
Der Staatliche Pensionsfonds des Königreichs Norwegen (norwegisch Statens pensjonsfond) umfasst den norwegischen Ölfonds unter Management der Norges Bank Investment Management sowie den nationalen Versicherungsfonds unter Verantwortung des staatlichen Vermögensverwalters Folketrygdfondet.
Der norwegische Ölfonds (norwegisch Oljefondet) ist dabei der größte Staatsfonds der Welt. Durch ihn sollen die staatlichen Öleinnahmen investiert werden, um für die Zeit vorzusorgen, in der die Erdölreserven der Nordsee zur Neige gehen. 2016 war Norwegen der elftgrößte Erdölexporteur der Welt, bei der Gesamtförderung lag das Land 2015 auf Rang 15. Die norwegische Regierung darf pro Jahr bis zu drei (früher: vier) Prozent des Fondsvolumens für gesellschaftliche Zwecke abziehen. Am 19. September 2017 wurde erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar überschritten. Ende Januar 2026 belief sich das verwaltete Vermögen auf 20,99 Billionen norwegische Kronen bzw. rund 1,83 Billionen Euro oder 327.000 Euro pro Einwohner. Der Betrag verteilt sich zu etwa 71 % auf Aktien und etwa 27 % auf Staats- und Unternehmensanleihen. Kleinere Anteile entfallen auf Immobilien und Infrastruktur für erneuerbare Energien.
Die beiden Teilfonds haben unterschiedliche Ursprünge. Folketrygdfondet wurde 1967 gegründet, um Überschüsse der neu eingeführten norwegischen Sozialversicherung anzulegen. Bis zur letzten Einzahlung 1979 erhielt er insgesamt 11,8 Milliarden Kronen. Anschließend beruhte der Vermögenszuwachs auf den Erträgen der Kapitalanlagen.
Die Entstehung des Ölfonds steht im Zusammenhang mit der Entdeckung des Ölfelds Ekofisk 1969 und dem Beginn seiner Förderung 1971. Das Finanzministerium legte 1974 den Parlamentsbericht „Die Rolle der Erdölwirtschaft in der norwegischen Gesellschaft“ vor, in dem erörtert wird, wie der Ölreichtum des Landes genutzt werden sollte. Eine von Hermod Skånland geleitete Kommission schlug 1983 vor, vorübergehend hohe Erdöleinnahmen in einem Fonds anzusparen. 1990 verabschiedete das Storting das Gesetz zur Einrichtung des Staatlichen Erdölfonds (Statens petroleumsfond), mit dem hauptsächlichen Ziel dem Land mehr finanziellen Spielraum für die Zukunft zu verschaffen. Die erste Kapitalübertragung erfolgte 1996; das Vermögen wurde zunächst ausschließlich im Ausland in Anleihen angelegt. 1998 nahm die neu eingerichtete Abteilung Norges Bank Investment Management (NBIM) ihre Arbeit auf und schichtete rund 40 Prozent des Portfolios in Aktien um.
2006 wurden der Erdölfonds und das Vermögen des bisherigen Versicherungsfonds unter dem gemeinsamen Rahmen des Staatlichen Pensionsfonds zusammengefasst. Sie blieben getrennte Vermögensbestände mit unterschiedlichen Verwaltern. Der Erdölfonds erhielt dabei den Namen Staatlicher Pensionsfonds Ausland.
Das Anlagespektrum des Auslandsfonds wurde schrittweise erweitert: 2007 wurde eine Erhöhung der strategischen Aktienquote auf 60 Prozent beschlossen, 2011 tätigte der Fonds seine erste Immobilieninvestition. 2017 überschritt sein Marktwert erstmals eine Billion US-Dollar. Die erste Beteiligung an nicht börsennotierter Infrastruktur für erneuerbare Energien folgte 2021 mit dem Erwerb eines Anteils am niederländischen Offshore-Windpark Borssele 1 und 2.
Der am 1. Januar 2006 gegründete Staatsfonds besteht aus den beiden zuvor eigenständigen Fonds Ölfonds und nationaler Versicherungsfonds. Eigner ist formell das norwegische Finanzministerium, das über die grundsätzliche strategische Ausrichtung entscheidet.
Der Staatliche Pensionsfonds Ausland (englisch Government Pension Fund Global, GPFG; norwegisch Statens pensjonsfond utland, SPU), auch Ölfonds, wurde 1990 gegründet und investiert die staatlichen Einnahmen aus der Erdölförderung. Die Verwaltung des Auslandsfonds obliegt, innerhalb der Richtlinien des Finanzministeriums, der Zentralbank Norges Bank, die dafür die Abteilung Norges Bank Investment Management (NBIM) betreibt. Die Mittel sind ausschließlich in ausländischen Aktien, verzinslichen Wertpapieren und Immobilien angelegt.
Der Staatliche Pensionsfonds Norwegen (englisch Government Pension Fund Norway, GPFN; norwegisch Statens pensjonsfond Norge, SPN), auch nationaler Versicherungsfonds, verwaltet die Mittel der Sozialversicherung und wurde bereits 1967 eingerichtet. Mit dem Fonds wurde das Ziel verfolgt, die Sozialbeiträge möglichst gewinnbringend anzulegen. Dieser Teilfonds wird von Folketrygdfondet verwaltet; er investiert zu 80 bis 90 % in Norwegen und zu 10 bis 20 % in anderen nordischen Ländern, wobei 60 % in Aktien und 40 % in verzinslichen Wertpapieren angelegt werden.
Der Auslandsfonds soll einen Teil des endlichen Erdöl- und Erdgasvermögens in dauerhaft nutzbares Finanzvermögen umwandeln. Die Anlage im Ausland begrenzt zugleich die unmittelbare Wirkung der Rohstoffeinnahmen auf die heimische Wirtschaft und den Wechselkurs der Krone. Trotz seiner Bezeichnung ist der Fonds keine Rentenkasse mit einer festgelegten Deckungsquote gegenüber individuellen Rentenansprüchen; seine Mittel sind in die allgemeine staatliche Haushaltswirtschaft eingebunden.
Die staatlichen Nettoeinnahmen aus der Erdöl- und Erdgaswirtschaft fließen vollständig in den Auslandsfonds. Über Übertragungen an den Staatshaushalt entscheidet das Parlament. Maßgeblich für den langfristigen Umfang der Mittelverwendung ist die 2001 eingeführte fiskalpolitische Leitlinie Handlingsregelen: Das strukturelle, um Erdöleinnahmen bereinigte Haushaltsdefizit soll sich über die Zeit an der erwarteten realen Fondsrendite orientieren. Diese wurde zunächst mit vier Prozent und seit 2017 mit drei Prozent angesetzt. Die Regel erlaubt eine Anpassung an die Konjunktur und eine Glättung über mehrere Jahre.
Das Storting legt den gesetzlichen Rahmen fest. Das Finanzministerium bestimmt die Anlagestrategie und die Risikogrenzen, während die operativen Anlageentscheidungen an die Fondsverwalter delegiert sind. Die Regierung berichtet dem Parlament jährlich über die Verwaltung. Nach dem erklärten politischen Auftrag dient der Fonds der langfristigen Vermögensanlage; andere politische Ziele sollen über den Staatshaushalt verfolgt werden. Die Regierung bezeichnet ihn ausdrücklich nicht als außenpolitisches Instrument. Aus Neutralitätsgründen investiert der Fonds außerdem nur in ausländische Aktien und nicht in Norwegen selbst.
Die Grundzüge des Fondsmodells und der Anlagestrategie werden von einem breiten politischen Konsens getragen. Mit dem Vermögenszuwachs hat zugleich die Bedeutung der Kapitalmarkterträge für die öffentlichen Finanzen zugenommen: Im Fondsbericht 2026 veranschlagte die Regierung den aus dem Auslandsfonds finanzierten Anteil des norwegischen Staatshaushalts auf rund 27 Prozent. Damit nimmt auch die Abhängigkeit des Haushalts von den internationalen Finanzmärkten zu.
Insgesamt hält der staatliche Pensionsfonds Aktien im Wert von über 500 Milliarden US-Dollar in 77 Ländern. Ende 2017 hatte er einen Anteil von 2,33 % der gesamten Marktkapitalisierung aller europäischen Aktienmärkte, womit er der größte Aktionär Europas ist. Der GPFG ist u. a. der größte Einzelaktionär der britischen Supermarktkette Tesco, obwohl der (über NBIM verwaltete) Anteil Ende 2015 auf unter 6 % reduziert wurde (Stand: November 2017) und ist (Stand: Mai 2016) der viertgrößte Anteilseigner der Volkswagen AG. Die folgende Liste gibt einen Überblick, an welchen bekannten Unternehmen der Fonds Anteile hält (Stand: 2020; nicht vollständig). Ein Überblick über alle Investments ist auf der globalen Website der Norges Bank zu finden.
Der Fonds hält Aktien, Staats- sowie Unternehmensanleihen und besitzt weltweit Grundstücke und Immobilien. Zum Immobilienbesitz gehört seit 2014 auch das Bostoner Bürohochhaus One Beacon Street und seit Juli 2017 der Neubau des Axel-Springer-Hochhauses in Berlin.
Der Fonds investiert seit 1998 auch in Aktien und hat in den 20 Jahren seither im Schnitt eine höhere jährliche Rendite als der deutsche Leitindex DAX erzielt. Der Fonds hat zwischen dem 1. Januar 1998 und dem Ende des ersten Halbjahres 2024 eine jährliche Rendite von 6,30 Prozent erzielt. Die reale jährliche Nettorendite des Fonds beträgt 4,00 Prozent. Im ersten Halbjahr 2024 war die relative Rendite des Fonds um 0,04 Prozentpunkte niedriger als der Referenzindex, an dem der Fonds gemessen wird. Seit 1998 hat sich der Fonds um 0,27 Prozentpunkte besser entwickelt als der Referenzindex. Die Verwaltungskosten (TER) werden mit attraktiven 0,05 % angegeben.
Die Anlagerichtlinien des Fonds sind von den Prinzipien ethischen Investments geprägt. So investiert der Fonds nach seinen Ethikrichtlinien nicht mehr in Unternehmen, die Massenvernichtungswaffen herstellten, gegen Menschenrechte verstoßen, Teile der Rüstungsbranche oder der Tabakindustrie. Ein vom Finanzministerium bestellter fünfköpfiger Ethikrat berät das Management. Das norwegische Parlament beschloss im Juni 2015, dass alle Beteiligungen an Bergbaugesellschaften und Stromkonzernen verkauft werden sollen, deren Kohleanteil am Umsatz bei 30 Prozent oder höher liegt.
Nach Berechnungen des Fonds verursachte die Desinvestition aufgrund dieser Anlagepolitik in den Jahren 2006 bis 2016 eine Minderrendite von 1,11 % bzw. 1,3 Milliarden Euro. Die relative Rendite sei durch den Ausschluss von Tabakunternehmen um 1,16 % und 0,75 % durch den Ausstieg bei Waffenproduzenten geringer ausgefallen. Die Desinvestition aus Umweltschutzgründen (seit 2015: Kohle, Palmöl) steigerte die relative Rendite hingegen um 0,78 %.
Bis März 2016 hatte sich der Fonds aufgrund seiner ethischen Prinzipien aus 66 Unternehmen zurückgezogen. So wurden u. a. die Beteiligungen bei Airbus und Boeing (Herstellung von Massenvernichtungswaffen), Rio Tinto (Verursachung von Umweltschäden) und Walmart (Missachtung von Arbeitnehmerrechten) beendet.
Aufgrund des Russischen Einmarsches in die Ukraine hat die norwegische Regierung am 27. Februar 2022 angekündigt, die Beteiligung an russischen Unternehmen abzustoßen. Hiervon betroffen sind die Sberbank, Gazprom und Lukoil.
Die norwegische Regierung kündigte an, die Beteiligungen an israelischen Unternehmen, die zum Krieg im Gazastreifen oder der Besatzung im Westjordanland beitragen, aus ethischen Gründen abzustoßen (Gutachten zu den rechtlichen Folgen von Israels Besatzungspolitik). Ende der ersten Jahreshälfte 2025 hielt der Fonds Anteile an 63 israelischen Unternehmen, trennte sich aber im August 2025 von Anteilen an einigen, darunter das Flugzeugtriebwerkunternehmen Bet Shemesh Engines Limited (BSEL) und die fünf Geldhäuser Bank Hapoalim, Bank Leumi, Mizrahi Tefahot Bank, First International Bank of Israel und FIBI Holding. Es bestehe das inakzeptable Risiko, dass diese Unternehmen zu schweren Menschenrechtsverletzungen in Kriegs- und Konfliktsituationen beitragen. Ebenfalls aus diesem Grund veräußerte er auch seine Anteile am US-amerikanischen Baumaschinenkonzern Caterpillar.