Nach kurzen Episoden als Bundesgeschäftsführer des neu gegründeten Verkehrsclubs Deutschland und als Sprecher des nach der Wiedervereinigung im Aufbau befindlichen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg wurde er 1991 Stellvertretender Regierungssprecher in Thüringen unter Josef Duchač und anschließend Bernhard Vogel. Nach der Wahl 1994 kalt gestellt, da die FDP für eine Regierungsbeteiligung in Thüringen nicht mehr gebraucht wurde, sorgte er mit einer Beschäftigungsklage für bundesweites Aufsehen. In der Folge wurde er u.a. zum Beauftragten für die Deregulierung im Freistaat ernannt. Erneut in die Schlagzeilen geriet er, als er enttäuscht von den weitgehend vergeblichen Reformbemühungen kurz vor der Pensionierung auf Beamtenstatus und Pension verzichtete, weil er für eine „üppige Pension“ nicht die adäquate „Gegenleistung erbracht“ habe, wie er „und der Steuerzahler das für richtig, fair und notwendig erachten“.
Positionen
Stefan Sethe gilt im Gegensatz zu seinem liberal-konservativen Onkel Paul Sethe als sozialliberal. In seiner Lebensgestaltung, mit Vorträgen und in vielen seiner Zeitschriftenbeiträgen und Buchveröffentlichungen wandte er sich immer wieder gegen eine Vollkasko-Mentalität und definiert den Sozialstaat als Gemeinwesen, welches vorrangig Hilfe zur Selbsthilfe gewähren solle. Liberalismus dürfe sich längst nicht mehr auf das Erkämpfen und Sichern von Bürgerrechten beschränken, sondern müsse darauf dringen, dass zu jedem Recht untrennbar auch eine Pflicht gehöre. Das Laissez-faire des Wirtschaftsliberalismus lehnt er ab. Er plädiert für eine umfassende Deregulierung, bessere Verantwortungsethik im Journalismus, massive Entlastung der Gerichte und mehr Selbstbeteiligung im Gesundheitswesen.
Veröffentlichungen
(kleine Auswahl fokussiert auf Sethes liberale Positionen):
Eickmeier, Dietrich: Bonner Kulisse, Neue Westfälische, 2. Dezember 1981
Hoffmeister, Hans: Thüringen sollte Duchač achten, TLZ-Interview des Chefredakteurs der Thüringer Landeszeitung mit Nachwende-Vizeregierungssprecher Stefan Sethe 20. März 2013
123Hoffmeister, Hans: „Thüringen sollte Duchač achten“ TLZ-Interview des Chefredakteurs der Thüringer Landeszeitung mit Nachwende-Vizeregierungssprecher Stefan Sethe 20. März 2013.
↑Ausführliche überregionale Berichte 1996 u.a. in BILD (27. März), Frankfurter Rundschau (15. April), Neues Deutschland (27. März), Stern (Heft 18) und in diversen TV-Sendungen, wie: ZDF „Frontal“ (6. Mai), RTL „Explosiv“ (14. Juni), mdr „Thüringenjournal“ (17. März).