Stillvogt

Wappen derer Stillevogt, von Waldau.: Rudolf Stein, Der Rat und die Ratsgeschlechter des alten Breslau.

Stillvogt, auch Stillevogt, Stillvoit und Stillvoyt, ist der Name eines alten ursprünglich schlesischen Geschlechts mit Wurzeln in Breslau. Ein Zweig war das Uradelsgeschlecht von Sachenkirch, welches 1630 erlosch.

Geschichte

An der Stelle, an der Breslau unter dem Namen Wratislavia nach dem Mongolensturm von 1241 gegründet wurde, bestand bereits vorher eine deutsche Gemeinde, die nach Pusch „sich wahrscheinlich aus deutschen Kaufleuten zusammensetzte und die schon Anfang des 13. Jahrhunderts so stark war, dass sich der Piastenherzog Heinrich I. veranlasst sah, einen deutschen Schultheiß einzusetzen.“ 1214 war ein Träger des Namens Godinus als Schultheiß der deutschen Gemeinde eingesetzt. Es gab im Gebiet, auf dem Breslau entstand, vor seiner Begründung mehrere Ansiedlungen, u. a. von Wallonen, „Falknern“ im Dorf Falkendorf „villa falconariorum“ (Sokolnice, Zocholnice, Tocholnitz), sicherlich auch Polen, und eine dieser verschiedenen, auseinanderliegenden Ansiedlungen bestand aus Deutschen, die sich zu einer deutschen Gemeinde zusammengeschlossen hatten. Nach Colmar Grünhagen wurde die Aussetzung der Städte nach deutschem Recht meist einem Adeligen aus der Umgebung der Fürsten übertragen, der für seine Mühewaltung eine Reihe von Vorteilen erhielt. Die Vogtei sowohl der Altstadt als auch der Neustadt befand sich in den Händen von Bürgern wie die Geschlechter Schertelzan und Stillvogt. Breslau ist nach dem Mongolensturm von 1241 gegründet worden, das Magdeburger Recht hat es aber erst 1261 erhalten, nachdem sich die Bürgerschaft seine Obrigkeit selbst wählte. Bis dahin war es Sache des Herzogs, einen Schultheiß einzusetzen, der als Vogt mit den vom Herzog ernannten Seniores, den Angesehensten der Bürgerschaft, die Stadt regierte. Godinus ist als ein solcher für 1214 nachgewiesen, gefolgt 1229 von seinem Sohne Alexander. Familiennamen kannte man in dieser Epoche noch nicht. Erst im Laufe des 13. Jahrhunderts wurde die Annahme von Familiennamen Allgemeinheit. Die Nachkommen der vorgenannten Vögte Godinus und Alexander nahmen dann den Namen Stillvogt (Stillevogt, Stillvoyt, Stillvoit) an, wobei der Name von den gewesenen Vögten, die stillen Vögten, abgeleitet sein dürfte. Von Schultheiß Alexander, der vom Herzog Schottwitz (heute Sołtysowice genannt) und Rosenthal (heute Stadtteil Różanka) bei Breslau erhielt, stammen fünf Söhne ab.

Stammfolge

Wappen

Blasonierung: In Blau drei (1:2) silberne Halbmonde, der obere aufwärts, die unteren auswärts gewendet. Auf dem Helm mit blau–silbernen Decken ein roter Stern.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Die Breslauer Rats- und Stadtgeschlechter in der Zeit von 1241 bis 1741, Oskar Pusch, Bd. 3, Dortmund 1988, Veröffentlichung der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund, Reihe B - Band 38, S. 267–268.
  2. ↑ Das Dorf der Falkner in Breslau, Abhandlungen der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, Philosophisch-historische Abtheilung, 1866, Beiträge zur ältesten Topographie Breslau’s, Breslau 1866, bei Josef Max und Komp, S. 81.
  3. ↑ Lebensbilder Schlesien, Bd. 3, S. 362–271.
  4. ↑ Colmar Grünhagen, „Breslau unter den Piasten“, Breslau 1861, S. 21.
  5. ↑ Colmar Grünhagen, „Breslau unter den Piasten“, Breslau 1861, S. 27.
  6. ↑ Breslauer Stadtbuch, S. 2.
  7. ↑ Polnisches Biographisches Wörterbuch, Bd. 7, 1948.
  8. ↑ „Beabsichtigung, in Krakau eine Stadt zu gründen und Menschen zu versammeln verschiedenen Teilen der Welt hier, wir legen jedem Einzelnen, sowohl gegenwärtig als auch zukünftig, fest zu Ohren, dass wir - Bolesław, durch Gottes Gnade, Herzog von Krakau und Sandomierz, zusammen mit unserer bedeutenden Mutter Grzymisława, und unsere adelige Frau Kunegunda, hat diese Stadt auf demselben Recht gegründet, auf dem die Stadt Breslau gegründet wurde, damit nicht das, was dort passiert, sondern was nach dem Gesetz und Modell der Stadt Magdeburg geschehen soll , sollte geändert werden, damit sich die Zweifler im Zweifel auf das geschriebene Gesetz berufen“ [in:] „Krakauer Gründung“, Staatsarchiv Krakau.
  9. ↑ Schlesische historische Vierteljahresschrift Sobótka, Bd. 61, V. 2, 2006, S. 222; „Gedko dictus Stihoyt, der im Ortsdokument an erster Stelle steht, gehörte einer bekannten Breslauer Familie. Es ist daher anzunehmen, dass Gotkes Vater Alexander, diese Funktion ausübte.“ [in:] Geschichte Krakaus: Krakau bis zum Ende des Mittelalters 1998. S. 132.