Standardsoftware

Als Standardsoftware (Packaged Software) werden Softwarepakete bezeichnet, die einen klar definierten Anwendungsbereich abdecken und als vorgefertigte Produkte erworben werden können. Im Gegensatz dazu wird Individualsoftware gezielt für den speziellen Einsatz bei einem Kunden bzw. Unternehmen entwickelt. Gelegentlich wird noch zwischen Standardanwendungssoftware und Standardsystemsoftware unterschieden; im Bereich der Systemsoftware ist allerdings der Einsatz von Standardsoftware so üblich, dass dieser Begriff kaum verwendet und auf diese Unterscheidung meist verzichtet wird.

Klassifizierung

Im Bereich der Anwendungssoftware kann Standardsoftware unterteilt werden in die Bereiche funktionsbezogene bzw. funktionsübergreifende Standardsoftware sowie Branchensoftware.

Funktionsbezogene oder funktionsübergreifende Standardsoftware ist branchenneutral (Horizontaler Markt) und auf einen bestimmten Einsatzbereich zugeschnitten, der in vielen Fällen stark geregelt ist, beispielsweise durch gesetzliche Vorgaben. Der Übergang zwischen funktionsbezogener und -übergreifender Software ist fließend, typische Beispiele für funktionsbezogene Standardsoftware sind Buchhaltungssoftware, CAD oder Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme (PPS). Funktionsübergreifende Standardsoftware dagegen kann in mehreren Funktionsbereichen des Unternehmens eingesetzt werden, dies gilt beispielsweise für Office-Pakete oder ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning). Letztere werden auch als integrierte Systeme bezeichnet, da sie eine Bündelung mehrerer funktionsbezogener Module darstellen. Der Einsatz integrierter Systeme hat den Vorteil, eine redundante Datenspeicherung zu vermeiden.

Auch weil der Bereich der funktionsbezogenen oder -übergreifenden Standardsoftware mittlerweile in fast allen Bereichen von wenigen Anbietern dominiert wird, wird insbesondere von kleineren Anbietern Branchensoftware angeboten. Diese Software ist auf die speziellen Anforderungen und Gegebenheiten der Unternehmen einer Branche (Vertikaler Markt) zugeschnitten.

Einführung

Die Einführung von Standardsoftware kann ähnlich wie die Einführung von Individualsoftware erfolgen. Insbesondere bei großen Standardsoftwaresystemen beinhaltet die Einführung nicht nur die Installation und Schulung der Anwender, sondern auch eine Konfiguration der Software. Die Konfiguration einer Standardsoftware bezeichnet man als Customizing. Bei Einführung von Standardsoftware handelt es sich dabei um ein großes Projekt, das in der Regel den Einsatz von externen Beratern erfordert.

Für die Einführung von Standardsoftware gibt es grob zwei grundlegende Strategien:

Vor- und Nachteile gegenüber Individualsoftware

Grundsätzlich hängt es vom konkreten Fall ab, ob der Einsatz von Standard- oder Individualsoftware günstiger ist. Als Hauptvorteil des Einsatzes von Standardsoftware werden meist die geringeren Kosten genannt, was sich allerdings häufig aufgrund erforderlicher Anpassungen (Konfiguration) an vorhandene Systembestandteile relativiert. Wegen der Anpassbarkeit vieler Standardsoftwareprodukte ist aber auch das Hauptargument für den Einsatz von Individualsoftware, nämlich die Möglichkeit des Zuschneidens auf die individuellen Gegebenheiten, ein wenig entkräftet.

Weiterhin werden oft folgende Vorteile für den Einsatz von Standardsoftware genannt:

In vielen Fällen ist es nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich, Standardsoftware einzusetzen. Insbesondere, wenn sehr spezielle Anforderungen hinsichtlich bestehender Infrastruktur bestehen (etwa, weil viele komplexe Schnittstellen zu Fremdsystemen zu berücksichtigen sind) oder sehr spezielle und komplexe Geschäftsprozesse abgebildet werden müssen, ist die Implementierung von Individualsoftware unumgänglich.

Weitere Nachteile für den Einsatz von Standardsoftware sind:

Einzelnachweise

  1. ↑ Bettina Schwarzer, Helmut Krcmar: Wirtschaftsinformatik: Grundlagen betrieblicher Informationssysteme. 5. Auflage. Schäffer-Poescher Verlag, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-7910-3397-6, S. 132.
  2. ↑ Perter Mertens, Freimut Bodendorf, Wolfgang König, Matthias Schumann, Thomas Hess, Peter Buxmann: Grundzüge der Wirtschaftsinformatik. 12. Auflage. Springer Gabler, Berlin / Heidelberg 2012, ISBN 978-3-662-53361-1, S. 135.
  3. 1 2 3 4 5 Peter Mertens, Freimut Bodendorf, Wolfgang König, Matthias Schumann, Thomas Hess, Peter Buxmann: Grundzüge der Wirtschaftsinformatik. 12. Auflage. Springer Gabler, Berlin / Heidelberg 2012, ISBN 978-3-662-53361-1, S. 136.
  4. 1 2 3 4 Bettina Schwarzer, Helmut Krcmar: Wirtschaftsinformatik: Grundlagen betrieblicher Informationssysteme. 5. Auflage. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-7910-3397-6, S. 134–135.