Stephan Paul (* 13. September 1963 in Dortmund) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler.
Von 1982 bis 1987 studierte Paul Wirtschaftswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Nach Promotion und Habilitation am Lehrstuhl von Joachim Süchting bekam er 1999 einen Ruf an die Universität Hannover.
Seit 2000 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Angewandte Betriebswirtschaftslehre II: Finanzierung und Kreditwirtschaft in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum und leitet das dortige ikf institut für kredit- und finanzwirtschaft. Er ist zudem wissenschaftlicher Leiter des Arbeitskreises „Finanzierung“ der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V. und dort auch Mitglied des Präsidiums der Gesellschaft.
Paul arbeitet institutionenökonomisch und vertritt dabei vor allem die evolutorische Wirtschaftstheorie in der Tradition von Dieter Schneider. Daher hat er in seinen beiden Hauptarbeitsgebieten – der Bankpolitik einerseits und der Finanzwirtschaft der Unternehmung andererseits – als Hauptwerke mit akademischen Schülern zwei Lehrbücher veröffentlicht, die vom Leitbild des Unternehmers als Treiber des wirtschaftlichen Wandels in Institutionen ausgehen. Diesen Ansatz nutzt er auch, um in seinen Arbeiten zur Bankengeschichte die Veränderung von Geschäftsmodellen im Zeitverlauf zu erklären.
Insgesamt hat Paul neben zahlreichen Büchern über 300 Einzelaufsätze vorgelegt. Ein Schwerpunkt von Pauls Arbeiten im Bereich der Bankpolitik ist die Auseinandersetzung mit der Regulierung der Kreditwirtschaft, die er aus einer marktwirtschaftlich orientierten Perspektive untersucht. Dabei thematisiert er Probleme der qualitativen Bankenaufsicht, mögliche Fehl- und Überregulierungen im Kontext der Baseler Regelungspakete vor und nach der Finanzkrise und legte 2026 einen „Bochumer Plan für eine effektivere und effizientere Bankenregulierung“ vor. Die Arbeiten zur Unternehmensfinanzierung besitzen einen ersten Schwerpunkt bei der Beleuchtung der Zusammenhänge von Geschäftsmodellen und Finanzierungsstrategien sowie speziell der Finanzkommunikation mittelständischer Unternehmen. Einen zweiten Schwerpunkt bilden Beiträge zu Konzernfinanzstrategien und der Entwicklung der Rolle des CFO. In beiden Themenästen hat sich Paul auch immer wieder mit Finanzsystemfragen beschäftigt und ist z. B. früh den Konsequenzen von Digitalisierung und KI für die Unternehmens-Bank-Beziehungen nachgegangen.
In der Lehre widmet sich Paul sowohl den Unternehmensinvestitionen und ihrer Finanzierung als auch dem Risikomanagement und vor allem der Regulierung von Banken. Zudem bietet er Veranstaltungen zur Entwicklung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle an. Zwei Mal erhielten er und sein Team von den Studierenden die Auszeichnung „Lehrstuhl des Jahres“.
Seit 2021 betreibt er den Podcast „Paul am Puls – Dialoge zur Transformation der Wirtschaft“. Zwei Mal pro Monat werden darin Gespräche mit Entscheidungsträgern in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik über den wirtschaftlichen Wandel geführt. Die weit über 100 Dialoge greifen aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen auf und beleuchten dabei zugleich die Positionen und Perspektiven der jeweiligen Gesprächspartner. Der Podcast wurde 2026 vom Verband der Hochschullehrenden für Betriebswirtschaft als Beispiel für besonders gelungene Wissenschafts-Kommunikation vorgestellt. Um wissenschaftliche Erkenntnisse in die breitere Öffentlichkeit zu tragen, gibt Paul auch das Institutsjournal „wissen & handeln“ heraus.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Paul, Stephan |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Ökonom |
| GEBURTSDATUM | 13. September 1963 |
| GEBURTSORT | Dortmund, Deutschland |