Strafvollzugsgesetze in Deutschland

Die deutschen Strafvollzugsgesetze regeln den Vollzug der Freiheitsstrafe in Justizvollzugsanstalten, in einigen Bundesländern auch den Vollzug der Jugendstrafe.

Bundesgesetz

Basisdaten
Titel:Gesetz über den Vollzug der Freiheitsstrafe und der freiheitsentziehenden Maßregeln
der Besserung und Sicherung
Kurztitel: Strafvollzugsgesetz
Abkürzung: StVollzG
Art: Bundesgesetz
Geltungsbereich: Bundesrepublik Deutschland
Rechtsmaterie: Strafvollzugsrecht
Fundstellennachweis: 312-9-1
Erlassen am: 16. März 1976
(BGBl. I S. 581, ber. S. 2088,
ber. 1977 I S. 436)
Inkrafttreten am: 1. Januar 1977
Letzte Änderung durch: Art. 8 G vom 22. Dezember 2025
(BGBl. 2025 I Nr. 349 vom 22. Dezember 2025)
Inkrafttreten der
letzten Änderung:
23. Dezember 2025 (Art. 26 Abs. 1 G vom 22. Dezember 2025)
GESTA: C211
Bitte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung beachten.

Das Strafvollzugsgesetz (StVollzG) ist ein deutsches Bundesgesetz, das seit 1977 den Vollzug der Freiheitsstrafe Erwachsener in Justizvollzugsanstalten und der freiheitsentziehenden Maßregeln der Besserung und Sicherung regelte (§ 1 StVollzG).

Seit die Gesetzgebungskompetenz für den Strafvollzug im Rahmen der Föderalismusreform mit Wirkung zum 1. September 2006 vom Bund auf die Länder übergegangen ist, gilt das StVollzG gem. Art. 125a Abs. 1 GG als Bundesrecht weiter, kann aber durch Landesrecht ersetzt werden. Von dieser Möglichkeit haben inzwischen alle Bundesländer Gebrauch gemacht.

Das Bundesgesetz gilt aber noch für den Vollzug von Ordnungs-, Sicherungs-, Zwangs- und Erzwingungshaft (§§ 171–175) sowie für das Rechtsbehelfs- und gerichtliche Verfahren, da den Ländern insoweit nicht die Gesetzgebungskompetenz übertragen wurde.

Geschichte

Im Jahr 1934 hatte der damalige Reichsjustizminister Franz Gürtner eine Rechtsverordnung zum Strafvollzug erlassen.

Vom 1. Dezember 1961 datiert eine Dienst- und Vollzugsordnung (DVollzO), die von der Justizministerkonferenz verabschiedet worden und in Lehre und Rechtsprechung umstritten war.

Nach der Theorie des Sonderrechtsverhältnisses (auch besonderes Gewaltverhältnis) bedurften Grundrechtseinschränkungen von Personen, die in einem besonders engen Bezug zum Staat standen, keiner gesetzlichen Grundlage. Ein Strafvollzugsgesetz hielt man nicht für verfassungsrechtlich geboten. Mit dem Strafgefangenen-Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1972 wurde diese Theorie aufgegeben und der Gesetzgeber zum Erlass eines Strafvollzugsgesetzes angehalten.

Inhalt des Strafvollzugsgesetzes von 1976

Das StVollzG regelt den Vollzug der Freiheitsstrafe in Justizvollzugsanstalten und der freiheitsentziehenden Maßregeln der Besserung und Sicherung (§ 1 StVollzG).

Gemäß § 2 Satz 1 StVollzG soll „[im] Vollzug der Freiheitsstrafe […] der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel)“. Somit ist das Ziel des Strafvollzugs die Resozialisierung des Gefangenen. Allerdings trägt der gesamte Paragraph die Überschrift „§ 2 Aufgaben des Vollzuges“. § 2 S. 2 StVollzG lautet: „Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten“, ohne dass in diesem Satz das Wort Ziel vorkommt. Hieraus kann man schließen, dass die Resozialisierung des Gefangenen alleiniges Vollzugsziel ist, während der Schutz der Allgemeinheit lediglich eine ergänzende Aufgabe darstellt, so dass die soziale Integration klare Priorität vor allen anderen Aufgaben hat. Im Gegensatz z. B. zum Niedersächsischen Justizvollzugsgesetz (NJVollzG) besteht danach keine Zielpluralität. Des Weiteren soll das Leben im Strafvollzug den allgemeinen Lebensverhältnissen so weit wie möglich angepasst werden, schädlichen Folgen des Strafvollzugs ist entgegenzuwirken. Der Gefangene soll befähigt werden, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern (§ 3 StVollzG). Außerdem ist die Bereitschaft des Gefangenen zu wecken, an seiner Behandlung sowie an der Gestaltung des Vollzugszieles mitzuarbeiten (§ 4 StVollzG).

Gefangene, die sich durch Maßnahmen der Anstalt in ihren Rechten verletzt fühlen, können ihr Anliegen gegenüber dem Anstaltsbeirat bei ihrer JVA, dem Justizvollzugsbeauftragten des Landes (derzeit nur in NRW) vorbringen oder Rechtsschutz bei den Gerichten (Strafvollstreckungskammer, Oberlandesgericht) suchen. Die Effektivität dieses Rechtsschutzes ist allerdings umstritten.

Strafgefangene sind grundsätzlich zur Arbeit verpflichtet (§ 41 StVollzG). Das Bundesverfassungsgericht hat im Juni 2023 entschieden, dass dem Strafvollzug ein Resozialisierungskonzept zu Grunde liegen muss. In diesem sind auch die Zwecke der Vergütung von Gefangenenarbeit zu nennen. Die Ausgestaltung und Höhe der Vergütung muss an die genannten Zwecke anknüpfen.

Auch Berufsausbildung und Studium im Gefängnis dienen der Resozialisierung als Vollzugsziel.

Landesgesetze

Jugendstrafvollzug

Mit Urteil vom 31. Mai 2006 forderte das Bundesverfassungsgericht auch eine gesetzliche Regelung des Jugendstrafvollzugs. In manchen Bundesländern regeln seitdem eigene Jugendstrafvollzusgesetze den Vollzug der Jugendstrafe und den Vollzug der Freiheitsstrafe nach § 114 des Jugendgerichtsgesetzes (JGG). In anderen Bundesländern wurden die Erwachsenenvollzugsgesetze um Regelungen für den Jugendstrafvollzug ergänzt.

Eigene Jugendstrafvollzugsgesetze haben erlassen:

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes (Art. 22, 23, 33, 52, 72, 73, 74, 74a, 75, 84, 85, 87c, 91a, 91b, 93, 98, 104a, 104b, 105, 107, 109, 125a, 125b, 125c, 143c) vom 28. August 2006, BGBl. I S. 2034
  2. 1 2 3 vgl. Vorschriften der Länder auf dem Gebiet des Strafvollzugs beck-online.de, abgerufen am 17. Februar 2024.
  3. ↑ Bundesrechtliche Aspekte der Resozialisierung im Strafvollzug. Sachstand, Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages vom 30. Juli 2024, S. 8.
  4. ↑ Verordnung über den Vollzug von Freiheitsstrafen und von Maßregeln der Sicherung und Besserung, die mit Freiheitsentziehung verbunden sind vom 14. Mai 1934, RGBl. I S. 383
  5. ↑ "Der Strafvollzug ist der Lackmustest einer Gesellschaft". Interview mit Annelie Ramsbrock über Resozialisierung in westdeutschen Gefängnissen, Website der Gerda Henkel Stiftung, 17. Januar 2017
  6. ↑ Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 14. März 1972 – BVerfGE 33, 1, Rdnr. 17 f.
  7. ↑ vgl. Horst Schüler-Springorum: Strafvollzug im Übergang, 1969, S. 59 ff.; Heinz Müller-Dietz: Strafvollzugsgesetzgebung und Strafvollzugsreform, 1970, S. 86 ff., je mit ausführlichen Rspr.- und Lit.-Nachweisen
  8. ↑ vgl. Entwurf eines Gesetzes über den Vollzug der Freiheitsstrafe und der freiheitsentziehenden Maßregeln der Besserung und Sicherung — Strafvollzugsgesetz (StVollzG) BT-Drs. 7/918 vom 23. Juli 1973
  9. ↑ Feest/Lesting/Selling 1997.
  10. ↑ Bundesverfassungsgericht - Presse - Gesetzliche Regelungen zur Vergütung von Gefangenenarbeit in Bayern und Nordrhein-Westfalen sind verfassungswidrig. Abgerufen am 27. November 2023.
  11. ↑ GBl. S. 545.
  12. ↑ GVBl. S. 866. BayRS 312-2-1-J
  13. ↑ GVBl. S. 275. BayRS 312-0-J.
  14. ↑ GVBl. S. 71. BRV 350-7.
  15. ↑ GVBl. S. 152. BRV 250-8.
  16. ↑ GVBl. I Nr. 14. Sa BbgLR 481-1.
  17. ↑ Brem.GBl. S. 172. Sa BremR 312–f–2.
  18. ↑ Brem.GBl. S. 639. Sa BremR 312–h–1.
  19. ↑ HmbGVBl. S. 257. BS Hbg 3120-3.
  20. ↑ HmbGVBl. S. 211. BS Hbg 450-4.
  21. ↑ GVBl. I S. 185. FFN 24-42.
  22. ↑ GVBl. S. 46. FFN 24-46.
  23. ↑ GVOBl. M-V S. 322. GS Meckl.-Vorp. 312-10.
  24. ↑ GVOBl. M-V S. 348, ber. S. 430. GS Meckl.-Vorp. 312-11.
  25. ↑ Nds. GVBl. S. 106. VORIS 34210.
  26. ↑ GV. NRW. S. 76. SGV. NRW. 46.
  27. ↑ GV. NRW. S. 212. SGV. NRW. 46.
  28. ↑ GVBl. S. 79. BS Rh-Pf 35-1.
  29. ↑ GVBl. S. 79, 102. BS Rh-Pf 35-2.
  30. ↑ GVBl. S. 218.
  31. ↑ GVBl. S. 487. BS Rh-Pf 3216-4.
  32. ↑ Amtsbl. I S. 116.
  33. ↑ Amtsbl. I S. 146. Gesetz Nr. 1807.
  34. ↑ SächsGVBl. S. 250. BS Sachsen 311-13.
  35. ↑ SächsGVBl. S. 294. BS Sachsen 311-14.
  36. ↑ GVBl. LSA S. 206. BS LSA 450.3.
  37. ↑ GVBl. LSA S. 666. BS LSA 312.16.
  38. ↑ GVOBl. Schl.-H. S. 169. GS Schl.-H. II, Gl.Nr. 450-5.
  39. ↑ GVBl. S. 13.
  40. ↑ GVBl. S. 121.
  41. ↑ BVerfG, Urteil vom 31. Mai 2006 - 2 BvR 1673/04, 2 BvR 2402/04
  42. ↑ vgl. beispielsweise Gesetz über den Vollzug der Jugendstrafe in Berlin (Berliner Jugendstrafvollzugsgesetz – JStVollzG Bln) vom 15. Dezember 2007
  43. ↑ vgl. beispielsweise Gesetz zur Umsetzung der Föderalismusreform im Justizvollzug Landtag von Baden-Württemberg, Drucksache 14/5411, Gesetzesbeschluss vom 4. November 2009
  44. ↑ Jugendstrafvollzugsgesetz IV: (Jugend-)Strafvollzugsgesetze der Länder Linksammlung auf der Website der DVJJ, 15. März 2012
  45. ↑ GVBl. S. 152, 171. BRV 350-1.
  46. ↑ Brem.GBl. S. 233. Sa BremR 312–d–1.
  47. ↑ HmbGVBl. S. 257. BS Hbg 3120-4.
  48. ↑ GVBl. I S. 758. FFN 24-39.
  49. ↑ GVOBl. M-V S. 427. GS Meckl.-Vorp. Gl. Nr. 312-3.
  50. ↑ GVOBl. M-V S. 302. GS Meckl.-Vorp. Gl. Nr. 312-15.
  51. ↑ GV. NRW. S. 511. SGV. NRW. 46.
  52. ↑ GV. NRW. S. 203. SGV. NRW. 46.
  53. ↑ GVBl. S. 354. BS Rh-Pf 35-4.
  54. ↑ BGBl. I S. 3270. FNA 451-1-1.
  55. ↑ BGBl. I S. 1864.
  56. ↑ Amtsbl. S. 2370. Gesetz Nr. 1631.
  57. ↑ SächsGVBl. S. 558. BS Sachsen 311-5.
  58. ↑ GVOBl. Schl.-H. S. 1170, 1177. GS Schl.-H. II, Gl.Nr. 312-20.