum größten Teil aus Schülern, die sich ehrenamtlich bei SHL engagieren. Diese „Aktiven“ organisieren beispielsweise Infostände, Benefizkonzerte und den Sozialen Tag an ihrer Schule. Weiterhin können Jugendliche ein Freiwilliges Soziales Jahr (kurz: FSJ) leisten. Die Teilnehmer können sich dabei aussuchen, ob sie ihren Dienst in Deutschland oder den Projektregionen auf dem Balkan absolvieren. Diejenigen, die sich für ein FSJ in Deutschland bewerben, koordinieren aus dem Büro Neumünster den bundesweiten Sozialen Tag und andere Aktivitäten in Zusammenhang mit der Deutschlandarbeit.
Das Projekt „Gewalt ist keine Lösung“ in Albanien setzt sich für die Rechte von Frauen und gegen geschlechterspezifische Gewalt ein. Es wird in Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation „Women's Network Equality in Decision Making“ durchgeführt. In Seminaren, Medientrainings und Forumsdiskussionen erlernen die jugendlichen Mädchen und Jungen den Umgang mit dieser Problematik. Des Weiteren erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen, und führen gemeinsame Aktionen gegen Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen durch.
Aufgrund des Bürgerkriegs in Syrien haben viele geflüchtete Kinder und Jugendliche in den jordanischen Flüchtlingslagern keinen Zugang zu Bildung. Das Projekt „Gemeinsam in eine bessere Zukunft“ setzt sich dafür ein, von Armut gefährdete Kinder und Jugendliche mit Hilfe von Bildungsangeboten und Trainings in die Gesellschaft zu reintegrieren und ihnen eine Zukunftsperspektive zu bieten. In unterschiedlichen theoretischen und praktischen Kursen sowie Nachhilfeunterricht erlangen die Jugendlichen Fähigkeiten, die ihnen bei der späteren Jobsuche helfen.
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