
Stefan Karner (* 18. Dezember 1952 in Sankt Jakob bei Griffen) ist ein österreichischer Historiker. Er war bis zu seinem Ruhestand Ende Februar 2018 Vorstand des Institutes für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Gründer und Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Leiter des Medienlehrgangs der Universität Graz.
Stefan Karner studierte Geschichte und Russisch. Er promovierte 1976 an der Universität Graz und erwarb dort im Jahr 1985 seine Habilitation für Neueste Wirtschafts- und Sozialgeschichte und für Österreichische Zeitgeschichte. Seine Dissertation über Kärntens Wirtschaft 1938–1945 erschien im Druck und enthält ein Nachwort von Albert Speer.
Stefan Karner widmet sich der österreichischen Zeitgeschichte im wirtschafts- und sozialhistorischen Rahmen, der Zeitgeschichte Mittelost- und Osteuropas sowie der Geschichte der Sowjetunion. Im Rahmen der wissenschaftlichen Erforschung dieser Thematik gründete er 1993 das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, zur Erforschung von politischen, wirtschaftlichen, humanitären und gesellschaftlichen Folgen nach Kriegen und Konflikten, besonders mit humanitären Kriegsfolgen des Zweiten Weltkrieges (Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Vertriebene).
Karner beschäftigt sich mit Restitution, Wiedergutmachung, Zwangsarbeiterentschädigung und Entschädigung ehemaliger österreichischer Kriegsgefangener. Er arbeitet als wissenschaftlicher Berater für österreichische Ministerien, darunter zu Fragen zu den AVNOJ-Beschlüssen, den Beneš-Dekreten und der Volksgruppen-Frage in Kärnten.
Im Auftrag des Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel war Stefan Karner 2005/2006 Mediator im Kärntner Minderheitenkonflikt (Ortstafelstreit). Unter seiner Führung entstand der Vorschlag, der unter dem Namen „Karner-Papier“ bekannt wurde. Karner hat einige Großausstellungen wissenschaftlich geleitet, zuletzt 2009 die niederösterreichische Landesausstellung Österreich. Tschechien. geteilt – getrennt – vereint, zuvor 2008 Österreich. 90 Jahre Republik im Parlament und 2005 die Staatsvertragsausstellung auf der Schallaburg Österreich ist frei! Er ist seit 2001 Vorsitzender der bilateralen österreichisch-slowenischen Historikerkommission und seit 2008 Vorsitzender der österreichisch-russischen Historikerkommission sowie seit 2006 Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des Bundesministeriums für Landesverteidigung.
2016 hatte sich Innenminister Wolfgang Sobotka mit seiner Ankündigung, das Hitler-Geburtshaus abreißen zu lassen, auf eine Empfehlung der vom Bundesministerium für Inneres eingerichteten Expertenkommission berufen. Stefan Karner gehörte neben Oliver Rathkolb und Clemens Jabloner zu den prominenten Mitgliedern dieser Kommission. Konkret hatte die Expertenkommission jedoch nicht den völligen Abriss, sondern „eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung, die den Wiedererkennungswert und die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft unterbinden soll“, empfohlen. In der Folge wurde international darüber berichtet. 2020 wurde das von der Expertenkommission entwickelte und von Innenminister Karl Nehammer präsentierte Konzept der „Neutralisierung“ des Hitler-Geburtshauses stark kritisiert.
Von 1995 bis 2010 war Karner Vertreter Österreichs in der „European Commission against Racism and Intolerance“ (ECRI) des Europarates in Straßburg, zudem war er von 1995 bis 2010 Vizepräsident der politischen Akademie der ÖVP in Wien. Von 1997 bis 1999 übernahm er die Gesamtleitung der Denkwerkstatt „Österreich zukunftsreich“. Zwischen 1998 und 2004 war er Mitglied im Verwaltungsrat der „EU-Beobachtungsstelle von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ (EUMC) in Wien.
Karner war Mitglied des Kontaktkomitees der Österreichischen Bundesregierung zur Konzeption eines „Hauses der Geschichte der Republik Österreich“, zudem hatte er ab 2004 einen Sitz im Präsidium des Karl-Kummer-Instituts für Sozialpolitik in Wien.
In den Jahren 2007 und 2008 leitete er ein Forschungsprojekt mit ca. 80 Historikern, die am Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung in Graz den Prager Frühling beleuchteten.
Stefan Karner ist Gründungsdirektor des Hauses der Geschichte Niederösterreich. Mit 1. Jänner 2018 folgte ihm Christian Rapp als wissenschaftlicher Leiter nach.
2025 wurde er zum Präsidenten des Österreichischen Schwarzen Kreuzes gewählt.
Karner veröffentlichte über 300 wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften und rund 20 Monographien, darunter:
Zu seinem 60. Geburtstag wurde ihm eine umfangreiche Festschrift mit Beiträgen führender Historiker gewidmet: Gerald Schöpfer, Barbara Stelzl-Marx (Hrsg.): Wirtschaft. Macht. Geschichte. Brüche und Kontinuitatsbruch im 20. Jahrhundert. Festschrift Stefan Karner, Graz/Wien 2012.
| Personendaten | |
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| NAME | Karner, Stefan |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Historiker und Publizist, Gründer des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung |
| GEBURTSDATUM | 18. Dezember 1952 |
| GEBURTSORT | St. Jakob bei Völkermarkt |