Strauhof

Strauhof Zürich

Der Strauhof ist ein Literaturhaus in Zürich. Das barocke Bürgerhaus liegt mitten in der Altstadt von Zürich an der Augustinergasse 9 und verfügt über Ausstellungsfläche auf zwei Geschossen. Der Strauhof wird vom gemeinnützigen «Verein Literaturmuseum Zürich» getragen. Er sieht sich «an der Schnittstelle zwischen Literatur und deren räumlicher Inszenierung». Es werden wechselnde Ausstellungen «zu Fakten und Fiktionen, zu Geschichten und Gedichten gezeigt». Klassische Werke und aktuelle Themen sollen so erfahrbar gemacht werden. Im selben Gebäude ist seit 1989 die Zürcher James Joyce-Stiftung beheimatet.

Geschichte

Der heutige Charakter des barocken Bürgerhauses Das Haus zum Strauhof geht auf das Jahr 1772 zurück und ist im Wesentlichen erhalten geblieben. Seit den 1950er-Jahren wird die Liegenschaft vom Präsidialdepartement der Stadt Zürich für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Nach einer umfassenden Instandsetzung wurde der Strauhof 1989 von der städtischen Kunstkammer zum Museum für kulturgeschichtliche Ausstellungen, wobei sich der Fokus im Verlaufe der Jahre vermehrt auf literarische Inhalte zu richten begann.

Ausstellung zum 100. Geburtstag von Max Frisch, Strauhof, Zürich, 2011

Im Jahr 2002 übernahm Roman Hess, Bereichsleiter Literatur der Kulturabteilung der Stadt Zürich, die Leitung des Strauhofs und positionierte das Haus als Museum für literarische Ausstellungen. Im Zuge einer Restrukturierung der Zürcher Literaturförderung wurde 2013 die Schliessung des Museums Strauhof angekündigt. Dies löste eine breite Kontroverse und internationalen Protest aus, und rief unzählige Schweizer Kunstschaffende auf den Plan. Das Museum hatte unter der Leitung von Roman Hess breite Bekanntheit als Ausstellungsraum für Literatur erhalten.

Eine Petition mit über 4000 Unterschriften gegen die Errichtung eines Schreiblabors für Jugendliche in den Räumen an der Augustinergasse und die alternative Verschiebung des Strauhof an die Bärengasse, war erfolgreich. Der Protest von Privatpersonen wie auch Professoren, Vertretern von namhaften Museen und Kulturinstitutionen führte letztlich zur Entscheidung, im Strauhof weiterhin Literaturausstellungen stattfinden zu lassen. Das geplante Schreiblabor Jull wurde daraufhin an der Bärengasse eingerichtet. Der Strauhof durfte in den gewohnten Räumlichkeiten an der Augustinergasse 9 bestehen bleiben.

Nach einer öffentlichen Ausschreibung übertrug der Stadtrat Ende 2014 auf Empfehlung einer Expertenjury unter dem Vorsitz der Publizistin Klara Obermüller den Betrieb des Strauhofs dem gemeinnützigen «Verein Literaturmuseum Zürich» für vorerst drei Jahre. Vor der Übergabe an die neue Trägerschaft am 1. Juli 2015 wurde die Liegenschaft im Frühjahr 2015 durch den Literaturhistoriker Charles Linsmayer und die Gemeinschaft Publishers in Residence zwischengenutzt.

2017 beschloss der Gemeinderat nach Abschluss der dreijährigen Pilotphase die Überführung des Strauhofs in einen Normalbetrieb und die Erhöhung des Betriebsbeitrages. Die Leitung unterlag von 2015 bis 2018 Gesa Schneider und Rémi Jaccard und seit 2018 Rémi Jaccard und Philip Sippel. Ihrem Bestreben nach werden in den Literaturausstellungen vermehrt gesellschaftliche Aktualitäten aufgegriffen und stärkere Synergien im Kulturbereich geschaffen.

Konzept

Der Strauhof ist im engeren Sinn kein Museum, weil das Ausstellungshaus über keine eigene Sammlung verfügt. Unter der Leitung von Rémi Jaccard und Philip Sippel beleuchtet der Strauhof ausgehend von aktuellen Fragestellungen historische und gesellschaftliche Prozesse: Mit Ausstellungen, einem Veranstaltungsteil und Vermittlungsangeboten fördert der Strauhof das Wissen um und das Verständnis für Literatur. Die Ausstellungen widmen sich entweder Autoren oder Themen. Zwischen den Ausstellungen werden zudem mit der Vergabe einer Wild Card regelmässig Projekte diverser Kollektive ermöglicht, die sich zwischen Literatur, räumlicher Inszenierung und gesellschaftlichen Fragen bewegen.

Ausstellungen ab 2015

Wild Cards

Commons: Museum Strauhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Silvio Temperli: Aufruhr um den Strauhof: Kritik aus SP an eigener Stadtpräsidentin. In: Tages-Anzeiger, 28. November 2013.
  2. ↑ Urs Steiner: Theaterdönnerchen. In: Neue Zürcher Zeitung, 4. Oktober 2014.
  3. ↑ Roman Bucheli: Roman Hess zieht Bilanz. In: Neue Zürcher Zeitung, 16. September 2014.
  4. ↑ Roman Bucheli: Museum Strauhof: Der Verein Literaturmuseum hat das Haus übernommen. In: Neue Zürcher Zeitung, 18. Juli 2015. Abgerufen am 5. April 2017.
  5. ↑ Thomas Ribi, Urs Bühler: «Es geht nicht darum, Publikum zu bespassen». In: Neue Zürcher Zeitung, 27. Juli 2017.

Koordinaten: 47° 22′ 18,2″ N, 8° 32′ 24,2″ O; CH1903: 683188 / 247347