Spinat (Gattung)

Spinat

Echter Spinat (Spinacia oleracea)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Chenopodioideae
Tribus: Anserineae
Gattung: Spinat
Wissenschaftlicher Name
Spinacia
L.

Spinat (Spinacia) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Bekanntester Vertreter ist der als Gemüse verwendete Echte Spinat (Spinacia oleracea).

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Spinat-Arten sind einjährige oder zweijährige krautige Pflanzen, die sommer- oder winterannuell sein können. Ihre Oberfläche ist kahl, selten in jungem Zustand zerstreut mehlig. Der aufrechte Stängel ist nicht oder nur schwach verzweigt.

Die gestielten, anfangs rosettigen, grünen Laubblätter sind wechselständig am Stängel angeordnet, bei weiblichen Pflanzen bis zur Stängelspitze, bei männlichen Pflanzen vorwiegend basal. Ihre flache Blattspreite ist dreieckig-eiförmig bis spießförmig mit glattem, gezähntem oder bogig gelapptem Rand. Bei männlichen Pflanzen ist der Blattrand oft weniger stark gelappt als bei den weiblichen.

Blütenstand und Blüte

Blütenstand mit männlichen Blüten (Spinacia oleracea)
Ausschnitt eines Blütenstandes mit weiblichen Blüten (Spinacia oleracea)

Die Spinat-Arten sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (Diözie) (nur ausnahmsweise einhäusig). Männliche Blüten stehen geknäuelt in unterbrochenen scheinährigen Teilblütenständen und bilden einen endständigen Gesamtblütenstand. Sie besitzen eine Blütenhülle aus vier bis fünf grünen, länglichen, hautrandigen Tepalen und vier bis fünf Staubblätter mit haarförmigen Staubfäden und herausragenden Staubbeuteln.

Die weiblichen Blüten stehen in blattachselständigen knäueligen Blütenständen. Sie werden umgeben von zwei bis vier miteinander verbundenen und überdauernden Vorblättern, eine Blütenhülle fehlt. (Einige Autoren interpretieren die Vorblätter als Blütenhülle. Die Anatomie der Vorblätter ist komplexer als bei den Melden (Atriplex).) Der oberständige Fruchtknoten trägt vier bis fünf lange, fadenförmige Narben. (Sehr selten kommen auch zwittrige Blüten vor.)

Frucht und Samen

Zur Fruchtzeit verwachsen und verhärten die vergrößerten Vorblätter und umschließen die Frucht. Am Rand bilden sie oft Zähne aus. Auch können mehrere Blüten miteinander verwachsen und dornige oder gehörnte Sammelfrüchte bilden. Die häutige Fruchtwand haftet dicht dem aufrechten Samen an. Der ringförmige Embryo umgibt das reichlich vorhandene, mehlige Nährgewebe.

Chromosomenzahl

Die Chromosomen-Grundzahl beträgt x=6. Dies ist eine ungewöhnliche Zahl innerhalb der Chenopodioideae, die ansonsten meist eine Grundzahl von x=9 aufweisen.

Photosyntheseweg

Die Spinat-Arten sind C3-Pflanzen mit normaler Blattanatomie.

Ökologie

Die Arten und Sorten der Gattung Spinat (Spinacia) werden von den Raupen zahlreicher Schmetterlingsarten als Nahrung genutzt. In der HOSTS-Datenbank existieren dazu 63 Einträge, beispielsweise Amerikanischer Webebär (Hyphantria cunea), der Spanner Scopula fibulata, der Bläuling Zizeeria knysna, zahlreiche Eulenfalter, darunter Spodoptera-Arten, zahlreiche Spilomelinae wie Herpetogramma bipunctalis und Spoladea recurvalis, sowie die Kohlschabe (Plutella xylostella).

Vorkommen

Die Gattung Spinacia ist ursprünglich in Westasien und Mittelasien verbreitet. Schon lange ist sie im Mittelmeergebiet eingebürgert. Eingeführt als Kulturpflanze oder verwildert als Adventivpflanze kommt Echter Spinat in gemäßigten und subtropischen Regionen von Europa, Asien und Nordamerika vor.

Systematik

Die Gattung Spinacia gehört zur Unterfamilie Chenopodioideae innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). In dieser Familie sind inzwischen die Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae) enthalten. Früher wurde die Gattung in die Tribus Atripliceae eingruppiert, deren Arten ebenfalls von Vorblättern umhüllte weibliche Blüten besitzen. Nach phylogenetischen Untersuchungen wurde sie 2010 aus den Atripliceae ausgeschlossen. Seit 2012 bildet Spinacia zusammen mit der Gattung Blitum die Tribus Anserineae. Die Gattung Spinacia ist monophyletisch.

Die Erstveröffentlichung der Gattung Spinacia erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 1027. Die Typusart ist Spinacia oleracea L. Der wissenschaftliche Gattungsname Spinacia bezieht sich auf die dornigen Früchte (lateinisch „spina“ = Dorn, persisch „ispanakh“ gemäß der Flora of North America).

Zur Gattung Spinacia gehören drei Arten:

Nutzung

Echter Spinat (Spinacia oleracea) ist eine geschätzte Nahrungspflanze und wird auch als Heilpflanze verwendet.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Gudrun Kadereit, Evgeny V. Mavrodiev, Elizabeth H. Zacharias, Alexander P. Sukhorukov: Molecular phylogeny of Atripliceae (Chenopodioideae, Chenopodiaceae): Implications for systematics, biogeography, flower and fruit evolution, and the origin of C4 Photosynthesis, In: American Journal of Botany, Band 97 (10), 2010, S. 1664–1687.
  2. ↑ Gaden S. Robinson, Phillip R. Ackery, Ian J. Kitching, George W. Beccaloni & Luis M. Hernández: Eintrag bei HOSTS – A Database of the World's Lepidopteran Hostplants.
  3. ↑ Pertti Uotila: Chenopodiaceae (pro parte majore). – In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Spinacia. 2011. Eintrag bei Euro+Med Plantbase.
  4. ↑ Eintrag bei PLANTS.USDA
  5. ↑ Susy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila, Thomas Borsch: A novel phylogeny-based generic classification for Chenopodium sensu lato, and a tribal rearrangement of Chenopodioideae (Chenopodiaceae). In: Willdenowia. Band 42, Nr. 1, 2012, S. 16.
  6. ↑ Susy Fuentes-Bazan, Guilhem Mansion, Thomas Borsch: Towards a species level tree of the globally diverse genus Chenopodium (Chenopodiaceae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 62, Nummer 1, 2012, S. 359–374, doi:10.1016/j.ympev.2011.10.006.
  7. ↑ Erstveröffentlichung eingescannt bei Biodiversity Heritage Library
  8. ↑ Eintrag bei Liber Herbarum
  9. ↑ Eintrag bei Plants For A Future
Commons: Spinat (Spinacia) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien