



Das Gewinde ist eine profilierte Einkerbung (Furche), die fortlaufend wendelartig (also als Schraubenlinie) um einen zylindrischen Körper (Außengewinde) oder in der Wandung eines zylinderförmigen Hohlraums (Innengewinde) verläuft. Diese fortlaufende Vertiefung wird als Gewindegang bezeichnet. Der häufigste Anwendungsfall eines Außengewindes ist die Schraube. Die zugehörige Mutter besitzt ein dazu passendes Innengewinde.
Die Kombination eines Außen- mit einem Innengewinde erlaubt die Übersetzung des Drehmoments, das beispielsweise durch einen am Schraubenkopf angesetzten Schraubenzieher aufgebracht wird, in eine Längskraft, die den Schraubenkopf am verschraubten Bauteil anpresst. Ein Gewindegang kann mit einer aufgewickelten schiefen Ebene verglichen werden. Es erfordert weniger Kraft, ein Gewicht auf einer schiefen Ebene in die Höhe zu befördern, als es anzuheben. Ebenso ist es mithilfe eines Gewindes möglich, eine kleinere Umfangskraft in eine große Zug- oder Druckkraft umzuformen. Genutzt wird dies z. B. in Spindelpressen, Weinpressen und Wagenhebern.
Um sicherzustellen, dass sich ein Bauteil mit einem Außengewinde in ein Bauteil mit Innengewinde einschrauben lässt, werden beide nach dem gleichen Standard gefertigt. Die auch als Norm bezeichneten Standards legen unter anderem Fertigungstoleranzen fest, die einen gewissen Spielraum bei der Herstellung erlauben, ohne dass die Gewinde aber verklemmen oder zu locker ineinandergreifen. Auch die Bezeichnungsweise der vorgesehenen Gewindegrößen wird in der Norm festgelegt.
Wenn das Material eines Bauteils härter als das des anderen ist, so ist es auch möglich, dass sich das Gewinde des härteren Bauteils das passende Gegengewinde beim Eindrehen selber erzeugt. Das weichere Material wird dabei verformt und verdrängt oder abgetragen (zerspant), so etwa bei Verwendung von Schneidschrauben oder Schneidmuttern, Blechschrauben, Holzschrauben und Spanplattenschrauben.


Gewinde lassen sich spanlos (umformend) oder spanend (Gewindeschneiden) erzeugen. Die spanlosen Verfahren sind in der Massenfertigung üblich. Bei bestimmten Materialien lassen sich durch spanlose Fertigung glattere Oberflächen und eine erhöhte Festigkeit (u. a. durch Kaltverfestigung) erreichen. Geschnitten werden Gewinde vorrangig in Teilen, die insgesamt schon spanend gefertigt werden (z. B. Drehteile, Frästeile) sowie im Handwerk. Gering beanspruchte Gewinde werden heute auch im 3D-Druck-Verfahren erstellt.
| Gewinde | Steigung | Kerndurchmesser | Kernlochbohrer |
|---|---|---|---|
| M3 | 0,5 | 2,39 | 2,5 |
| M4 | 0,7 | 3,14 | 3,3 |
| M5 | 0,8 | 4,02 | 4,2 |
| M6 | 1 | 4,77 | 5 |
| M8 | 1,25 | 6,47 | 6,8 |
| M10 | 1,5 | 8,16 | 8,5 |
| M12 | 1,75 | 9,85 | 10,2 |
| M16 | 2 | 13,55 | 14 |
| M20 | 2,5 | 17,29 | 17,5 |
In nachgiebigen Materialien wie Holz oder Blech formt sich die Schraube das Innengewinde selbst. Bei Verwendung von Schneid- oder Blechschrauben sowie gewindefurchende Schrauben nach DIN 7500 wird meist zunächst ein Loch vorgebohrt. Bohrschrauben schneiden sich in dünnen oder weichen Materialien das Loch selber.
In zähem Material wie Stahl wird zunächst ein Loch in der Weite des Kerndurchmessers gefertigt. Das Innengewinde kann anschließend auf verschiedene Weise hergestellt werden:
Der Durchmesser des Kernlochbohrers ist z. B. für metrisches ISO-Gewinde in DIN 336 genormt und kann für das Regelgewinde ermittelt werden, indem die Steigung vom Nenndurchmesser des Gewindes abgezogen wird.
auch Bolzengewinde, siehe auch Schraube, Gegenform: Innengewinde
auch Muttergewinde, siehe auch Mutter (Technik); man unterscheidet durchgehende Gewinde von Sacklochgewinden, die nicht vollständig durch das Werkstück geführt werden. Gegenform: Außengewinde.
Eine Gewindestange ist ein Stab mit einem Außengewinde. Als rotierendes Maschinenbauteil werden Gewindestangen auch als Gewindespindel bezeichnet. Als in passender Länge zuzuschneidendes Massenprodukt werden Gewindestangen als Befestigungsmittel verwendet. Etwa in der Gebäudetechnik um Rohrleitungen an Wänden und Decken zu befestigen.


Beim Rechtsgewinde oder rechtssteigenden Gewinde verlaufen bei Ansicht wie in nebenstehendem Bild die Gewindeflanken von links unten nach rechts oben. Bei Drehung im Uhrzeigersinn laufen Innen- und Außengewinde ineinander.
Das Rechtsgewinde wird aus ergonomischen Gründen bevorzugt. Die meisten Menschen sind Rechtshänder und können beim Drehen im Uhrzeigersinn ein größeres Drehmoment aufbringen als beim Drehen gegen den Uhrzeigersinn. Oft ist die Reibung in den Gewindegängen beim Eindrehen des Gewindes höher als beim Herausdrehen, so dass das Anziehen des Gewindes ein größeres Drehmoment erfordert als das Lösen.
Beim Linksgewinde oder beim linkssteigenden Gewinde verlaufen bei Ansicht wie in nebenstehendem Bild die Gewindeflanken von links oben nach rechts unten. Linksgewinde werden in Fertigungszeichnungen und der Logistik mit den Buchstaben LH (für Left Hand) gekennzeichnet, z. B.: M16-LH. Im Uhrmacherhandwerk wird der Schraubenkopf von Schlitzschrauben mit linksdrehendem Gewinde gelegentlich durch eine Querrille oder drei parallele Schlitze im Schraubenkopf markiert.
Ein Linksgewinde läuft durch Drehung entgegen dem Uhrzeigersinn ineinander. Linksgewinde kommen zum Einsatz:



Folgende Formen der Gewindeflanken sind gebräuchlich:
Spitzgewinde:
| Spitzgewinde nach Normen | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Benennung | Profilskizze | Flanken-winkel | Kenn- buch- staben | Kurzbezeichnung1) Beispiel | Nenngröße [mm] | nach Norm | Anwendung | |
| Metrisches ISO-Regelgewinde / Spitzgewinde (ein- und mehrgängig) | 60° | M | M 0,8 | 0,3 – 0,9 | DIN 14-1 bis DIN 14-4 | Uhren- und Feinwerktechnik | ||
| M 82) | 1 – 68 | DIN 13-1 | allgemein (Regelgewinde) | |||||
| M 24 × 4 P 2 | DIN 13-52 | |||||||
| M 6 × 0,752) M 8 × 1 - LH2) |
1 – 1000 | DIN 13-2 bis DIN 13-11 | allgemein, wenn die Steigung des Regelgewindes zu groß ist (Feingewinde) | |||||
| M 24 × 4 P 2 | DIN 13-52 | |||||||
| M 64 × 4 | 64 – 76 | DIN 6630 | Außengewinde für Fassverschraubungen | |||||
| M 30 × 2 - 4H5H | 1,4 – 355 | LH9163-1 bis LH9163-4 LH9163-10 und LH9163-11 | für Luft- und Raumfahrt | |||||
| Metrisches ISO-Gewinde mit Übergangstoleranzfeld (früher Gewinde für Festsitz) | M 10 Sn 4 M 10 Sk 6 |
3 – 150 | DIN 13-51 | für Einschraubenden an Stiftschrauben | nicht dichtend | |||
| M 10 Sn 4 dicht | dichtend | |||||||
| Metrisches ISO-Gewinde mit großem Spiel | M 36 | 12 – 180 | DIN 2510-2 | für Einschraubverbindungen mit Dehnschaft | ||||
| Metrisches ISO-Gewinde, Aufnahmegewinde für Gewindeeinsätze | EG M | EG M 20 | 2 – 52 | DIN 8140-2 | Aufnahmegewinde (Regel- und Feingewinde) für Gewindeeinsätze aus Stahl | |||
| Metrisches ISO-Gewinde für Festsitz | MFS | MFS 12 × 1,5 | 5 – 16 | DIN 8141-1 | für Festsitz in Aluminiumguss-Legierungen (Regel- und Feingewinde) | |||
| Metrisches kegeliges Außengewinde | M | M 30 × 2 keg | 6 – 60 | DIN 158-1 | für Verschlussschraube und Schmiernippel | |||
| M 30 × 2 keg kurz | ||||||||
| selbstformendes, kegeliges Außengewinde | Kegelwinkel zur Rotationsachse: 7°30' | 105° | S | S 8 × 1 | 6 – 10 | DIN 71412 | für Kegelschmiernippel; Gewinde ähnlich DIN 158-1, Flankenwinkel jedoch 105° | |
| MJ-Gewinde | 60° | MJ | MJ 6 × 1 - 4h6h | 1,6 – 39 | ISO 5855-1 und ISO 5855-2 | Luft- und Raumfahrt | ||
| MJ 6 × 1 - 4H6H | ||||||||
| Fahrradgewinde | 60° | FG | FG 9,5 | 2 – 34,8 | DIN 79012 | Fahrrad- und Mopedtechnik | ||
| 1) Vollständige Bezeichnungen sind in den entsprechenden in der Tabelle aufgeführten Normen enthalten. 2) Bezeichnungen nach ISO 965-1 | ||||||||
Rohrgewinde:
| Rohrgewinde nach Normen | ||||||||
| Benennung | Profilskizze | Flanken-winkel | Kenn- buch- staben | Kurzbezeichnung1) Beispiel | Nenngröße [Zoll] | nach Norm | Anwendung | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| zylindrisches Rohrgewinde für nicht im Gewinde dichtende Verbindungen | 55° | G | G 1 1⁄2 A G 1 1⁄2 B |
1⁄16 – 6 | ISO 228-1 | Außengewinde für Rohre, Rohrverbindungen und Armaturen | ||
| G 1 1⁄2 | ||||||||
| G 3⁄4 | 3⁄4, 1, 2 | DIN 6630 | Außengewinde für Fassverschraubungen | |||||
| ohne | 5 1⁄2 | 5 1⁄2 | DIN 6602 | Außengewinde für Kesselwagen | ||||
| zylindrisches Rohrgewinde für im Gewinde dichtende Verbindungen | Rp | Rp 1⁄2 | 1⁄16 – 6 | DIN 2999-1 | Innengewinde für Gewinderohre und Fittings | |||
| Rp 1⁄8 | 1⁄8 – 1 1⁄2 | DIN 3858 | Innengewinde für Rohrverschraubungen | |||||
| kegeliges Rohrgewinde für im Gewinde dichtende Verbindungen | Kegelverhältnis zur Rohrachse: 1:16 | R | R 1⁄2 | 1⁄16 – 6 | DIN 2999-1 | Außengewinde für Gewinderohre und Fittings | ||
| R 1⁄8-1 | 1⁄8 – 1 1⁄2 | DIN 2858 | Außengewinde für Rohrverschraubungen | |||||
| 1) Vollständige Bezeichnungen sind in den entsprechenden in der Tabelle aufgeführten Normen enthalten. | ||||||||
Trapezgewinde:
| Trapezgewinde nach Normen | ||||||||
| Benennung | Profilskizze | Flanken-winkel | Kenn- buch- staben | Kurzbezeichnung1) Beispiel | Nenngröße [mm] | nach Norm | Anwendung | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| metrisches ISO-Trapezgewinde (ein- und mehrgängig) | 30° | Tr | Tr 40 × 7 | 8 – 300 | DIN 103-1 bis 103-8 | allgemein | ||
| Tr 40 × 14 P 7 | ||||||||
| flaches, metrisches ISO-Trapezgewinde (ein- und mehrgängig) | Tr 40 × 14 | DIN 380-1 und 380-2 | ||||||
| Tr 40 × 14 P 7 | ||||||||
| Trapezgewinde (ein- und mehrgängig) mit Spiel | Tr 48 × 12 | 48 | DIN 263-1 und 263-2 | für Schienenfahrzeuge | ||||
| Tr 40 × 16 P 8 | 40 | |||||||
| Tr 32 × 1,5 | 10 – 56 | DIN 6341-2 | für Zug-Spannzangen | |||||
| gerundetes Trapezgewinde | Tr 40 × 5 | 26 – 80 | DIN 30295-1 und DIN 30295-2 | für Schienenfahrzeuge | ||||
| Trapezgewinde | 20° | KT | KT 22 | 10 – 50 | DIN 6063-2 | für Kunststoffbehältnisse | ||
| 1) Vollständige Bezeichnungen sind in den entsprechenden in der Tabelle aufgeführten Normen enthalten. | ||||||||
Sägengewinde:
| Sägengewinde nach DIN-Normen | ||||||||
| Benennung | Profilskizze | Flanken-winkel | Kenn- buch- staben | Kurzbezeichnung1) Beispiel | Nenngröße [mm] | nach Norm | Anwendung | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| metrisches Sägengewinde (ein- und mehrgängig) | eine Gewindeflanke um 3° senkrecht zur Bolzenachse geneigt | 30° | S | S 48 × 8 | 10 – 640 | DIN 513-1 bis DIN 513-3 | bei Aufnahme von einseitig wirkenden Kräften | |
| S 40 × 14 P 7 | ||||||||
| Sägengewinde 45° | eine Gewindeflanke senkrecht zur Bolzenachse | 45° | S | S 630 × 20 | 100 – 1250 | DIN 2781 | für hydraulische Pressen | |
| Sägengewinde | eine Gewindeflanke um 3° senkrecht zur Bolzenachse geneigt | 30° | S | S 25 × 1,5 | 6 – 40 | DIN 20401-1 und DIN 20401-2 | im Bergbau | |
| S 22 | 10 – 50 | DIN 55525 | für Kunststoffbehältnisse im Verpackungswesen | |||||
| hintere Gewindeflanke um 10° senkrecht zur Bolzenachse geneigt | GS | GS 22 | ||||||
| KS | KS 22 | |||||||
| 40° + 10° | KS 22 | 10 – 50 | DIN 6063-1 | für Kunststoffbehältnisse im Verpackungswesen | ||||
Das Milchgewinde (siehe DIN 11851 sowie DIN 405) ist ein metrisches Rundgewinde mit grober Steigung, um die Reinigung zu erleichtern.
Die verbindlichen Definitionen der Gewinde-Kenngrößen sind, unabhängig von der Gewindeart, in DIN 2244 und ISO 5408 festgelegt. Beide Normen stimmen nahezu überein.
Zudem muss grundsätzlich zwischen den Nominalmaßen und den zulässigen Grenzmaßen unterschieden werden. So hat z. B. der Flankendurchmesser des metrischen ISO-Regelgewindes M16x2 (für Außen- und Innengewinde) einen Nennwert von 14,701 mm, das entsprechende Außengewinde muss aber beim üblichen Außengewinde-Toleranzfeld 6g einen Flankendurchmesser zwischen 14,503 und 14,663 mm aufweisen.
Mit Ausnahme von mehrgängigen und zölligen Gewinden entspricht die Steigung dem Abstand zwischen zwei Gewindefurchen (der Teilung). Der Steigungswinkel lässt sich aus der Steigung und (Flanken-)Durchmesser des Gewindes berechnen. Bei einem zweigängigen Gewinde entspricht der Abstand zwischen benachbarten Gewindegängen der Hälfte der Steigung.



Eingängige Gewinde sind die Regel, sie dienen vorwiegend der Befestigung. Es gibt nur einen Gewindegang und entsprechend nur einen Anlauf am Ende des Gewindes.
Bei zweigängigen Gewinden verlaufen zwei Gewindegänge parallel um den Schraubenschaft. Die Anläufe der beiden Gewindegänge liegen sich am Ende des Gewindes gegenüber. Der Steigungswinkel vergrößert sich (die in Prozent ausgedrückte Neigung verdoppelt sich).
Mehrgängige Gewinde werden nur dann zu Befestigungszwecken eingesetzt, wenn die Reibung im Gewinde oder am Schraubenkopf ausreichend hoch ist, wie etwa bei Verschraubungen in Holz, Blech oder Gips. Die Verbindung würde sich sonst lösen.
Mehrgängige Gewinde werden in der Regel eingesetzt, um bei gleichbleibenden Gewindeprofil die Steigung zu erhöhen. Bei einer Gewindespindel verdoppelt sich bei einem zweigängigen Gewinde der Hub der betätigten Vorrichtung pro Umdrehung. Teilweise werden zweigängige Holz- und Trockenbauschrauben verwendet, um die Einschraubgeschwindigkeit zu erhöhen.
Mehrgängige Gewinde können ebenso verwendet werden, um ein Feingewinde mit der gleichen Steigung eines Standard-Gewindes herzustellen. Beispielsweise kann es bei einem dünnwandigen Zylinder sinnvoll sein, ein Feingewinde zu verwenden, um die Kerbwirkung der tieferen Gewindefurchen eines Standardgewindes zu verringern.
Kraftverstärkung und Selbsthemmung sind bei mehrgängigen Gewinden kleiner als beim Regelgewinde, da umgekehrt proportional zur Zahl der Gänge.
Schraubverschlüsse von Konservengläsern sind mehrgängig ausgeführt, um den Deckel mit kurzer Drehung lösen und festziehen zu können. Ein eingängiges Gewinde würde nur an einer Position eingreifen, während es bei einer viergängige Verschraubung höchstens einer Viertelumdrehung bedarf, um den Deckel zu verschließen. Aufgrund des großen Gewindedurchmesser liegt der Steigungswinkel trotz mehrgängiger Ausführung nicht im Bereich eines Steilgewindes. Wegen der Reibung zwischen Deckelblech und Gewinde im Glas sowie insbesondere zwischen der gummierten Innenseite des Deckels und dem Glasrand löst sich die Schraubverbindung nicht.
Mehrgängige Steilgewinde sind teilweise an Flaschen für Kosmetika oder Getränken sowie an Füllerkappen zu finden, die mit kurzer Drehung geöffnet werden sollen. Teilweise sind Zusatzmaßnahmen erforderlich, um das selbsttätige Öffnen des Verschlusses zu verhindern. So rastet die Kappe bei manchen Verschlüssen am Ende der Drehung ein oder sie wird innenseitig gummiert, um die Reibung zu erhöhen. Die Selbsthemmung erhöht sich bei geringer werdenden Gewindesteigung, die etwa durch eine Vergrößerung des Durchmessers oder Verwendung eineres feineren Gewindeprofils erreicht werden kann.

In der Sanitär- (Gas- und Wasserleitungen) und Heiztechnik (z. B. Heizkörperanschlüsse) werden zur Herstellung von lösbaren Rohrverbindungen neben Flanschverbindungen und einigen moderneren Varianten traditionell überwiegend Rohrgewinde verwendet.
Die Kenngröße wird in Zoll angegeben. Diese bezog sich ursprünglich auf den Innendurchmesser bzw. die nominale Nennweite (DN) von mittelschweren Gewinderohren. Um die Kompatibilität der Gewinde zu gewährleisten, werden leichte und schwere Gewinderohre trotz unterschiedlicher Wandstärken aber mit dem gleichen Außendurchmesser gefertigt, so dass sich abweichende Innendurchmesser ergeben. Der tatsächliche Innendurchmesser weicht also mehr oder weniger stark vom angegebenen Zollmaß und der Nennweite des Rohres ab:
In Europa ist das Whitworth-Rohrgewinde verbreitet, das in Großbritannien als British Standard Pipe (BSP) bezeichnet wird. Die Abkürzung BSP wird in Deutschland gelegentlich zur Bezeichnung zylindrischer Rohrgewinde verwendet. Unterschieden werden:
Bezeichnungsbeispiele für im Gewinde dichtende Gewinde:
Bezeichnungsbeispiele für nicht im Gewinde dichtende Gewinde:
(A, B bezeichnen die Toleranzklasse; G-Gewinde haben einen größeren Toleranzbereich als Rp-Gewinde.)
Auf dem amerikanischen Kontinent ist hingegen das US-amerikanische NPT (National Pipe Thread) gebräuchlich. Die Maßangabe umfasst bei NPT-Gewinden neben der Durchmesserkodierung die Anzahl der Gewindegänge auf einem Zoll. Wegen der unterschiedlichen Gangzahl je Zoll und geringfügiger Unterschiede im Durchmesser sind BSP- und NPT-Gewinde untereinander nicht vollständig verschraubbar. Erkennbar wird dies, wenn sich das Gewinde gar nicht oder nur einige (wenige) Umdrehungen einschrauben lässt.
Kegelige Rohraußengewinde werden oft aufgeraut, insbesondere wenn sie aus Messing bestehen, damit sich das um das Gewinde gewickelte Dichtmaterial (EN 751) beim Eindrehen nicht verschiebt.
Ein Stahlpanzerrohrgewinde (früher auch PG-Gewinde) wird zur Verschraubung von Leitungsverlegerohren in der Elektroinstallation verwendet. Da die Rohre relativ dünnwandig sind, darf die Gewindetiefe auch nicht sehr groß sein.

Edison-Gewinde werden als Rundgewinde in Blech gedrückt/gewalzt/geprägt und auch für Schraubsicherungen und Heizelemente verwendet. Gängige Größen sind E5,5 (z. B. Modellbaulampen), E10 (Taschenlampe, Fahrradlicht), E14 (Mignon), E27 (Normal), E40 (leistungsstarke Metalldampf- und Scheinwerferlampen), wobei die Zahl den Durchmesser in mm angibt.
Kugelgewinde werden in die Oberfläche von Kugelgewindespindeln gerollt oder geschliffen, während Rollengewinde mit speziellen Schleifprozessen in die Oberfläche der Rollengewindespindel geschliffen werden. Kugel- und Rollengewindetriebe werden als Antriebselemente in der Lineartechnik eingesetzt, etwa zum Verfahren des Supports einer Drehmaschine.


In technischen Zeichnungen werden Gewinde (Außengewinde, Innengewinde und Gewindebohrungen) durch genormte, symbolische Darstellung abgebildet, die in der ISO 6410 näher genormt sind.
Die Darstellung des Außengewindes (Bolzengewinde) und Innengewinde (Muttergewinde) ist in der technischen Zeichnung unterschiedlich. Für die Draufsicht gilt:
Für die Seitenansicht gilt:
Wird in der Zeichnung ein Bolzen in einem Muttergewinde dargestellt, dann hat die Darstellung des Bolzens Vorrang (siehe auch ISO 6410-1).
Üblicherweise werden Gewinde verwendet, die der internationalen Normung unterworfen sind. Abweichend gibt es hin und wieder Hersteller, die aus verschiedensten Gründen von der Norm abweichende Gewinde anwenden. Das kann sicherheits- oder konstruktionsbedingt sein oder aber aus Konkurrenzgründen, so dass man auf jeden Fall auf Originalersatzteile zurückgreifen muss.
Abmessungen der gebräuchlichen Gewinde und allgemeine Bezeichnungsweisen finden sich in Tabellenbüchern oder in kostenpflichtig zu beziehenden Normen.
Die Archimedische Schraube hat eine Schraubenlinie. Sie ist um 200 v. Chr. im antiken Ägypten nachgewiesen und wurde für die Bewässerung eingesetzt. Eine Paarung von Innen- und Außengewinde ist hier nicht realisiert.
In Mitteleuropa tauchen Gewinde als Paarung von Innen- und Außengewinden dann in zahlreichen Abbildungen von Baumkeltern auf, Hintergrund dieser Abbildungen ist das biblische Motiv „Christus in der Kelter“. Es dürfte sich hierbei durchweg um Holzgewinde gehandelt haben, wie diese auch noch im 19. Jahrhundert bei solchen Keltern in Gebrauch waren. Die frühesten dieser Abbildungen (Fresken und Miniaturen) datieren ins 12. Jahrhundert, Hinweise auf andere Anwendungen solcher Gewinde fehlen dann aber für die nächsten drei Jahrhunderte. Auf einer Abbildung eines Schwerlastkranes von Francesco di Giorgio ist eine hölzerne Spindel dargestellt. Das Bild dürfte in etwa um 1480 entstanden sein.
Um 1800 verbesserte Henry Maudslay die Leitspindel der Drehbank dergestalt, dass die getrennte Herstellung von Außen- und Innengewinde möglich wurde. Bis dahin war das Paar Schraube und Mutter immer eine nicht austauschbare Einheit. Bei Maschinen wurden diese Paare gekennzeichnet, um die Übersicht zu behalten. Maudslay begann mit der Normung des Gewindes.
Joseph Whitworth (1803–1887) baute hierauf auf. Er legte nach systematischen Untersuchungen den Flankenwinkel von 55° fest. Zusammen mit der Steigung gab es nun eine verlässliche Norm für die Paarung von Außen- und Innengewinde.