| Chartplatzierungen Erklärung der Daten | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Steeleye Span ist eine 1969 entstandene britische Folkrock-Band. Sie zählt zu den wichtigsten Bands dieser Musikrichtung.
Der Bandname stammt von einer Figur aus dem englischen Volkslied Horkstow Grange. Von Steeleye Span selbst wurde dieser Song erst 1998 aufgenommen.
Gegründet wurde Steeleye Span 1969 von dem Bassisten Ashley Hutchings, der sich vom Folkrock seiner alten Band Fairport Convention zu einem stärker folkloristischen Stil mit originalgetreuerer Interpretation altenglischer Volkslieder entwickeln wollte. Anfang November 1969 traf er sich im Pub „Prince of Wales“ in Highgate mit Johnny Moynihan, Gay Woods (geborene Gabriel Corcoran), Terry Woods und Andy Irvine, um aus der in Auflösung begriffenen irischen Folkband Sweeney’s Men geeignete Mitglieder für eine neue Gruppe zu gewinnen. Wegen seiner Abneigung gegen Terry Woods sprang Moynihan bereits am nächsten Tag ab. Irvine folgte, da er eine Solokarriere anstrebte. Als Ersatz wandte sich Hutchings zunächst an Bob und Carol Pegg, dann an Robin und Barry Dransfield. Schließlich gewann er das Folklore-Duo Maddy Prior und Tim Hart für sein Projekt.
Die Erstbesetzung von Steeleye Span bestand somit aus Tim Hart (Gesang, Gitarre, Perkussion, Dulcimer, Geige, Banjo, Harmonium), Ashley Hutchings (E-Bass), Maddy Prior (Gesang, Banjo) und dem Ehepaar und Folkduo Gay Woods (Gesang, Konzertina, Autoharp, Bodhrán) und Terry Woods (Gesang, Gitarre, Konzertina, Mandola, Banjo, Mandoline). Letztgenannte wurden 1970, nachdem sie im April 1970 zu Dr. Strangely Strange wechselten, durch Peter Knight (Geige) und Martin Carthy (Gitarre, Gesang) ersetzt. Knight kam auf Vermittlung Carthys im Herbst 1970 zur Gruppe. Nach zwei weiteren Langspielplatten, einer Tournee mit Jethro Tull und einer eigenen Englandtournee galt Steeleye Span als bekannteste Electric-Folk-Gruppe Großbritanniens.
Der kommerzielle Durchbruch gelang Steeleye Span erst 1971, als die Band stärker zu elektrisch verstärkten Instrumenten überging und die für sie charakteristische Mischung aus alten Volksliedern und Rock entwickelte. Diese Tendenz wurde verstärkt, als 1974 der Schlagzeuger Nigel Pegrum zur Band stieß, was in die von Ian Anderson produzierte LP Now We are Six mündete. Die Sängerin Maddy Prior veröffentlichte ab 1977 eine Reihe von Soloalben und spielte mehrere Alben mit der Folksängerin June Tabor sowie der Carnival Band ein.
Nach der Aufnahme des dritten Albums Ten Man Mop, or Mr. Reservoir Butler Rides Again (veröffentlicht im Dezember 1971) löste Rick Kemp den Bandgründer Ashley Hutchings ab, und Bob Johnson ersetzte Martin Carthy. Carthy wandte sich wieder seiner Solokarriere zu, Hutchings stellte mit der Albion Country Band eine neue Gruppe zusammen. In der britischen Musikszene galten die beiden vielfach als unersetzbar, und für eine Neuformierung wurden erhebliche Einbußen an Qualität und Homogenität erwartet. Den Anstoß zur Neubesetzung gab Peter Knight, der seinen früheren Duopartner Bob Johnson als Nachfolger Carthys vorschlug. Johnson brachte seinerseits Rick Kemp mit, der im Dezember 1971 zur Band kam. Bis 1976 blieb die Gruppe in der Besetzung Prior, Hart, Knight, Johnson, Kemp und Pegrum zusammen. Dann kam Carthy für Johnson zurück und John Kirkpatrick ersetzte Peter Knight.
Neben der Arbeit als Band war Steeleye Span auch im britischen Theaterbetrieb gefragt. Zweimal wirkte die Gruppe als Musiker und Darsteller am Londoner Royal Court Theatre mit, zunächst in Pirates und später in Corunna. Im August 1972 spielte sie am Lyceum in Edinburgh in einer modernen Bühnenfassung von Robert Louis Stevensons Kidnapped und komponierte und arrangierte dafür mehrere Lieder.
In den 1970er Jahren gehörte Steeleye Span zu den bekanntesten englischen Folkrock-Gruppen. Die Gruppe spielte fast ausschließlich traditionelle Lieder, die sie neu arrangiert hatte. Mike Batt als Musikproduzent lenkte die Musik stärker in Richtung Pop. In dieser Zeit gelang es Steeleye Span, neben ihren Alben auch zwei Songs in den britischen Charts zu platzieren. Auf dem von Mike Batt produzierten Album All Around My Hat fand sich mit dem Titelsong der größte Hit der Gruppe, und auch die Single-Auskopplung Gaudete – ein Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert in lateinischer Sprache vom 1972er-Album Below the Salt – kam in die Charts. Daneben trugen Titel wie Cam Ye O’er Frae France, Allison Gross und Lovely on the Water dazu bei, dass Steeleye-Span-Konzerte vor allem in England und den Niederlanden noch um das Jahr 2000 gut besucht waren.
Mit dem Abebben des Folkrock-Booms verlor die Gruppe an Bedeutung und löste sich 1978 vorübergehend auf. Sie fand jedoch 1980 in der Besetzung von 1974 wieder zusammen. Auch wenn große internationale Erfolge in den 1990er Jahren nicht zu verzeichnen waren: Steeleye Span produzierte wieder Alben und gab Konzerte, darunter 1995 ein achtstündiges Benefizkonzert im Londoner Forum, bei dem fast alle ehemaligen Bandmitglieder zusammenspielten.
1994 stieß Gay Woods wieder zu Steeleye Span und spielte mit der Band drei Studioalben und ein Live-Album ein. Auf Time ist sie noch gemeinsam mit Maddy Prior zu hören, auf Horkstow Grange und Bedlam Born war sie die alleinige Sängerin. Im Jahr 2000 verließ Woods die Band erneut und wurde 2002 durch Prior ersetzt.
Steeleye Span galt als erste und wichtigste Abspaltung von Fairport Convention. Anspruch der Gruppe war es, traditionelle Lieder noch direkter auf elektrisch verstärkte Instrumente zu übertragen, nicht jedoch zwingend auf ein reines Rockinstrumentarium. Deshalb verzichtete sie zunächst auf einen Schlagzeuger und auf die für Fairport Convention typischen Arrangements mit Rock-Rhythmik. Ausgangspunkt war die Frage, warum zahlreiche Idiome der amerikanischen Folklore und des Blues ihren Platz in der Rockmusik gefunden hatten, ein englischer Folksong auf diesem Weg dagegen nur selten populär geworden war. Als amerikanisches Gegenstück und Orientierungsvorbild nannte Bob Johnson vor allem das Album Sweetheart of the Rodeo der Byrds. Die Umsetzung erforderte nach Einschätzung der Zeitschrift Sounds weniger technische Brillanz als ein ebenso natürliches wie zeitgemäßes Verhältnis zur eigenen Folklore.
Die Gruppe gliederte sich in eine akustische Seite mit Tim Hart und Peter Knight und eine elektrische mit Bob Johnson und Rick Kemp. Der Gesang aller Mitglieder und besonders die Stimme Maddy Priors bildeten die Klammer zwischen beiden. Am nachhaltigsten veränderte Kemp den Klang der Band. Sein Bassspiel setzte klare Melodielinien an die Stelle der symmetrischen Rock-Rhythmen seines Vorgängers, zugleich bevorzugte er aggressive Rock-Riffs gegenüber den exakten Staccato-Phrasen, die für die Musik der Gruppe zuvor bezeichnend gewesen waren. Nach dem Urteil von Sounds verfeinerte sich die Struktur der Musik nach dieser Umbesetzung weiter, der Klang wurde differenzierter und die Spielfreude hörbarer. Auch eine Rezension von Below the Salt in Sounds sah 1973 keinen stilistischen Wandel durch die Neubesetzung. Das Album führe vielmehr die Tradition der früheren Veröffentlichungen fort, wobei Tim Hart und Maddy Prior als Kern der Gruppe nach dem Weggang von Hutchings und Carthy stärker in den Vordergrund rückten. Zugleich stellte der Rezensent eine Wendung von der romantisch gefärbten Spielart des Folk zur strengeren Form des mittelalterlichen Gesangs fest, die er etwa an Gaudete festmachte.
Die Trennung in eine akustische und eine elektrische Seite brachte Schwierigkeiten bei der Verstärkung mit sich. Für Geige und Mandoline sowie für akustische Gitarre und Dulcimer fand die Band lange keine befriedigende Lösung, bis Knight und Hart nach monatelangen Versuchen dazu übergingen, Tonabnehmer direkt in die Instrumente einzubauen und sie zusätzlich weiterhin über ein Mikrofon abzunehmen. Solange die Gruppe ohne Schlagzeug spielte, ersparte ihr das viele Probleme beim Abstimmen der Lautstärke. Für die Stücke, die alle fünf Mitglieder unbegleitet sangen, beschäftigte sie einen eigenen Techniker, der den Klang für jedes Lied, jeden Instrumentenwechsel und jede Reduzierung auf Quartett oder Duo neu einstellte.
Weil das Repertoire stark auf den Kontakt zum Publikum baute, galt Steeleye Span vor allem als Liveband. Mit ihren Platten hatte die Gruppe nach Einschätzung von Sounds lange wenig Glück, was auch an deren mäßiger Produktionsqualität gelegen habe. Erst Below the Salt habe diese Mängel beseitigt.
Steeleye Span prägte mit der Verbindung von traditionellen Liedern mit modernen Sounds den englischen Folkrock maßgeblich mit und kann zusammen mit Bands wie Fairport Convention und Pentangle als eine der wichtigsten Gruppen in diesem Genre gelten. Zahlreiche spätere Folkrock-Musiker sind von ihnen beeinflusst, unter anderem die Fleet Foxes.
