Stefan Radt

Stefan Radt (2009)

Stefan Lorenz Radt (* 4. August 1927 in Berlin; † 22. November 2017) war ein niederländischer Klassischer Philologe deutscher Herkunft.

Leben

Stefan Radt emigrierte mit seinen Eltern, dem Chemiker Fritz Radt (1893–1978) und seiner Ehefrau Jula Radt, geb. Cohn (1894–1982), 1937 aus Deutschland nach Holland und lebte in Amsterdam. Durch die Hilfe der niederländischen Untergrundbewegung konnte er sich ab 1943 vor den deutschen Besatzern verstecken. In der Zeit des Untergrundes brachte er sich selbst mit Schulbüchern die Altgriechische Sprache bei. Von 1946 bis 1953 studierte er Klassische Philologie an der Universiteit van Amsterdam. Von 1954 bis 1955 reiste er im Rahmen eines Auslandsstipendiums nach Cambridge, Rom und Griechenland. Anschließend arbeitete er bis 1956 als Gymnasiallehrer in Hilversum. 1958 wurde er mit der Dissertation „Pindars Zweiter und Sechster Paian“ zum Dr. phil. promoviert.

Von 1958 bis 1960 war Radt Mitarbeiter am Lexikon des frühgriechischen Epos an der Universität Hamburg. 1960 wurde er Dozent für Klassische Philologie in Amsterdam. 1967 wurde er als ordentlicher Professor für griechische Sprache und Literatur an die Rijksuniversiteit Groningen berufen und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1987. In der Zeit seines Ruhestandes arbeitete er an seiner kritischen Ausgabe von Strabons Geographika in zehn Bänden (mit deutscher Übersetzung und Kommentar), die trotz relativ geringer Auflage dank einer Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gedruckt werden konnte.

Radt galt als eine Symbolfigur niederländisch-deutscher Freundschaft.

Ehrungen

1978 wurde Radt Mitglied der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften, 1987 wurde er korrespondierendes Mitglied der British Academy. Am 14. Januar 2010 erhielt Radt von der Philosophischen Fakultät der Universität Münster die Ehrendoktorwürde. Gewürdigt wurden unter anderem seine herausragenden Verdienste um die Edition und Erschließung antiker Texte. Radts Strabon-Ausgabe gilt in der Forschung als neue Standardedition.

Schriften (Auswahl)

Herausgeberschaft

Literatur

Anmerkungen

  1. 1 2 Hans Bernsdorff: Die Dinge des Geistes. Zum Tode des Klassischen Philologen Stefan Radt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. November 2017, S. 12.
  2. ↑ Album Academicum der Universiteit van Amsterdam, abgerufen am 9. November 2017.
  3. ↑ Maria Ebert: Auf den Spuren von Forschung und Lehre. 275 Jahre Verlag Vandenhoeck & Ruprecht. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 978-3-525-39162-4, S. 45 (PDF).
  4. ↑ Deceased Fellows. British Academy, abgerufen am 22. Juli 2020.
Personendaten
NAME Radt, Stefan
ALTERNATIVNAMEN Radt, Stefan Lorenz (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG niederländischer Klassischer Philologe deutscher Herkunft
GEBURTSDATUM 4. August 1927
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 22. November 2017