Stabelektrode

Stabelektroden

Die Stabelektrode ist ein mineralisch umhüllter Metallstab, der zum Elektroschweißen verwendet wird.

Geschichte

Stabelektroden zum Lichtbogenhandschweißen

Aufbau

Die Stabelektrode besteht aus einem metallischen Kernstab und einer Umhüllung. Der Werkstoff des Kernstabes richtet sich nach dem zu schweißenden Werkstoff und dessen chemischer Zusammensetzung. Meistens ist dieser Zusatzwerkstoff mit einer Umhüllung umgeben, die Zusätze enthält, um das Schweißen zu erleichtern, das Schweißgut zu schützen und den Prozess metallurgisch zu beeinflussen.

Die Schweißelektrode wird über den Schweißelektrodenhalter an eine Schweißstromquelle angeschlossen. Wird die Elektrode in unmittelbare Nähe des metallischen Werkstücks gebracht, bildet sich ein Lichtbogen, der Werkstoff und Elektrode aufschmilzt und verbindet. Zusätzlich sind Stoffe enthalten, die zur Bildung von Schlacke führen. Sie dient als Flussmittel zur Verringerung der Oberflächenspannung des aufgeschmolzenen Werkstoffs, sorgt für eine gleichmäßige Abkühlung und bindet Verunreinigungen.

Die Umhüllungen der Elektroden haben im Wesentlichen folgende Aufgaben:

  • Ionisierung und Stabilisierung des Lichtbogens durch Beimengungen (z. B. durch Rutil)
  • Ausgleich des Ausbrands der Legierungsbestandteile durch entsprechende Beigaben
  • Erhöhung der Ausbringung (z. B. beim Auftragschweißen)
  • gleichmäßige Abkühlung der Schweißnaht
  • Abschirmung des Schmelzgutes durch Schutzgase gegen Stickstoff und Sauerstoff (Versprödung, Porenbildung, Oxidation der Schweißnaht verhindern)

Kurzzeichen der Umhüllungsstoffe nach DIN EN 499 bzw. EN ISO 2560

AbkürzungArt der ElektrodeVerwendung
Asauer (acid)
RRutil (Titanoxyd, TiO2)
ARrutilsauer
RRRutil, dick umhüllt
CZellulose (cellulose)
R(C)Rutilzellulose
RR(C)Rutilzellulose, dick umhüllt
Bbasisch
R(B)Rutil mit basischen Anteilen
RR(B)rutilbasisch, dick umhüllt

Feuchtigkeitsaufnahme der Umhüllung

Je nach Material kann der Feuchtegehalt der Umhüllung die Schweißeigenschaften der Stabelektrode stark beeinflussen.

Über den Herstellungsprozess kann die Ausgangsfeuchte der Umhüllung beeinflusst werden, die größtenteils als Kristallwasser oder Konstitutionswasser in chemisch gebundener Form im Bindemittel (meist Wasserglas) der Umhüllung vorliegt.

Zellulose- und rutil-umhüllte Stabelektroden (z. B. Umhüllungstypen C, R und RC) werden bei niedriger Temperatur (ab 80 °C) getrocknet und besitzen bereits zum Zeitpunkt der Herstellung einen gewissen Feuchtegehalt. Andere Elektrodenumhüllungen werden bei bis zu 500 °C getrocknet, sind aber hygroskopisch und nehmen im Laufe der Zeit Wasser aus der Luft auf. Die Feuchtigkeitsaufnahme ist abhängig von Material, Ausgangsfeuchte und Luftfeuchte. Dieses physikalisch gebundene Wasser (Kapillarwasser) lässt sich durch das sogenannte Rücktrocknen der Elektroden fast vollständig austreiben.

Unlegierte und niedriglegierte Stabelektroden mit Umhüllung der Klassen A, R, RR, RC, RA und RB müssen in der Regel nicht rückgetrocknet werden. Lediglich bei einem ungewöhnlich hohen Feuchtigkeitsgehalt, der etwa zu einer Porenbildung der Umhüllung geführt hat, kann eine einstündige Trocknung bei 100 bis 120 °C vorgenommen werden. Zelluloseumhüllte Elektroden sollen jedoch grundsätzlich nicht rückgetrocknet werden.

Eine Rücktrocknung sollte vorgenommen werden bei

  • nicht oder niedrig legierten, basisch umhüllten Stabelektroden für Stähle mit Streckgrenze Re bzw. Rp0,2 von 355 N/mm² oder mehr, bei 300 bis 350 °C, um einer Rissbildung durch Wasserstoffaufnahme vorzubeugen. Basisch umhüllte Elektroden sollten nicht öfter als 3 mal für insgesamt 10 Stunden rückgetrocknet werden.
  • Elektroden für nichtrostende Stähle sowie für Nickellegierungen.

Eine Rücktrocknung ist nicht notwendig, wenn die Elektroden in einer feuchtigkeitsundurchlässigen Verpackung gelagert wurden.

Bereits getrocknete Elektroden können bei 120 bis 200 °C für max. 4 Wochen zwischengelagert werden.

Auswahl von Stabelektroden

Die Auswahl von Stabelektroden erfolgt nach werkstoff- und schweißtechnischen Gesichtspunkten. Dabei wird zuerst ein Vergleich der mechanischen Gütewerte des Schweißzusatzes mit den Gütewerten des Grundwerkstoffes vorgenommen, wobei die Mindestanforderungen des Grundwerkstoffes auch im reinen Schweißgut erreicht werden müssen.

Für die Auswahl von Stabelektroden können folgende Kriterien genannt werden:

Die Auswahl der umhüllten Stabelektroden erfolgt meist nach den Katalogen für Schweißzusätze der Herstellerfirmen.

Stabelektrodenbezeichnung nach DIN EN ISO 2560-A (Unlegierte Stähle und Feinkornstähle)

Beispiel: E 38 2 B 1 2 H5

Zugfestigkeit in N/mm²; hier 470–600 N/mm²
Bruchdehnung in %; hier 20 %
Stromart; hier: Gleich- und Wechselstrom

Die DIN EN ISO 2560-A:2010-03 verwendet nur noch MPa statt N/mm²; der diffusible Wasserstoffgehalt wird in ml/100 g Schweißgut bezeichnet.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Weldscript to unleash your welding potential – Lichtbogen-handschweißen. (PDF) Wissenswertes zur Geschichte des Lichtbogen-Handschweissens. Fronius, abgerufen am 14. März 2025.
  2. ↑ P. Alexander: The electric arc and its function in the new welding processes. In: IEEE (Hrsg.): Journal of the A.I.E.E. Band 46, 12. Dezember 1927, doi:10.1109/JAIEE.1927.6538149 (englisch).
  3. 1 2 The Best for the Best. Die Geschichte des E-Handschweißens. voestalpine Böhler Welding, 3. September 2018, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 15. März 2025.
  4. ↑ Patent DE231733C: Elektrode und Verfahren zum elektrischen Löten. Angemeldet am 27. Juni 1908, veröffentlicht am 28. Februar 1911, Erfinder: Oscar Kjellberg.‌
  5. 1 2 3 Umgang mit umhüllten Stabelektroden – Transport, Lagerung und Rücktrocknung Merkblatt DVS 0957 (Ersatz für DVS 0504 von April 1988), DVS – Deutscher Verband für Schweissen und verwandte Verfahren e. V., Ausschuss für Technik, Arbeitsgruppe „Lichtbogenschweißen“, DVS-Verlag GmbH, Juli 2005.
  6. 1 2 3 4 ESAB Welding & Cutting GmbH (Hrsg.): ESAB Schweisszusätze Deutschland – Österreich – Schweiz 2023. Q15 – Empfehlungen für die Lagerung und Rücktrocknung von Stabelektroden. 2023, S. 651 (esab.com [PDF]).