Storm Center

Film
Titel Storm Center
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1956
Länge 86 Minuten
Stab
Regie Daniel Taradash
Drehbuch Daniel Taradash, Elick Moll
Produktion Julian Blaustein
Musik George Duning
Kamera Burnett Guffey
Schnitt William A. Lyon
Besetzung

Storm Center (deutsch in etwa: Das Auge des Sturms) ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1955 des Drehbuchautors Daniel Taradash, das sich „eindrucksvoll gegen die Antikommunistenhysterie der ‘Hexenjäger’ um Senator McCarthy wandte und in dem Bette Davis eine Bibliothekarin spielte, die sich standhaft weigert, ein prokommunistisches Buch aus dem Bibliotheksbestand zu entfernen.“

Handlung

Eine US-amerikanische Kleinstadt in Neuengland (US-Ostküste) in den 1950er Jahren. Die verwitwete Alicia Hull arbeitet dort mit Leidenschaft als Bibliothekarin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern die Freude am Lesen zu vermitteln. Als Gegenleistung für die Einrichtung einer Kinderabteilung verlangt der Stadtrat von ihr, das Buch „The Communist Dream“ aus dem Bestand der Bibliothek zu entfernen. Dies aber widerspricht zutiefst ihrer Auffassung, dass es Zensur nicht geben darf und selbst ein „schlechtes Buch“ gelesen und ausgeliehen werden müsse. Der Stadtrat, stark beeinflusst von der antikommunistischen Hysterie eines Joseph McCarthy, hält dagegen und verübt massiven Druck auf Alicia. Da sie standhaft bleibt und sich weigert, dieser Forderung nachzukommen, wird sie entlassen und als subversiver Charakter, dem man unterstellt, mit kommunistischen Idealen zu sympathisieren, gebrandmarkt. Der kleine Freddie Slater, ein bücherliebender Junge, den Alicia intensiv gefördert hat, ist über ihre Entlassung besonders bestürzt. Er kann die Hintergründe (noch) nicht begreifen.

Der ortsansässige Richter Robert Ellerbe hält Alicias Bestrafung für ungerecht und beruft eine Bürgerversammlung ein, in der Hoffnung, Unterstützung für sie zu mobilisieren. Doch der junge ehrgeizige Anwalt und angehende Politiker Paul Duncan – der mit der Bibliotheksassistentin Martha Lockridge liiert ist – enthüllt Alicias frühere Verbindungen zu Organisationen, die als kommunistische Geheimbünde enttarnt wurden. Alicia beteuert, sie sei aus diesen Verbänden längst ausgetreten, nachdem sie deren wahren Charakter erkannt habe. Doch aufgrund von Duncans aufhetzenden Enthüllungen erscheinen nur wenige Menschen zu dieser Versammlung. Angesichts des aufgeheizten Klimas befürchtet das Gros der Anwesenden, selbst als verkappte Kommunisten gebrandmarkt zu werden, sollte man sich auf Alicias Seite stellen. Angesichts dieser Bedenken erklärt Alicia, dass sie nicht länger gegen den Stadtrat kämpfen und die Angelegenheit auf sich beruhen lassen wolle. Da sich kein Widerstand gegen ihre Entlassung regt, wendet sich schließlich ein Großteil der Stadtbevölkerung gegen Alicia.

Freddie, zutiefst verwirrt und indoktriniert von den Ansichten anderer – insbesondere seines engstirnigen Vaters – lässt sich davon überzeugen, dass Alicia wohl ein schlechter Mensch sein müsse und wendet sich ebenfalls zutiefst enttäuscht von ihr ab. Infolgedessen entwickelt er eine regelrechte Aversion gegen Bücher und nennt, zutiefst verwirrt, seine einst verehrte Mentorin eine „Kommunistin“ und „böse, alte Hexe“. In seiner Wut und Gefühlsverwirrung legt er schließlich in der Bibliothek Feuer. Diese Tat führt zu einer Entzweiung zwischen Martha und Paul sowie zu einem Sinneswandel bei den Stadtbewohnern; sie bitten Alicia, zurückzukehren und den Bau eines neuen Bibliotheksgebäudes zu leiten. Alicia willigt ein, bedauert aber ihre frühere Entscheidung, nicht genug für ihre Überzeugungen und gegen die Borniertheit ihrer Feinde gekämpft zu haben. Sie gelobt, nie wieder zuzulassen, dass je ein Buch aus der Bibliothek entfernt wird.

Produktionsnotizen und Wissenswertes

Storm Center entstand zwischen dem 9. September und dem 19. Oktober 1955 in Kalifornien und erlebte seine Weltpremiere am 24. Mai 1956 in London. Die Erstaufführung in den Vereinigten Staaten fand am 26. September 1956 in Los Angeles statt. Eine Deutschlandpremiere im Kino gab es nicht, zu heikel schien dieses Thema in der Bundesrepublik Konrad Adenauers, in der zu jener Zeit eine nicht ganz unähnliche Kommunistenfurcht (KPD-Verbot 1956) herrschte. Storm Center wurde hier erst knapp zwei Jahrzehnte später erstmals gezeigt, als der Film am 22. Juni 1975 im Dritten Programm des NDR ausgestrahlt wurde.

Der Film, ursprünglich (1951) als Comeback für den Stummfilmstar Mary Pickford in der Bette-Davis-Rolle gedacht, war die einzige Regiearbeit Taradashs.

Cary Odell entwarf die Filmbauten, Frank A. Tuttle war Ausstatter. Richard H. Kline assistierte Chefkameramann Burnett Guffey.

Kritiken

In der Los Angeles Times hieß es: „Das Thema dieses mutigen „kleinen“ Films, der einen liberalen Standpunkt vertritt, ist die akademische Freiheit. Doch das Problem ist in erster Linie intellektueller Natur, und alle Bemühungen des Drehbuchautors (gemeinsam mit Elick Moll) und des Regisseurs Daniel Taradash, es in die Form eines emotionalen Melodrams zu kleiden, vermögen es nicht, den Film dauerhaft über die Ebene bloßer theoretischer Erörterungen hinauszuheben. (…) Auch wenn „Storm Center“ als realistisches Werk letztlich nicht vollends überzeugt, hinterlässt er beim Zuschauer doch ein neues Bewusstsein und sogar ein Gefühl gesellschaftlicher Verantwortung für die behandelte Problematik.“

Bosley Crowther schrieb in der New York Times: „Miss Davis verleiht der zwar spröden, aber standhaften Frau Menschlichkeit und Glaubwürdigkeit. (…) Die Grundidee ist weitaus besser als ihre Umsetzung. Die filmische Gestaltung des Dramas wirkt unbeholfen und abrupt. (…) Mr. Blaustein und Mr. Taradash haben sich redlich bemüht, doch es ist ihnen nicht gelungen, einen Film zu schaffen, der dramatische Spannung erzeugt oder für sein Thema leidenschaftlich brennt.“

„Kritische Anspielungen auf die McCarthy-Zeit werden weitgehend von der starken Melodramatik überdeckt. Herausragend: das Spiel der Hauptdarstellerin.“

Halliwell’s Film Guide fand den Film „nicht sonderlich fesselnd und ziemlich armselig produziert“.

Einzelnachweise

  1. ↑ Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films, Band 2, S. 309 f., Berlin 2001
  2. ↑ The Los Angeles Times vom 27. September 1956, S. 9
  3. ↑ The New York Times vom 22. Oktober 1956, S. 25
  4. ↑ Storm Center im Lexikon des internationalen Films, abgerufen am 20. Juni 2026
  5. ↑ Leslie Halliwell: Halliwell’s Film Guide, Seventh Edition, New York 1989, S. 963